Studie zu ​​​​​​​Körpermodifikation fragt: Sind Tattoos gut für die Psyche?

Tattoos, Piercings und Narben als Selbsttherapie

Mediziner sehen Tätowierungen und anderen Körperschmuck wie Piercings oft kritisch – handelt es sich dabei doch um Eingriffe, die gesundheitliche Risiken bergen. In der Fachzeitschrift "PiD Psychotherapie im Dialog" weisen Psychologen der Medical School Hamburg nun darauf hin, dass sich Körpermodifikationen wie Tattoos oder Piercings positiv auf die Psyche und damit auf die seelische Gesundheit gerade von Heranwachsenden auswirken können.

"In den letzten 20 Jahren sind Tätowierungen zu einem Massenphänomen geworden", sagt Professor Dr. Erich Kasten, der in seinem Beitrag sowohl die Geschichte als auch die aktuelle Studienlage zum Thema Körperschmuck und Psyche beleuchtet. Dass vor allem junge Menschen diesem Trend folgen, verwundert ihn und seine Co-Autorin Nina Zeiler nicht – schließlich werden Tattoos und Piercings seit Jahrtausenden in verschiedenen Kulturen vorwiegend im Rahmen von Reifezeremonien angebracht. Die Möglichkeit, jemanden "fürs Leben zu zeichnen" machten sich bis in die jüngere Vergangenheit auch immer wieder staatliche Institutionen zunutze, um bestimmte Personenkreise im Wortsinne zu brandmarken – etwa beim Tätowieren von Straftätern im Mittelalter oder bei der Nummerierung von KZ-Insassen im Dritten Reich.

Auch freiwillige Tätowierungen drückten lange Zeit ein starkes Zugehörigkeitsgefühl zu einer bestimmten Gruppe aus – zunächst unter See- oder Zirkusleuten oder Gefängnisinsassen, dann auch unter Mitgliedern von Rockerbanden. Damit wurde gleichzeitig aber auch eine Außenseiterrolle zementiert. Obwohl Piercings und Tattoos heute in allen gesellschaftlichen Schichten vertreten sind, haftet ihnen dieses Stigma zum Teil immer noch an.

Vermutlich ist es gerade die Aura des Rebellischen, die Körpermodifikationen für junge Menschen so attraktiv macht. "Tattoos und Piercings lassen sich als ein in die Haut eingestanzter Ausdruck des eigenen Charakters interpretieren", schreiben Kasten und Zeiler. Daran könnten junge Menschen auch reifen, betonen sie. In Studien hätten Tattoo-Träger nach dem Stechen über ein deutlich höheres Selbstwertgefühl berichtet und sich insgesamt attraktiver und besser in ihre Peer-Group integriert gefühlt.

Eine fast therapeutische Funktion scheinen Piercings, Tattoos oder Schmucknarben bei jungen Menschen zu haben, die zu selbstverletzendem Verhalten neigen. Erich Kasten berichtet hier von einer eigenen Studie, in der ein Viertel der Teilnehmer angab, sich seit dem ersten Piercing weniger oft zu ritzen oder zu schneiden, ein weiteres Viertel hatte die Selbstverletzungen ganz aufgegeben. Ähnliche Effekte zeigten sich auch nach Tätowierungen oder dem Einbringen von Schmucknarben. "Offenbar können Körpermodifikationen in diesen Fällen eine Art Ventilfunktion einnehmen und entlastend wirken", resümiert Kasten.

Diese positiven Aspekte sollten, nach Ansicht des Experten, nicht unbeachtet bleiben. Gleichzeitig plädiert er aber auch dafür, die Risiken, die mit dem Stechen verbunden sind, nicht auszublenden. Neben körperlichen Beeinträchtigungen wie Infektionen, Allergien und hormonellen Störungen zählen dazu noch immer das gesellschaftliche Stigma sowie das Risiko, das Motiv in einigen Jahren selbst nicht mehr zu mögen. Als nächster Trend könnte sich dann das aufwendige und riskante Entfernen der Schmuckbilder etablieren.

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