Urologie und Seefahrt: Mehr als nur "die große Hafenrundfahrt"

Das Motivbild des 71. DGU-Kongresses in Hamburg zeigte es: Urologie bedeutet dieser Tage nicht nur Aufbruch in eine spannende Zukunft, sondern auch eine ganze Menge erfolgreiche Geschichte(n). Von Skorbut bis Syphilis: Eine spannende Reise durch die Zeit.

Das Motivbild des 71. DGU-Kongresses in Hamburg zeigte es: Urologie bedeutet dieser Tage nicht nur Aufbruch in eine spannende Zukunft, sondern auch eine ganze Menge erfolgreiche Geschichte(n). Tatsächlich haben sich die Grundzüge der modernen Urologie als einer Medizin für alle bereits in den alten Tagen der Segelschifffahrt entwickelt und schon damals umfasste die "Urologie" weit mehr als nur das chirurgische Know-How des Schiffsarztes. Von Skorbut bis Syphilis: Eine spannende Reise durch die Zeit.

Als William Turner seinerzeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Bild der "Fighting Temeraire" malte, verewigte er dabei zwei große Zeitpunkte in der Geschichte seiner englischen Heimat. Zum einen bannte er das unwiderrufliche Ende der großen Segelschiffe auf Leinwand und läutete damit zum anderen das Zeitalter der beginnenden Industrialisierung ein. Dampfmaschinen übernahmen nun auch zur See das Geschäft.

Eine Analogie zur heutigen Situation: Nicht nur in der Urologie, sondern ebenso in der Medizin im Allgemeinen und vielen anderen Bereichen des Lebens werden derzeit liebgewonnene Techniken von einer mehr und mehr digitalisierten Welt abgelöst. Und genau wie damals am Ende der großen Segelschiffe schafft dies bei den einen Enthusiasmus, bei den anderen Ängste und Zweifel. Durch das gemeinsame Wirken beider Seiten jedoch wird am Ende das Neue sehr viel sicherer für uns alle.

Doch als Turner 1839 sein Bild erschuf, blickte die Medizin bereits auf mehr als ein Jahrhundert erfolgreicher Entwicklungen zurück. Das 18. Jahrhundert kann daher nicht ohne Grund als das Präventionszeitalter bezeichnet werden. Mit James Cook beispielsweise hielt erstmals so etwas wie ein geordnetes Hygiene- und Vorsorgekonzept in der Seefahrt Einzug. Es war eine Pflicht für jeden Matrosen, an Bord von Cook’s Schiffen die Latrinen zu benutzen, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Darüber hinaus sicherte Cook über fässerweise Sauerkraut und frische Lebensmittel, die wann immer möglich an Bord genommen wurden, die Vitamin-C-Versorgung der Besatzungen; eine moderne Art der Skorbutvorsorge.

Urologisch gefordert waren indes vor allem die Schiffsärzte, die seinerzeit auf den Schiffen der zahlreichen Flotten ihren Dienst versahen. So mancher Seemann hatte dabei sein Leid zu tragen. Landgänge und intensive Kontakte zur dortigen Frauenwelt brachten es mit sich, dass so mancher mit einem Mitbringsel vom Landgang zurückkehrte. Verewigt sind deren "Reisesouvenirs" z. B. in den zahlreich erhalten gebliebenen Schiffsjournalen der Ärzte.

Am häufigsten schrieben diese dabei über die Gonorrhoe und die Syphilis, wobei aus Mangel an Kenntnissen über die jeweiligen bakteriellen Erreger die beiden Entitäten der sexuell übertragbaren Infektionen durchaus als ein Kontinuum und somit nicht weiter getrennt betrachtet wurden. Daneben traten weiterhin Ausfluss oder geschwollene Hoden auf. Beides deutet aber ebenso daraufhin, dass es sich lediglich um die Symptombeschreibung infolge der beiden oben genannten Krankheiten gehandelt hatte. Typisch für die Gonorrhoe ist beispielsweise der sogenannte "Bonjour-Tropfen", ein morgendlich auftretender eitriger Ausfluss aus der Harnröhre des Mannes.

Da sich gerade auch die Geschlechtskrankheiten in der Enge eines Schiffes sehr rasch verbreiten konnten, wurden in späteren Jahrhunderten nach dem Landgang die auch heute noch als Begriff überlieferten "Schwanzparaden" abgehalten. Dabei inspizierte das medizinische Personal des Schiffes sehr genau die Genitalien der an Bord zurückgekehrten Matrosen und wandte damit ebenfalls ein frühes Mittel der Prävention an.

Besonders interessant ist ferner, dass die Schiffstagebücher des 18. Jahrhunderts auch Miktionsprobleme und selbst den Harnverhalt vermerken. Noch mehr als die Prävention verstanden die damaligen Schiffsärzte mehr oder minder gut die große Kunst des Operierens. Neben Amputationen als häufigster Folge von Gefechten, mussten sie auch bei urologischen und anderen Problemen des Alltags hilfreich Hand anlegen. In Zeiten ohne Antibiotika, Sterilisation oder Schmerzmittel sicher für beide Seiten kein Spaziergang.

Besonders schwere Fälle konnten allerdings auch an Land in ein Lazarett oder an sogenannte Lazarettschiffe übergeben werden. Im Falle eines Verdachts auf gefährliche Infektionskrankheiten wurden ganze Schiffe für eine gewisse Zeit isoliert. Aus den Zeiten der Pest war zudem bekannt, dass eine Isolation für 40 Tage ausreichend war, um den Verdacht einer Ansteckung ausschließen zu können. Im Italienischen heißt 40 "Quaranta", woraus über die Jahrhunderte unser heutiger Begriff der Quarantäne entstand.

Seit damals hat sich vieles verändert, moderne Technik ermöglicht heute einen immer tieferen Einblick in das System Mensch. Doch eines ist nach wie vor gleich geblieben: Das Miteinander aus ÄrztInnen und PatientInnen und die Breite des Faches Urologie in all ihren Facetten. Nun ist es allerdings an der neuzeitlichen Generation, die Zeichen und Marker zu setzen, an denen zukünftige UrologInnen die Erfolge unserer Zeit messen werden.

Ich finde, vor diesem Hintergrund hätte die DGU in diesem Jahr kein besseres Motivbild wählen können als die "Fighting Temeraire" von William Turner. Wer gern noch etwas tiefer in die aktuellen und praxisrelevanten Themen des 71. DGU-Kongresses in Hamburg einsteigen möchte, dem sei unser Kongressbereich empfohlen.

Quelle: inspiriert durch Forum Geschichte der Urologie - "Visit the harbour", 71. DGU-Kongress, 20.09.2019, Hamburg

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