Verbraucherzentralen sehen Aus für Online-Apotheken kritisch

Die Verbraucherzentralen haben vor einem pauschalen Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten gewarnt. "Versandapotheken ersetzen die Apotheken vor Ort nicht, sondern bieten ein zusätzliches Versorgungsangebot", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands.

Die Verbraucherzentralen haben vor einem pauschalen Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten gewarnt. "Versandapotheken ersetzen die Apotheken vor Ort nicht, sondern bieten ein zusätzliches Versorgungsangebot", sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, der Deutschen Presse-Agentur. Dies sei eine seit Jahren etablierte und sichere Ergänzung und entspreche den Bedürfnissen vieler Verbraucher.

Ein Verbot von Online-Bestellmöglichkeiten löste nicht die grundlegenden Probleme von Apotheken in dünn besiedelten Regionen, erläuterte der vzbv. Stattdessen sollte die Honorierung überprüft werden, indem etwa Beratungsleistungen stärker berücksichtigt würden. "Die wichtigste Aufgabe des Apothekers ist nicht die reine Packungsabgabe, sondern die Vermittlung seines Fachwissens", sagte Müller. Ein erster Schritt könne sein, Apotheker bei Medikationsplänen mehr einzubinden. Diese Pläne gibt es bei gleichzeitiger Einnahme mehrerer Arzneimittel.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will am Dienstag Pläne zur flächendeckenden Präsenz von Apotheken vorstellen. Mit Blick auf den Online-Versand von Medikamenten aus dem Ausland hatte er sich im Oktober bereits gegen ungleiche Wettbewerbsbedingungen gewandt. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart: "Um die Apotheken vor Ort zu stärken, setzen wir uns für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ein." Was konkret daraus folgen soll, ist aber bisher offen.

In einer Umfrage für den vzbv befürworteten 36 Prozent der Befragten ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Produkten - dagegen sprachen sich 51 Prozent aus. Das Institut Forsa befragte vom 14. bis 21. November 1005 deutschsprachige Menschen ab 18 Jahren.

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