Spätfolgen bei Kindern und Jugendlichen durch COVID-19?

Bis es einen Corona-Impfstoff für Kinder und Jugendliche geben wird, dauert es wohl noch. Auch wenn die Infektionen bei ihnen meist sehr mild oder ohne Symptome verlaufen: Fachleute erwarten eine Zunahme der Spätfolgen.

Überlegungen zum Aufbau von Spezialambulanzen für Kinder und Jugendliche

Bis es einen Corona-Impfstoff für Kinder und Jugendliche geben wird, dauert es wohl noch. Auch wenn die Infektionen bei ihnen meist sehr mild oder ohne Symptome verlaufen: Fachleute erwarten eine Zunahme der Spätfolgen.

Mit der Zunahme der Corona-Ansteckungen bei Kindern und Jugendlichen sind nach Einschätzung eines pädiatrischen Infektiologen auch mehr Spätfolgen in diesen Gruppen zu erwarten. "Wir rechnen durch die Lockerungen der Maßnahmen mit mehr Betroffenen mit meist diffusen, länger anhaltenden gesundheitlichen Problemen", sagte Markus Hufnagel vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Freiburg. "Darauf ist die Pädiatrie im Vergleich zur Versorgungssituation bei Erwachsenen nach überstandener Infektion noch nicht vorbereitet."

Akute Corona-Infektionen laufen bei Kindern oft symptomlos ab, schwere Krankheitsverläufe sind auch noch bei Jugendlichen eher selten. Von Spätfolgen wird dennoch auch bei Minderjährigen berichtet: Diese setzten manchmal auch erst Monate nach der Corona-Infektion ein oder verschlechterten sich, schildert Hufnagel. Für ÄrztInnen gelte es in solchen Fällen zum Beispiel, das Vorliegen anderer Infektionen durch Tests auszuschließen. Um den Betroffenen ambulante Angebote machen zu können, gebe es Überlegungen zum Aufbau von Spezialambulanzen für Kinder und Jugendliche.

Von Gelenk- und Muskelschmerzen bis hin zu Hautveränderungen

In der Fachsprache ist bei dem Phänomen von Long Covid oder Post Covid die Rede. Da für Kinder und Jugendliche noch keine COVID-19-Impfstoffe zugelassen sind, zählen sie zu den Gruppen, die noch einige Monate empfänglich für das Virus sein werden. Mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen mit Schul- und Kita-Öffnungen rücken mögliche Spätfolgen der Infektion in diesen Gruppen in den Fokus. Seit Wochen steigen die nachgewiesenen Corona-Fälle bei Kindern und Jugendlichen nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) an.

"Das Krankheitsbild ist sehr variabel", erläutert Hufnagel und zählt mögliche Folgen auf, die auch in Kombination auftreten könnten: Darunter sind chronische Erschöpfung, generelle Leistungsminderung und Gelenk- und Muskelschmerzen. Aber auch Hautveränderungen, ähnlich Frostbeulen an den Zehen. Anhaltender Geruchs- und Geschmacksverlust spiele hingegen im Vergleich zu Erwachsenen bei Kindern und Jugendlichen eine untergeordnete Rolle. "Generell sind die Symptome nicht Sars-CoV-2-spezifisch. Das heißt, wir kennen solche anhaltenden gesundheitlichen Einschränkungen auch von anderen Virusinfektionen wie dem Pfeifferschem Drüsenfieber", betonte Hufnagel.

Fälle in den ersten zehn Lebensjahren deutlich seltener

Das Problem dürfe nicht unterschätzt werden: Je höher die Fallzahlen insgesamt sind, desto größer werden auch die Zahlen der Lange-Leidenden. ´"Das Problem wird derzeit eher größer als kleiner, wir sehen schon jetzt deutlich mehr Post-Covid-Fälle", sagte Hufnagel. "Das sind eher Patienten im Jugendalter; Fälle in den ersten zehn Lebensjahren sind deutlich seltener." In der Regel hätten Eltern den Verdacht auf einen Zusammenhang mit einer Corona-Infektion, teils gebe es auch schon einen Antikörpernachweis.

Daten aus Deutschland zu dem Thema gebe es bislang nicht, sagte Hufnagel, der mit Kollegen der Dresdner Universitätskinderklinik ein Register zu Krankheitsverläufen aller stationär behandelten Kinder und Jugendlichen mit Sars-CoV-2-Infektion der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie etabliert hat. Eine Studie, bei der Haushalte mit Corona-Fällen über längere Zeit begleitet wurden, habe gezeigt, dass fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen unter 14 Jahren drei Monate nach der Infektion noch mindestens ein Symptom aufwiesen. Bei Erwachsenen betreffe es hingegen bis zu jeden Dritten, schilderte Hufnagel.

Lockdown als großer Stressfaktor

Schätzungen britischer StatistikerInnen vom Office for National Statistics (ONS) zeigen ebenfalls, dass die Last nach durchgemachter Infektion bei Erwachsenen deutlich ausgeprägter zu sein scheint. Während der Anteil derjenigen, die fünf Wochen nach einer Infektion noch mindestens ein Symptom wie Husten, Fieber oder Müdigkeit haben, bei den Zwei- bis Elfjährigen bei rund 13 Prozent liegt, sind es bei den 12-bis 16-Jährigen 14,5 Prozent.

Allerdings spielt beim Auftreten der Spätfolgen nach Einschätzung Hufnagels auch die generell belastende und ermüdende Pandemiesituation eine Rolle - nicht nur das Virus allein. "Der Lockdown ist ein großer Stressfaktor. Wenn sich die Pandemiesituation bessert, dürften zumindest bei einem Teil der Betroffenen auch die Ermüdungsanzeichen besser werden."

Esanum is an online network for approved doctors

Esanum is the medical platform on the Internet. Here, doctors have the opportunity to get in touch with a multitude of colleagues and to share interdisciplinary experiences. Discussions include both cases and observations from practice, as well as news and developments from everyday medical practice.

Esanum ist ein Online-Netzwerk für approbierte Ärzte

Esanum ist die Ärzteplattform im Internet. Hier haben Ärzte die Möglichkeit, mit einer Vielzahl von Kollegen in Kontakt zu treten und interdisziplinär Erfahrungen auszutauschen. Diskussionen umfassen sowohl Fälle und Beobachtungen aus der Praxis, als auch Neuigkeiten und Entwicklungen aus dem medizinischen Alltag.

Esanum est un réseau en ligne pour les médecins agréés

Esanum est un réseau social pour les médecins. Rejoignez la communauté et partagez votre expérience avec vos confrères. Actualités santé, comptes-rendus d'études scientifiques et congrès médicaux : retrouvez toute l'actualité de votre spécialité médicale sur esanum.