Viszeralmedizin 2015 erwartet rund 5000 Teilnehmer

Mit Kritik am derzeitigen System der Fallpauschalen hat die Viszeralmedizin 2015 in Leipzig begonnen: Die Veranstalter rechnen mit rund 5000 Teilnehmern auf dem Ärztekongress, bei dem die fachüberg

Mit Kritik am derzeitigen System der Fallpauschalen hat die Viszeralmedizin 2015 in Leipzig begonnen:

Die Veranstalter rechnen mit rund 5000 Teilnehmern auf dem Ärztekongress, bei dem die fachübergreifende Behandlung von Erkrankungen des Bauchraums und des Verdauungstrakts im Mittelpunkt steht. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und ihre Sektion Endoskopie veranstalten die Viszeralmedizin 2015 gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV). Gastroenterologen und Chirurgen tagen vom 16. bis 19. September im CCL. Partnerland des Kongresses ist in diesem Jahr die Niederlande. Bei der Eröffnung am Mittwochabend betonte DGVS-Kongresspräsident Professor Dr. med. Joachim Labenz aus Siegen die unverzichtbare Rolle von Integration, Kooperation und Innovation, um Patienten mit Krankheiten der Verdauungsorgane angemessen behandeln zu können.

“Die Viszeralmedizin oder Eingeweidemedizin folgt dem Grundgedanken einer grenzüberschreitenden patienten- beziehungsweise krankheitsorientierten Versorgung, sie ist multidisziplinär und sektorenübergreifend”, erläutert Labenz in seiner Eröffnungsansprache. Doch genau dies fördere unser Gesundheitssystem nicht. Das DRG-System setze falsche Anreize, die Sektorengrenze seien weiterhin für viele Patienten unüberwindbar und Innovationen würden durch den neu geschaffenen Fond nur scheinbar gefördert. Stattdessen setze das System auf “Massenversorgung”. Prävention und gezielte, spezialisierte Leistungen blieben auf der Strecke.

Notwendig seien integrative Ansätze, so Labenz weiter. Sie erlauben eine Hand-in-Hand-Versorgung der Patienten über die Grenzen von Klinik und Praxis hinweg und beziehen auch neue Berufe wie etwa Fallmanager ein, die den Patienten nahtlos durch die Therapie führen. Interdisziplinäre Darmkrebszentren machen vor, wie gut Mitarbeiter unterschiedlicher Fächer und Berufe zusammenwirken: “Sie können als Blaupause für andere krankheitsbezogenen Zentren dienen”, meint der Gastroenterologe. “In Kliniken muss der irrationale Kampf um die Entscheidungshoheit beendet werden, ansonsten ist keine Kooperation möglich”. Dies gelte gleichermaßen für den Wettstreit “ambulant gegen stationär”, den das Vergütungssystem hierzulande anfacht. Aus- und Weiterbildung des ärztlichen Nachwuchses müsse gestärkt und auch im System der Fallpauschalen abgebildet werden. Zudem arbeiten in deutschen Kliniken 40 000 ausländische Ärzten. Neue Konzepte müssten auch dies berücksichtigen.

Unabdingbar sei die Förderung von neuen Entwicklungen – allerdings nicht durch den sogenannten Innovationsfond, aus dem die Bundesregierung in den nächsten vier Jahren 1,2 Milliarden Euro “verteilt”. “Mit diesem ‘Wünsch-Dir-was’-Projekt werden vermutlich Dinge gefördert, die schon etabliert sind”, so Labenz Einschätzung. Das zeigt auch: Die Politik wird die Probleme nicht lösen. Labenz fordert daher Fachgesellschaften und Berufsverbände auf, aktiv zu werden: “Unser Kongressmotto – integrativ, kooperativ und innovativ – ist in vielen Bereichen unseres Faches schon gelebte Realität. Es ist eine essentielle Voraussetzung für eine funktionierende Viszeralmedizin und viele andere Bereiche der Medizin”.

Gastroenterologen und Chirurgen arbeiteten bei der Behandlung von Magen, Darm und Co schon jetzt eng zusammen. Auf ihrem gemeinsamen Kongress, der Viszeralmedizin 2015, diskutieren sie über neueste medizinische Erkenntnisse. Die Tagung bietet aber auch etwas für Patienten: In kostenfreien Arzt-Patienten-Seminaren am Samstag informieren Ärzte und Selbsthilfegruppen über Bauchspeicheldrüsen- und Leberleiden, Therapie, Diagnostik und Sozialrecht bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und über das Reizdarmsyndrom.

Text: fw

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