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Staatsanwaltschaft prüft Fremdverschulden nach Todesfall in Klinik

Ein orientierungsloser, schwerkranker Mann verschwindet spurlos in der Uniklinik Köln. Tage später wird er tot gefunden - in der Klinik. Ein tragischer Einzelfall - oder ein strukturelles Problem?

Im Fall eines tot aufgefundenen Patienten in der Kölner Uniklinik prüft die Staatsanwaltschaft, ob es Hinweise auf ein Fremdverschulden gibt. Dabei werde jedoch nicht gegen eine bestimmte Person ermittelt, sondern es gehe um eine allgemeine Ursachenforschung, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer am Donnerstag in Köln. In dem Fall war ein Patient mehr als eine Woche nach seinem Verschwinden tot in der Uniklinik gefunden worden.

Eine Klinikmitarbeiterin entdeckte die Leiche des vermissten 74-jährigen schwerkranken Mannes, der unter Orientierungsschwierigkeiten litt, in einem Technikraum. Eine Obduktion soll die Todesursache klären, vermutet wird ein Sturz. Der 74-Jährige war zuletzt in der Uniklinik in Behandlung. Seit dem 20. Februar war nach ihm gesucht worden. Die Obduktion des Leichnams erbrachte am Donnerstag keine Hinweise auf ein Gewaltverbrechen. Die Todesursache habe nicht eindeutig festgestellt werden können, sagte Bremer.

Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte dazu am Donnerstag, die grundsätzliche Problematik sei seit langem bekannt, bisher sei konkret aber wenig geschehen. Dabei nehme der Anteil von Menschen mit Orientierungsschwierigkeiten in Krankenhäusern von Jahr zu Jahr zu.

"Dort, wo Patienten nicht hinkommen sollen, muss es automatische Schließsysteme geben, die das verhindern", forderte Brysch. "Auch fehlen offensichtlich Notfallpläne, die ein systematisches Suchen organisieren. Nur wenn durchsuchte Räume eindeutig gekennzeichnet werden, ist eine lückenlose Kontrolle möglich." Ein solches Konzept fehle jedoch bei den meisten der rund 2000 Krankenhäuser in Deutschland.

Dagegen sagte der Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Joachim Odenbach, es gehe hier um einen entsetzlichen Unglücksfall. "Aber eine Uniklinik ist riesig groß, da gibt es Bereiche, wo nie jemand hingeht." In anderen großen Einrichtungen könne das genauso passieren. Aber natürlich helfe dies den Angehörigen nicht, sagte Odenbach.

2015 hatte in einer Klinik in Gelsenkirchen ein Patient acht Tage in einem kaputten Aufzug gelegen, bis seine Leiche entdeckt wurde. Bei dem Mann handelte es sich um einen 59-Jährigen, der sich freiwillig als Patient in stationäre Behandlung der psychiatrischen Abteilung begeben hatte.