Spitzenqualität in Krankenhäusern gegen Widerstände einfordern

Von Dr. Bodo Müller Die Bundesregierung hat eine Qualitätsoffensive im Gesundheitswesen eingeläutet und ein neues Qualitätsinstitut ins Leben gerufen. Dieses bietet die Chance, eine bessere kranken

Von Dr. Bodo Müller

Die Bundesregierung hat eine Qualitätsoffensive im Gesundheitswesen eingeläutet und ein neues Qualitätsinstitut ins Leben gerufen. Dieses bietet die Chance, eine bessere krankenhäusliche Versorgung durchzusetzen. Voraussetzung dafür sind Unabhängigkeit von Politik und Verbänden sowie ein Höchstmaß an Autorität.

Nach welchen Kriterien sucht ein Patient ein Krankenhaus aus? Natürlich spielen vor allem die räumliche Nähe zum Wohnort, die Empfehlung eines Facharztes, der allgemeine Ruf sowie Erfahrungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis eine Rolle. Bei einer komplizierten Operation ist die Entscheidungsfindung schwieriger: Welche Operations- und Therapieverfahren bietet ein Krankenhaus? Über welche Referenzen verfügt der Arzt? Wie hoch ist die durchschnittliche Liegedauer? Wie schneidet das Krankenhaus bei Bewertungsportalen im Internet ab?

Bei knapp einem Drittel aller Krankenhausaufenthalte fehlt dem Patienten aufgrund der Dringlichkeit die Zeit für Recherche. Trotzdem sollte er natürlich einen Anspruch auf eine gute Behandlung haben. Nicht zuletzt deshalb hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe eine Qualitätsinitiative gestartet. Er will mehr Transparenz in Sachen Krankhausqualität herstellen. Seine Logik: Mehr Transparenz führe zu größeren Anstrengungen der Krankenhäuser. Wenn zusätzlich die Vergütung erfolgsabhängig erfolge, sei sogar ein doppelter Ansporn für bessere Qualität gegeben.

Gute Patientenbetreuung soll sich finanziell lohnen

Fest steht, dass Patienten im Krankenhaus eine optimale Behandlung erwarten. Genauso wollen die Krankenkassen nicht für jede Operation – ob gut oder schlecht durchgeführt – die gleichen Vergütungssätze zahlen. Die überwiegende Mehrzahl der Krankenhäuser und Ärzte arbeitet sehr qualitätsbewusst und erwartet zurecht, dass ihre gute Arbeit finanziell honoriert wird. Ärzte, Krankenhäuser und Patienten sind sich einig, dass eine bessere Qualität allgemein zugänglich, transparent und verständlich sein sollte.

Die Erarbeitung von Qualitätskriterien wird eine der ersten Aufgaben des neuen „Instituts zur Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen“ sein. Ab 2016 soll es als Stiftung und fachlich unabhängig dem Gemeinsamen Bundesausschuss wissenschaftlich und methodisch fundierte Entscheidungsgrundlagen für Maßnahmen der Qualitätssicherung liefern und helfen, diese umzusetzen. Außerdem soll das Institut zu mehr Transparenz bei der Qualität der Versorgung beitragen und hierzu unter anderem Qualitätsvergleiche zu Krankenhausleistungen veröffentlichen.

Längst gibt es eine Einrichtung zur Qualitätssicherung: Das Göttinger Aqua-Institut, das für den Gemeinsamen Bundesausschuss die Qualitätsreports der Krankenhäuser erhebt. Leider zeichneten sich die Berichte in der Vergangenheit durch für den Laien geringe Verständlichkeit aus. Bis Ende 2015 läuft der Vertrag mit dem Aqua-Institut noch – die neue Einrichtung fängt also nicht von Null an. Seine Aufgabe wird deshalb vorrangig sein, endlich eine Instanz zu schaffen, deren Qualitätskriterien von allen Trägern im Gesundheitswesen anerkannt wird – von Krankenkassen, Ärzten, Verbänden, Pflegepersonal und Patienten. Möglicherweise kann das Institut auf einen unerwarteten Verbündeten hoffen: die gesetzlichen Krankenkassen. Diese fragen sich seit langem, warum sie für schlechte und nachweislich fehlerhafte Behandlungen und Operationen überhaupt zahlen sollen.

Unabhängigkeit schützt vor Lobbyisten

Der Ansatz, eine Stiftung des privaten Rechts zur Trägerin des neuen Qualitätsinstituts zu machen, soll Unabhängigkeit sicherstellen, denn in keinem anderen Bereich werden Partikularinteressen derart resolut durchgefochten wie von den Lobbyisten in der Gesundheitspolitik. Mitte August 2014 lief die Bewerbungsfrist für die Position des Institutsleiters ab. Davon hängt ebenfalls ab, welche Akzeptanz das Qualitätsinstitut findet. Im Sinne der Unabhängigkeit bleibt zu hoffen, dass die Stelle nicht politisch und auch nicht durch einen Verbandsvertreter besetzt wird. Fachliche medizinische Kompetenz sollte im Vordergrund stehen.

Man darf gespannt sein, inwieweit die Kriterien des neuen Instituts über das hinausgehen, was private Klinikvergleiche wie die jährliche Klinikliste des „Focus“ leisten. In derartigen Rankings finden bereits Kriterien wie die Zahl der Operationen, die Komplikationsrate und die Dauer der Liegezeit Berücksichtigung. Es werden Daten zu Hygiene und Pflege sowie zum nachhaltigen Behandlungserfolg erhoben. Auch Krankenhausempfehlungen von Fachärzten berücksichtigen einige Rankings. Nur fehlt allen Ranglisten der offizielle Charakter. Sie liefern Orientierung, aber besitzen keine Autorität. Das soll sich mit dem neuen Qualitätsinstitut ändern.

Bei der Qualitätsdiskussion im Krankenhauswesen sollten weitere Fragen nicht ausgespart werden: Stichwort Überkapazitäten. In den städtischen Ballungszentren gibt es zu viele, für die Patientenversorgung nicht notwendige Kliniken. In ländlichen Gegenden fehlen zwar Fachärzte. Doch gehört die Frage, ob Zusammenschlüsse von Kliniken eine bessere krankenhäusliche Versorgung sicherstellen können, ebenfalls auf die Tagesordnung.

Über Dr. Bodo Müller

Dr. Bodo Müller ist Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe im Vivantes-Klinikum Berlin Hellersdorf. Gleichzeitig ist er Gründer von esanum.

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