Vermehrtes Trinken kann auf Hormonstörung hindeuten

Eine übermässige Flüssigkeitsaufnahme kann eine medizinisch unbedenkliche Gewohnheit darstellen, aber auch auf eine seltene Hormonstörung hinweisen. Ein neues Verfahren ermöglicht nun eine schnelle und zuverlässige Diagnose.

Neuer Test erlaubt schnelle Diagnose 

Eine übermässige Flüssigkeitsaufnahme kann eine medizinisch unbedenkliche Gewohnheit darstellen, aber auch auf eine seltene Hormonstörung hinweisen. Ein neues Verfahren ermöglicht nun eine schnelle und zuverlässige Diagnose. Das berichten Forschende der Universität und des Universitätsspitals Basel im "New England Journal of Medicine".

Eine Trinkmenge von über drei Litern pro Tag mit entsprechend vermehrter Urinausscheidung gilt als zu viel. Dieses literweise Trinken – "Polydipsie-Polyurie-Syndrom" genannt – ist meistens mit der Zeit durch Gewohnheit entstanden oder eine Begleiterscheinung einer psychischen Krankheit.

Hormonmangel als Ursache

In seltenen Fällen kann aber auch ein Diabetes insipidus vorliegen. Bei dieser Krankheit fehlt in der Hirnanhangdrüse das Hormon Vasopressin, welches in unserem Körper den Wasser- und Salzgehalt reguliert. Die Patienten können den Urin nicht konzentrieren, verlieren deshalb grosse Mengen an Flüssigkeit und müssen entsprechend viel trinken, um nicht auszutrocknen.

Die Unterscheidung zwischen einer primären Polydipsie und einem Diabetes insipidus ist äußerst wichtig, da sich die Therapie grundsätzlich unterscheidet. Ein Diabetes inipidus muss mit dem Hormon Vasopressin behandelt werden, während Patienten mit der primären Polydipsie verhaltenstherapeutisch begleitet werden mit dem Ziel, die Trinkmenge zu reduzieren. Eine falsche Therapie kann lebensbedrohliche Folgen haben, da eine Therapie mit Vasopressin ohne Indikation zu einer Wasservergiftung führen kann.

Bluttest statt Durstversuch

Bisher erfolgte die Unterscheidung mittels eines "Durstversuchs", bei dem der Patient während 16 Stunden keine Flüssigkeit zu sich nehmen durfte und die Ärzte die Konzentration des Urins interpretierten. Dieser Test war aber oft irreführend und führte nur in etwa der Hälfte aller Fälle zu einer klaren und richtigen Diagnose. Zudem ist ein 16-stündiges Dursten für die Patienten äusserst unangenehm und belastend.

Eine Studie mit rund 150 Patienten an 11 Kliniken verglich nun den herkömmlichen Durstversuch mit einer neuen diagnostischen Methode. Diese besteht aus einer zweistündigen Infusion mit einer hypertonen Salzlösung; anschließend wird im Blut der Patienten die Konzentration des Biomarkers Copeptin gemessen, welches den Gehalt des Hormons Vasopressin im Blut widerspiegelt.

Verbesserte Diagnose und Therapie

Diese Methode hat eine viel höhere diagnostische Treffsicherheit: 97 Prozent aller Patienten konnten damit richtig diagnostiziert und schnell entsprechend behandelt werden. Der neue Test steht für die klinische Praxis ab sofort zur Verfügung.

Die Studie von Dr. Julie Refardt vom Universitätsspital Basel (USB) und Dr. Wiebke Fenske von der Universität Leipzig wurde im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht. Sie entstand unter der Leitung von Prof. Dr. Mirjam Christ-Crain, Leiterin des Departements Klinische Forschung der Universität Basel und des USB.

Quelle: Universität Basel

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