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Telefonischer Dolmetsch-Service bietet Ärzten Soforthilfe bei fremdsprachigen Patienten

Das Erstellen einer treffenden Diagnose setzt eine umfangreiche Anamnese heraus. Wie soll ein Arzt aber Krankengeschichte und Beschwerden beurteilen, wenn er einen Patienten nicht versteht oder kein Verwandter oder Bekannter als Übersetzer fungiert? Zeichensprache kann kaum die Lösung sein. Ein Problem im täglichen Praxis- und Klinikbetrieb – insbesondere bei Notfällen.

Interview mit Dr. Lisanne Knop, Assistenzärztin aus Berlin, über den von ihr mitgegründeten Dienst Triaphon

Das Erstellen einer treffenden Diagnose setzt eine umfangreiche Anamnese heraus. Wie soll ein Arzt aber Krankengeschichte und Beschwerden beurteilen, wenn er einen Patienten nicht versteht oder kein Verwandter oder Bekannter als Übersetzer fungiert? Zeichensprache kann kaum die Lösung sein. Ein Problem im täglichen Praxis- und Klinikbetrieb – insbesondere bei Notfällen.

Die Berliner Non-Profit-Organisation Triaphon bietet niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern und Pflegepersonal einen telefonischen Dolmetsch-Service für genau diejenigen Fälle, in denen niemand vor Ort übersetzen kann. Dr. Lisanne Knop, Assistenzärztin in der Kinderklinik des Sana-Klinikums Lichtenberg in Berlin, und Dr. Korbinian Fischer, ein angehender Allgemeinarzt aus Hamburg, haben Triaphon gegründet. Das Netzwerk kann aktuell auf rund 200 Sprachmittler zurückgreifen, die ehrenamtlich für telefonische Spontanübersetzungen zur Verfügung stehen.

esanum: Frau Dr. Knop, Triaphon www.triaphon.org bietet Übersetzungen in medizinischen Notfällen an. Wie genau funktioniert der Service?

Knop: Wir haben ein Netzwerk von inzwischen 200 Sprachmittlern aufgebaut, die das Projekt unterstützen und eine 24-Stunden-Bereitschaft abdecken. Sie helfen rund um die Uhr – auch bei kurzen Anrufen. Als Anrufender wählt man unsere Servicenummer und gelangt zum Sprachmenü. Mittels Tastendruck kann der Anrufer die entsprechende Sprache wählen. Die Telefonanlage lässt dann bei allen Sprachmittlern, die sich zu diesem Zeitpunkt im System als "aktuell verfügbar" für die gesuchte Sprache gemeldet haben, das Telefon klingeln. Innerhalb weniger Sekunden ist so die Verbindung hergestellt und es kann ein konsekutives Dolmetsch-Gespräch beginnen.
Die Gesprächsinhalte werden nicht aufgezeichnet. Lediglich die eingehende Nummer, Sprachwahl, Dauer des Telefonats, Bewertung und Sprachmittler werden intern festgehalten.

esanum: An welche Ärzte richtet sich Triaphon? Welche Sprachen fragen die Ärzte am häufigsten nach?

Knop: Triaphon richtet sich sowohl an ärztliches Personal in Kliniken als auch an Einzelpraxen und Praxisgemeinschaften. Zudem ist Triaphon explizit für die Nutzung durch das Pflegepersonal ausgelegt. So sollen auch sehr kurze aber wichtige Gespräche durch das Pflegepersonal gedolmetscht werden; zu denken ist hier an die Anmeldesituation in der Notaufnahme – Stichwort "Triage" – sowie kurze Abfragen auf Station wie "Schmerzen?", "letzter Stuhlgang?" oder eine Frage wie, ob der Patient zu einer Untersuchung nüchtern erschien.
Wir haben Arabisch, Farsi/Dari, Russisch und Vietnamesisch als erste Sprachen von Triaphon nach dem Bedarf der Pilotklinik ausgewählt und bauen den Sprachenpool nun nach dem weiteren Bedarf unserer Kunden aus. Zuletzt kamen Türkisch und Rumänisch hinzu. Weitere Sprachen sind im Aufbau.

Dolmetscher sind ehrenamtlich tätig

esanum: Wie stellen Sie sicher, dass von den etwa 200 ehrenamtlichen Dolmetschern einer verfügbar ist? Zum Beispiel nachts?

Knop: Unsere Sprachmittler teilen sich einerseits in ein Schichtsystem selbst ein. So sehen wir als Organisationsteam, an welchen Stellen Lücken bestehen und sorgen gegebenenfalls für Ersatz. Unsere Schichten sind 24 Stunden lang an sieben Tage die Woche doppelt für jede Sprache belegt. Zusätzlich können sich jederzeit weitere Sprachmittler auch außerhalb der festen Schichten anmelden, wenn sie gerade spontan Zeit haben.

esanum: Insbesondere bei medizinischen Fragestellungen ist hohe Sensibilität und Genauigkeit in der Übersetzung gefragt. Wie können Sie garantieren, dass die Übersetzer richtig übersetzen? Es lässt sich ja nicht überprüfen.

Knop: Kein Dolmetsch-Service kann für eine 100 Prozent korrekte Übersetzung garantieren. Wir arbeiten mit Sprachmittlern, die nach besten Wissen und Können übersetzen. Sie sind angehalten, dem Arzt zu melden, wenn Inhalte zu komplex werden. Dann müssen – wie bisher – vereidigte Dolmetscher hinzugezogen werden. Um eine gute Qualität der Übersetzung zu gewährleisten, arbeiten wir mit folgenden Instrumenten: einer gezielten Auswahl der Sprachmittler nach Qualifikation, Schulungen und eine enge Betreuung.
Auch das medizinische Personal als Nutzer wird von uns im Einsatz mit der Hotline geschult und kann uns direkt oder über eine standardisierte Evaluationsfrage nach jedem Telefonat Rückmeldung geben.

Keine Weitergabe personenbezogener Daten

esanum: Inwieweit geraten Ärzte in Konflikt mit der Schweigepflicht? Sie geben schließlich Informationen über einen Patienten an einen Dritten – den Übersetzer – weiter. 

Knop: Die Schweigepflicht wird nicht verletzt, da über Triaphon keine personenbezogenen Daten weitergegeben werden. Anrufende nennen nicht ihren Namen und auch nicht die Institution. Die Sprachmittler melden sich nicht mit ihrem Namen. Der Arzt wird angehalten, keine personenbezogenen Daten über den Patienten preiszugeben. So ist die juristische Lage deutlich einfacher als beispielsweise beim Videodolmetschen.

esanum: Wie finanziert sich Triaphon? 

Knop: Wir sind eine gemeinnützige Organisation in Form einer gUG (haftungsbeschränkt). Momentan werden wir finanziell vom Paritätischen Wohlfahrtsverband und durch Spenden von Stiftungen und Privatpersonen unterstützt. Ab 2020 soll Triaphon selbsttragend sein und sich primär über die Nutzer – also Ärzte und Krankenhäuser – finanzieren. Wir sehen es jedoch als unausweichlich an, dass Dolmetschleistungen in Zukunft von den gesetzlichen Krankenkassen getragen werden. Hierfür setzen wir uns politisch ein.

esanum: Was kostet Ärzten Ihr Service?

Knop: Wir sind gemeinnützig. Jedoch müssen wir unseren Service durch Einnahmen finanzieren. Momentan sind wir in der Aufbauphase und maßgeblich spendenfinanziert. Hierüber werden die Aufwandsentschädigungen der Sprachmittler sowie die laufenden Kosten des Betriebs wie Server und Mitarbeiter bezahlt.
Wir möchten unseren Service möglichst vielen Ärzten und Kliniken kostengünstig anbieten. Hierzu sehen wir eine kostenfreie Testphase von einem Monat vor. Danach kann nach Bedarf und Häufigkeit der Nutzung ein individuell angepasster monatlicher Festbetrag besprochen werden. Die Gelder sind als Spende steuerlich absetzbar. Wir wollen durch unser Finanzmodell den Zugang zu Triaphon möglichst allen Ärzten und Pflegenden ermöglichen.