Sparmaßnahmen führen zu schlechter Gesundheitsversorgung in Griechenland

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Gesundheitssystem ist mit dem Land in die Krise geraten. Private Initiativen versuchen die Not wenigstens ein bisschen zu lindern.

Es ist noch früh am Morgen, als die Sanitäter Dionysis Arvanitakis und Stefanos Kapetanios mit atemberaubender Geschwindigkeit zu ihrem ersten Einsatz rasen. Mit dem Krankenwagen geht es durch den Athener Verkehr zu einem neun Jahre alten Patienten, der zu seinem Kliniktermin gebracht werden muss. Der Junge steht schon vor der Haustür bereit. Seine Mutter hat ein großes Kissen unter ihren Arm geklemmt. Beim letzten Besuch habe das Krankenhaus keine Kissen gehabt, sagt sie.

Seit Monaten hält die Griechenland-Krise Europa mal wieder in Atem. Gerade gab es ein drittes Hilfspaket der internationalen Geldgeber. Doch die seit fünf Jahren andauernden Sparmaßnahmen haben schon seit längerem zum Teil verheerende Auswirkungen für die Griechen – etwa im Gesundheitswesen.

“Die pauschalen Sparmaßnahmen haben Leistungen in allen Bereichen verringert und die Gesundheitsversorgung ganz unmittelbar verschlechtert”, sagt Alexander Kentikelenis. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität von Cambridge und Experte für die Folgen von Finanzkrisen. Einige Reformen des Gesundheitswesens waren seiner Ansicht nach zwar erforderlich, das Ausmaß der Kürzungen aber habe wichtige Gesundheitsindikatoren massiv verschlechtert. So sei etwa die Kindersterblichkeitsrate zwischen 2008 und 2010 um 43 Prozent gestiegen, schreibt er in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet.

Da in Griechenland eine Krankenversicherung nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit abläuft, hatte die Wirtschaftskrise verheerende Folgen für die Gesundheitsversorgung: Inoffiziellen Schätzungen zufolge haben nun zwei bis drei Millionen Griechen keine Krankenversicherung. Auch in den Krankenhäusern fehlt es an Geld. Die Etats der öffentlichen Krankenhäuser seien seit 2009 um 50 Prozent geschrumpft, sagt Charalampos Economou, Professor für Gesundheitspolitik an der Panteion Universität in Athen.

Private Organisationen versuchen, die Löcher wenigstens teilweise zu stopfen, die die Austeritätsmaßnahmen aufgerissen haben. So wie die Ehrenamtlichen von “Das Lächeln des Kindes”, für die sich auch die Sanitäter Arvanitakis und Kapetanios engagieren.

Während in Deutschland ein Rettungswagen – den gesetzlichen Vorgaben entsprechend – meist nach einigen Minuten am Einsatzort eintreffe, herrschten in Griechenland weit schlechtere Bedingungen, hat Christos Kammilatos vom Führungsteam der Organisation beobachtet. In Griechenland müsse man zwischen 45 Minuten und einer Stunde warten. “In der Zeit stirbt man zweimal.” Eine Stadt wie Athen mit 3,5 Millionen Einwohnern braucht seiner Meinung nach rund 300 funktionierende Krankenwagen – es gebe aber nur 100.

Mit ihren acht Krankenwagen in Athen, Thessaloniki und auf Kreta bietet “Das Lächeln des Kindes” eine Leistung, die dringend benötigt wird. Sie transportieren ausschließlich Kinder – nach eigenen Angaben bereits 690 in den ersten sechs Monaten dieses Jahres. Aufträge aus öffentlichen Kliniken sind demnach im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2014 um 40 Prozent gestiegen. Zudem bietet die Einrichtung weitere Hilfs- und Gesundheitsprogramme. 90 Prozent des Jahresetats der Organisation von rund 13 Millionen Euro kommen von privaten Spendern.

Derweil sind die Sanitäter Arvanitakis und Kapetanios unterwegs zu ihrer nächsten Patientin: der 13-jährigen Ioanna. Sie wachte eines Morgens vor einem Jahr mit einer Lähmung auf. Über die Ursache rätseln die Ärzte noch immer. Einmal wöchentlich muss sie zur Physiotherapie – doch der Transport wäre ohne fremde Hilfe fast unmöglich.

Nach einer freundlichen Begrüßung heben sie das Mädchen auf die Trage. Kapetanios, der mit der 13-Jährigen hinten im Krankenwagen sitzt, wechselt den Radiosender zu ihrer Lieblingsstation – sie liebt Popmusik. Für Ioanna ist der Transport sichtlich anstrengend. Doch sie ist entschlossen, wieder gesund zu werden – und wie ein normaler Teenager zur Schule zu gehen.

Text und Foto: dpa /fw

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