Überarbeitung der Ärzteschaft resultiert in schlechterer Arbeit

Sie arbeiten zu viel, dadurch oft zu oberflächlich, und sind am Ende häufig frustriert – ein Teufelskreis, der auch zu Lasten von Patientinnen und Patienten geht. Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern in Berlin und Brandenburg brauchen aus Sicht der Gewerkschaft Marburger Bund bessere Arbeitsbedingungen.

Durchschnittlich 11,7 Überstunden pro Woche

Sie arbeiten zu viel, dadurch oft zu oberflächlich, und sind am Ende häufig frustriertein Teufelskreis, der auch zu Lasten von PatientInnen geht. ÄrztInnen in den Krankenhäusern in Berlin und Brandenburg brauchen aus Sicht der Gewerkschaft Marburger Bund bessere Arbeitsbedingungen.

ÄrztInnen in Berlin und Brandenburg sind laut einer Gewerkschaftsbefragung mit hohen Belastungen konfrontiert. So klagen zum Beispiel knapp 70% der TeilnehmerInnen über Zeitdruck mehrmals am Tag oder ständig. Das geht aus Daten hervor, die die Ärztegewerkschaft Marburger Bund in Berlin präsentiert hat. Das Bild, das die Umfrage zeige, sei erschreckend, aber auch eindeutig, sagte der Vorstandsvorsitzende des Landesverbands Berlin/Brandenburg, Peter Bobbert. Die Gewerkschaft fordert, mehr in das Personal in den Kliniken zu investieren.

Die dortigen ÄrztInnen arbeiten laut der Erhebung im Schnitt 50 Stunden pro Woche – 11,7 Stunden mehr als vertraglich vereinbart. Und sie arbeiten nicht nur zu viel: Fast 60% der Befragten arbeiten demnach oft bis sehr oft oberflächlicher, als es ihnen lieb sei. Denn dies ist laut Umfrage eine Strategie, um die viele Arbeit zu bewältigen.

Tägliche Frustration bei über 50% der Befragten

"Über 50% aller Teilnehmenden gaben an, täglich Frustrationen zu erfahren", sagte Bobbart. Ein Grund dafür sei vor allem, dass sie ihren eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden können. Diese Erkenntnis sei auch eine wichtige Ursache dafür, dass sich gut ein Drittel der Befragten oft oder sehr oft ausgebrannt fühle. Besonders betroffen sind laut der Befragung AssistenzärztInnen.

"Es stimmt also etwas nicht mehr durch die Arbeitsbedingungen, die wir in den Krankenhäusern haben", so Bobbert. Er forderte ein Umdenken bei den politisch Verantwortlichen, Arbeitgebern und in der Gesellschaft. "Wir brauchen moderne Krankenhäuser, wir brauchen moderne Geräte. Aber am Ende ist es der Faktor Mensch, in den wir investieren müssen", so Bobbert. Nur durch gutes Personal könne es auch eine gute Medizin geben.

Vorstandsmitglied Steffen König aus Strausberg (Märkisch-Oderland) kritisierte vor allem die Bürokratie. Ärzte entwickelten sich zunehmend von Helfern der Menschen zu Gehilfen der Bürokratie, sagte König.

Umfrageergebnisse nahezu identisch mit Beobachtungen auf Bundesebene

Der Marburger Bund fordere zum einen mehr Personal, zum anderen klare Personaluntergrenzen und eine adäquate Arbeitszeiterfassung, so Bobbert. Außerdem müssten Arbeit- und Gesundheitsschutzmaßnahmen strikt umgesetzt werden, so Bobbert: "Wer eine gute Gesundheitsversorgung möchte, der muss auch sehen, dass er dafür Geld ausgeben muss." Die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens führe zu falschen Anreizen. "Ein gutes Gesundheitswesen kostet Geld und bringt kein Geld", so der Berliner Arzt.

Durchgeführt wurde die Befragung von WissenschaftlerInnen der Uni Hamburg. Es beteiligten sich 2.060 von 7.200 ÄrztInnen, die in Berlin und Brandenburg in der Gewerkschaft organisiert sind. Die Ergebnisse wurden nicht nach Ländern getrennt ausgewertet. Die Ergebnisse der Umfrage sind laut Hauptgeschäftsführer Armin Ehl "nahezu identisch" mit dem, was der Marburger Bund auf Bundesebene beobachte.

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