Sportmediziner empfiehlt die “richtige Dosis” Sport

Ein paar Fritten weniger und etwas Sport – den Gelenken würde das richtig gut tun. Orthopäden haben es satt, Krankheiten immer nur hinterherzulaufen. Manche, wie Sportmediziner Horstmann, ste

Ein paar Fritten weniger und etwas Sport – den Gelenken würde das richtig gut tun. Orthopäden haben es satt, Krankheiten immer nur hinterherzulaufen. Manche, wie Sportmediziner Horstmann, stellen ihre Patienten erstmal auf die Körperfettwaage.

Von wegen “Sport ist Mord”: Orthopäden wünschen sich etwas sportlichere Patienten. “Wir brauchen dringend Bewegung, um nicht zu degenerieren”, betont der Orthopädie-Chefarzt und Sportmediziner Prof. Thomas Horstmann aus dem bayerischen Medical Park St. Hubertus Bad Wiessee. “Der Krankheit immer nur hinterher laufen und heilen ist frustrierend”, sagt der Organisator der diesjährigen Tagung der Vereinigung Süddeutscher Orthopäden im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Bei der dreitägigen Veranstaltung bis Samstag in Baden-Baden steht deshalb auch der Sport im Mittelpunkt.

Frage: Motto Ihrer Diskussionsveranstaltung ist diesmal “Sport ist Mord” – leben Sportler so gefährlich?

Antwort: Von Hochhäusern springen oder Mountainbikerennen – der Nervenkitzel kann für manche gar nicht groß genug sein. Generell gilt: je extremer die Sportart, desto mehr Verletzungen. Auch beim Profi-Fußball werden Spieler durch maximale Verdichtung des Spielplans massiv überlastet.

Frage: Was ist mit verletzungsträchtigen Hobbys wie Skateboardfahren?

Antwort: Da holt man sich bei Sprüngen auch öfter mal Beulen und Schrammen. Aber das ist immer noch besser als zu Hause vor der Playstation sitzen. Wir brauchen dringend Bewegung, um nicht zu degenerieren. Gerade in unserer technisierten Gesellschaft.

Frage: Also doch ein Plädoyer für den Sport?

Antwort: Auf jeden Fall. Wir werden immer fauler und dicker. Die Deutschen wurden in den letzten 20 Jahren jedes Jahr im Schnitt 500 Gramm schwerer, US-Amerikaner sogar um 800 Gramm. Wenn ein Patient mit 52 Prozent Körperfett in meine Klinik kommt, dann ist das einfach zu viel – der hat in den letzten Jahren alles schleifen lassen.

Frage: Was hat das zur Folge?

Antwort: Jedes Kilo auf dem Leib wirkt sich beim Gehen auf Knie und Hüfte dreifach aus – bergab sogar fünffach. Die Gelenke werden immer mehr verschlissen. Gerade in einer alternden Gesellschaft kommen da große gesundheitliche Probleme und Kosten auf uns zu.

Frage: Was tun?

Antwort: Am liebsten würde ich alle Rolltreppen verbieten (lacht). Der Krankheit immer nur hinterherlaufen und heilen ist frustrierend.

Frage: Was empfehlen Sie?

Antwort: Treppensteigen, Radfahren, Cross- oder Heimtrainer und auch ein bisschen Krafttraining. Eine gut trainierte Muskulatur schützt Gelenke, und man hat weniger Schmerzen bis ins hohe Alter. Knochen werden stabiler durch Sport. Das ist auch gut bei Osteoporose und Arthrose. Aber: Es kommt auf die richtige Dosis an. Bei Übertreibung ist alles Gift.

 


ZUR PERSON: Thomas Horstmann (54) ist Chefarzt Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin im Medical Park St. Hubertus, Bad Wiessee. Der Mediziner hat bei einer Größe von 1,88 Metern und 76 Kilo Gewicht 11 Prozent Körperfett – und ist damit für seine Patienten durchaus Vorbild. Er fährt Rad und segelt in seiner Freizeit Katamaran.

Text: dpa /fw

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