Vaskuläre Komplikationen und Mortalität bei MS-Erkrankten neu evaluiert

Multiple Sklerose (MS) ist mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und Mortalität assoziiert, doch Evidenz aus populationsbasierten Studien war bisher spärlich.

Erhöhtes vaskuläres Risiko bei MS bleibt auch nach Korrektur für klassische Risikofaktoren bestehen

Multiple Sklerose (MS) ist mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und Mortalität assoziiert, doch Evidenz aus populationsbasierten Studien war bisher spärlich.

Es ist bekannt, dass Inflammation eine Rolle für das cerebrovaskuläre Risiko spielt.
Eine neue, populationsbasierte Studie bestätigt ein erhöhtes Risiko für kardio- und cerebrovaskuläre Erkrankungen bei MS‑PatientInnen, welches nicht alleinig durch traditionelle vaskuläre Risikofaktoren zu erklären ist.
Die Anfang Mai im Journal of the American Medical Association (JAMA) erschienene Kohortenstudie aus England matchte 12.251 MS‑PatientInnen mit jeweils sechs Menschen ohne MS (n = 72.572) und verfolgte diese für elf Jahre nach.1

So war es möglich, das Risiko für akutes Koronarsyndrom, cerebrovaskuläre Erkrankungen, makrovaskuläre Komplikationen (darunter periphere arterielle Verschlusskrankheit) sowie die Mortalität unter Korrektur für soziodemographische Variablen und konventionelle vaskuläre Risikofaktoren zu bewerten. Auch Faktoren wie Raucherstatus, Diabetes, Depression, Harnwegsinfekte, Medikationen (Antihypertensiva, Fettsenker, Antidiabetika, Plättchenaggregationshemmer, Antikoagulantien) und Anzahl der ärztlichen Kontakte der Primärversorgung im Diagnosejahr wurden berücksichtigt.
Dies ist insbesondere deshalb wichtig, da aus früheren Untersuchungen bekannt ist, dass MS-Kranke im Vergleich zur Normalbevölkerung höhere Prävalenzen von Hypertonus und Hyperlipidämie, Übergewicht, Rauchen und niedrigere Level körperlicher Aktivität aufweisen.

Erste Ergebnisse waren auf dem vergangenen ECTRIMS Kongress präsentiert worden.2

MS-PatientInnen haben eine höhere Prävalenz kardiovaskulärer Risikofaktoren und ein erhöhtes Risiko für makrovaskuläre Erkrankungen

MS-Kranke hatten demnach nicht nur ein höheres Risiko für makrovaskuläre Komplikationen, sondern auch ein dreieinhalbfach erhöhtes Risiko hinsichtlich der Gesamtmortalität (HR 3,46; 95% KI: 3,28-3,65) und ein anderthalbfach erhöhtes Risiko in Bezug auf die kardiovaskuläre Mortalität (HR 1,47; 95% KI: 1,27-1,71). Die PatientInnen beider Kohorten waren im Median 45 Jahre jung.

Im Vergleich zu den gematchten Kontrollen aus der Bevölkerung ohne MS war das Risiko für ein akutes Koronarsyndrom um 28% erhöht, für cerebrovaskuläre Erkrankungen um 59% erhöht und für makrovaskuläre Erkrankungen um 32% erhöht. Bei Frauen (die zwei Drittel der PatientInnen ausmachten) zeigten sich die Unterschiede hinsichtlich makrovaskulärer Komplikationen ausgeprägter als bei Männern. Bei ihnen fiel auch das Mortalitätsrisiko höher aus.

Kardiovaskuläre Risikofaktoren und Morbiditäten sind mit einem schnelleren Krankheitsprogress assoziiert. Die AutorInnen schließen: "Angesichts der negativen Auswirkungen dieser Komorbiditäten auf die Outcomes bei Patienten mit MS sind weitere Untersuchungen nötig." Die Studie unterstreicht damit auch die Bedeutung einer engmaschigen Evaluation und Kontrolle vaskulärer Risikofaktoren bei MS-Erkrankten in der klinischen Praxis.

Referenzen:
1. Palladino, R., Marrie, R. A., Majeed, A. & Chataway, J. Evaluating the Risk of Macrovascular Events and Mortality Among People With Multiple Sclerosis in England. JAMA Neurol (2020) doi:10.1001/jamaneurol.2020.0664.
2. Raffaele Palladino. Evaluating the risk of macrovascular events and mortality in individuals with multiple sclerosis in England: a population-based nested case-control study. https://onlinelibrary.ectrims-congress.eu/ectrims/2019/stockholm/279409/raffaele.palladino.evaluating.the.risk.of.macrovascular.events.and.mortality.html.

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