Trockene Augen: Augentropfen aus Eigenblut helfen auch nach Transplantat

Abstoßungsreaktionen nach Transplantationen von Organen und Stammzellen gehören für Patient:innen mit Krebserkrankungen zu den gefährlichsten Klippen, die es auf dem Weg zur Gesundung zu umschiffen gilt. Häufig betroffen sind auch die Augen.

UKR: Augentropfen aus Eigenblut gegen „trockene Augen“ helfen auch bei GvHD nach Blutstammzelltransplantat

Abstoßungsreaktionen nach Transplantationen von Organen und Stammzellen gehören für Patient:innen mit Krebserkrankungen zu den gefährlichsten Klippen, die es auf dem Weg zur Gesundung zu umschiffen gilt. Häufig betroffen sind in diesem Zusammenhang auch die Augen, und es kann durch eine solche Graft-versus-Host-Reaktion (GvHD) sogar zur Erblindung kommen. PD Dr. Robert Offner und sein Team der Transfusionsmedizin des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) versorgen betroffene Patient:innen, die an GvHD-bedingten "trockenen Augen" leiden, mit speziellen Augentropfen aus Eigenblut.

Im Büro starren wir den ganzen Tag in den Computer-Bildschirm, und nach Feierabend gönnen wir unseren Augen noch einige Stunden TV-Bildschirm. Die Folge: trockene, brennende und juckende Augen. "Man muss klar sagen, dass unsere Augen nicht für ein Leben vor Bildschirmen gemacht sind", sagt PD Dr. Robert Offner, Leiter der Transfusionsmedizin am Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des UKR. "Um Folgen des ‚Bildschirmkonsums‘ auszugleichen, bleibt oft nichts anderes übrig, als mit Augentropfen gegenzusteuern."

Wachstumsfaktoren des Blutserums regenerieren die "trockene" Augenhornhaut

Was jedoch, wenn die Trockenheit der Augen nicht von der andauernden Überlastung kommt, sondern eine Autoimmun- oder eine Krebserkrankung der Auslöser dafür ist? Auch hier können Augentropfen zu einer Genesung beitragen. Allerdings handelt es sich dabei nicht um handelsübliche Tropfen mit Hyaluronsäure, welche einen schützenden Film zwischen Lid und Hornhaut legen, somit die Reibung vermindern und einer möglichen Trockenheit vorbeugen. "Serumaugentropfen werden aus Eigenblut unserer Patienten gewonnen und sollen in erster Linie dabei helfen, die Folgen des Trockenaugen-Syndroms zu behandeln und die Heilung der Hornhaut zu fördern", erklärt Dr. Offner.

Als Wirkstoffe gelten mehrere Wachstumsfaktoren des Blutserums, die hauptsächlich aus den Blutplättchen und den weißen Blutzellen stammen. Sofern der Patient/ die Patientin für die Eigenblutentnahme geeignet ist, werden ihm/ ihr 450 ml Vollblut entnommen und im Nachgang getestet und aufbereitet. Das Serum wird durch mehrfache Zentrifugation vom Blutkuchen getrennt und in Applikatorensets steril aufgeteilt. Aus einer Vollblutentnahme können bis zu 120 Tagesdosen (Applikatoren) gewonnen werden, die tiefgefroren über mehrere Monate hinweg gelagert werden können. Die gewonnene Blutmenge reicht in der Regel zur Herstellung von Serumaugentropfen für circa 12 bis 16 Wochen, so dass mit drei bis vier Vollblutentnahmen der Jahresbedarf an Augenserumtropfen für eine Person gedeckt werden kann. Ein Vorgehen, das anderen Standorten weltweit bereits seit einigen Jahren erfolgreich eingesetzt wird.

Vor allem bei Leukämie- und Lymphom-Patient:innen, die nach einer allogenen Stammzelltransplantation Abstoßungsreaktionen erfahren, kann auch die Hornhaut im Auge betroffen sein. Infolge der Immunreaktion wird die Hornhaut angegriffen, was im schlimmsten Fall bis zur Erblindung führen kann. "Die Patienten merken, dass sich ihr Sehvermögen eintrübt, immer schlechter wird und schließlich ganz verschwindet, wenn sie nichts dagegen unternehmen. Die Serumaugentropfen sollen dem entgegenwirken, indem sie das Austrocknen der Augen verhindern", so Dr. Offner weiter. Diese Verschlechterung des Sehvermögens bis hin zur vollständigen Erblindung kann, je nach Stärke der GVHD, sehr zügig voranschreiten. "Daher ist es wichtig, schon bei den kleinsten Anzeichen einer Verschlechterung des Sehvermögens einen Arzt aufzusuchen und das weitere Vorgehen zu besprechen", hebt Professor Dr. Daniel Wolff, Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR und Leiter des GVHD-Kompetenzzentrums am UKR.

Serumaugentropfen können aus eigenem oder aus fremden Blut hergestellt werden

"Gelegentlich sind Patienten von der Stammzelltransplantation nicht ganz erholt, sie leiden an Blutarmut oder sind selbst infektiös. In diesem Fall greifen wir auf einen geeigneten Fremdspender zurück", erläutert Dr. Offner. Das Vorgehen zur Herstellung der Augentropfen ist indes in beiden Fällen weitgehend gleich. Die ersten Personen erhielten Ende Januar und Mitte Februar 2021 ihre Serumaugentropfen aus dem UKR.

Doch nicht jedes Krankenhaus besitzt das Knowhow und die Erlaubnis, autologe oder allogene Serumaugentropfen – gemäß neuesten Empfehlungen der Querschnittsleitlinien für Hämotherapie der Bundesärztekammer – herzustellen. "Die Herstellung der Serumaugentropfen am UKR zu etablieren, bedurfte umfassender Vorbereitung. Neben einer entsprechenden behördlichen Herstellungserlaubnis muss auch die geeignete Logistik etabliert werden, damit die tiefgefrorenen Serumaugentropfen über die Apotheke der Wahl an die Patienten ausgegeben werden können", erläutert Dr. Offner die Herausforderungen. Doch auch für letzteres Problem wurde – in enger Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR und der Regierung von Oberfranken – eine Lösung gefunden. Die anfallenden Kosten für Herstellung und Transport werden in vielen Fällen von den Krankenkassen übernommen. "Durch die Etablierung dieses neuartigen Arzneimittels und der Versandregelung, können wir eine große Versorgungslücke für die gesamte Region Ostbayern und sogar noch darüber hinaus schließen", resümiert der Institutsdirektor Professor Dr. Ralph Burkhardt.

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