Stechmücken werden immer gefährlicher

Stechmücken werden nach Forscherangaben immer gefährlicher. Nicht nur die eingewanderten exotischen Arten können Krankheitserreger übertragen. Heimische Stechmücken verbreiten inzwischen das aus Afrika stammende West-Nil-Virus.

Überträger von Krankheitserregern

Stechmücken werden nach Forscherangaben immer gefährlicher. Nicht nur die eingewanderten exotischen Arten können Krankheitserreger übertragen. Heimische Stechmücken verbreiten inzwischen das aus Afrika stammende West-Nil-Virus.

Die Stechmücken sind in diesem Jahr bereits ausgeschwärmt. Das bestätigt Doreen Werner, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg (Brandenburg), die im Februar schon etliche Exemplare in speziellen Fallen gefangen hat. "Mit steigenden Temperaturen werden sie aktiver. Wenn dazu noch viel Regen kommt, finden sie auch gleich die notwendigen feuchten Brutplätze für die Eiablage", erklärt die Mückenexpertin.

Vor allem dort, wo die Eier bereits vor dem Winter in den Boden gebracht wurden, sei der Niederschlag wichtig. "Regnet es dort in den nächsten Tagen, können wir Ende März, Anfang April mit den ersten neuen Mücken des Jahres rechnen." Abgesehen von den lästigen und manchmal schmerzhaften Stichen bereitet Werner Sorge, dass einheimische Stechmücken offenbar zunehmend gefährliche Krankheitserreger übertragen. "Hätten wir keine Corona-Pandemie, würden wir mehr über die Zunahme an Fällen des West-Nil-Fiebers reden."

West-Nil-Virus 2019 erstmals in Deutschland nachgewiesen

Erstmals 2019 hatte das Robert Koch-Institut (RKI) fünf in Deutschland erfolgte Infektionen mit dem ursprünglich aus Afrika stammenden Virus diagnostiziert. "Im vergangenen Jahr wurden bereits 20 Fälle des West-Nil-Fiebers gemeldet, darunter ein Todesfall. Wie schon 2019 waren Sachsen, Berlin und Sachsen-Anhalt betroffen", bestätigt RKI-Epidemiologin Christina Frank.

Die Dunkelziffer könnte weitaus höher sein, vermuten beide Wissenschaftlerinnen. Denn das Virus, das laut RKI durch Zugvögel eingeschleppt wurde, zeige bei Menschen teilweise gar keine oder nicht eindeutige Symptome. Diese könnten von leichter Übelkeit und Kopfschmerzen über Fieber bis hin zu neurologischen Schäden reichen, erläutert Werner. "Ich würde mich nicht wundern, wenn hinter den 20 Fällen etwa 1000 Infizierte stehen, von denen allerdings 80 Prozent von der Infektion nichts gemerkt haben dürften", erklärt Frank.

Nur etwa einer von 100 Infizierten würde ein schweres Krankheitsbild entwickeln, sagt sie. Davon seien vor allem ältere Menschen betroffen. Sie vermutet allerdings, dass die Zahl der diagnostizierten Fälle weiter steigen wird, schon aufgrund des steigenden Bekanntheitsgrades des West-Nil-Virus in Deutschland und der Sensibilisierung der Ärzte.

Verschiedene Viren in heimischen Mücken gefunden

Die als Überträger dienenden Stechmücken saugen nach Auskunft Werners Blut sowohl bei Vögeln als auch bei anderen Wirbeltieren und dem Menschen. So könnten sie das Virus von Vögeln etwa auf Pferde oder Menschen übertragen. Der Klimawandel begünstige diese Entwicklung. "Wird es also dieses Jahr wieder extrem warm, geht es möglicherweise richtig ab." In heimischen Mücken, seien auch schon Krankheitserreger wie Usutu-, Sindbis- und Batai-Viren gefunden worden. Diese könnten bei Menschen allerdings nur milde Symptome verursachen.

Weitere Gefahr ernsthafter Erkrankungen droht laut Werner durch exotische, invasive Mückenarten. "Die Asiatische Tigermücke, die Asiatische Buschmücke und die Aedes koreicus, auch Koreanische Buschmücke genannt, werden wir in Deutschland wohl nicht mehr ausrotten können." Diese drei Arten, die tropische Erreger wie Zika-, Chikungunya- oder Dengue-Viren übertragen könnten, würden sich unaufhaltsam in Deutschland ausbreiten. So sei beispielsweise die Asiatische Buschmücke lediglich in Berlin und Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern sowie Schleswig-Holstein noch nicht registriert worden.

Das RKI verweist jedoch darauf, dass mehrere Faktoren für eine Ausbreitung etwa des Dengue-Erregers nötig sind. In Deutschland kämen zwar regional zumindest theoretisch für dessen Verbreitung geeignete Mücken vor, schreibt es, "die hiesigen klimatischen Bedingungen sind jedoch für Übertragungen wenig geeignet".

Bisher kein medikamentöser Schutz gegen Mücken vorhanden

Einen vorbeugenden medikamentösen Schutz gegen Mücken und die durch sie übertragene Krankheitserreger gibt es nach Ansicht der beiden Wissenschaftlerinnen nicht. Schutznetze vor den Fenstern und das Auftragen von Insektenschutzmitteln empfiehlt Frank vor allem älteren, da gefährdeteren Menschen. Biologin Werner sieht einen Lösungsansatz auch in der Vermeidung von potenziellen Mücken-Brutplätzen. "Mit Wasser gefüllte Regentonnen sollten abgedeckt, Vogeltränken oder Blumenvasen mindestens einmal die Woche geleert werden." Auch BTI-Tabletten im länger stehenden Wasser könnten helfen. Der biologische Wirkstoff zerstöre den Darm der Mückenlarven. Ein oder zwei Grundstücke mit optimalen Bedingungen für Mücken reichten allerdings aus, um eine ganze Region zu verseuchen.

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