Vorsitzender der Welt-Aids-Konferenz plädiert für PrEP

Der US-Forscher Chris Beyrer fordert, Risikogruppen den Zugang zur Präexpositionsprophylaxe zu erleichtern.

Im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids spielen Prophylaxe-Medikamente eine wichtige Rolle. Studien belegen, dass eine Tablette pro Tag eine HIV-Infektion verhindern kann. Sie könnten weltweit einen signifikanten Beitrag dazu leisten, die Zahl der HIV-Neuinfektionen zu senken, betont Chris Beyrer im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Er ist unter anderem Präsident der Internationalen Aids-Gesellschaft (IAS) und Vorsitzender der Welt-Aids-Konferenz , die noch bis Freitag im südafrikanischen Durban tagt.

esanum: Wird eine HIV-Infektion wegen der inzwischen guten Behandlungsmöglichkeiten noch ernst genommen?

Beyrer: Das ist wirklich ein Problem. Wir sind sehr glücklich, dass HIV-positive Menschen inzwischen lange leben. Aber unsere größte Sorge ist, dass die Rate der Neuinfektionen nicht zurückgeht. Deren Zahl ist zuletzt (bei rund 2,1 Millionen pro Jahr) gleichgeblieben. Die HIV-Behandlung funktioniert gut, aber es bedeutet, für den Rest des Lebens täglich Medikamente zu nehmen.

esanum: Welche Chance bieten die “PrEP” genannten Medikamente (Präexpositionsprophylaxe) zur Prävention von HIV-Infektionen?

Beyrer: Die Idee ist, dass Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören, sich effektiv schützen können. Momentan besteht die Prophylaxe aus einer Viren-hemmenden Tablette pro Tag. Damit können Menschen ihr Infektionsrisiko dramatisch reduzieren. In den USA ist die Prophylaxe bereits auf dem Markt, in Südafrika wird sie für Prostituierte eingeführt. PrEP ist effektiver als Kondome. Wir hoffen, dass die Konferenz zu einer breiteren Nutzung führen wird.

esanum: Ist die Prophylaxe denn finanzierbar?

Beyrer: In Entwicklungsländern können dafür günstige generische Medikamente genommen werden. Und in den Industrieländern ist die Prophylaxe immer noch viel günstiger als die normale HIV-Therapie. Zudem ist die Einnahme von PrEP in der Regel zeitlich begrenzt. Wer HIV-positiv ist, muss den Rest seines Leben Medikamente nehmen.

Beyrer: Natürlich sind in Afrika die Infektions- und Todeszahlen am höchsten. Hier ist noch viel zu tun, aber es gibt gute Fortschritte. Mehr Sorgen machen uns momentan die Regionen, in denen die Zahl der Infektionen weiter ansteigt. Das ist der Fall im Nahen Osten, in Nordafrika und vor allem in Zentralasien und Osteuropa. Ukraine und Russland machen uns hier am meisten Sorgen.

esanum: Wieso ist die Zahl der Infektionen in Russland so angestiegen?

Beyrer: Russland hat zum Beispiel Präventionsprogramme für Drogenabhängige gestrichen. Prävention für Männer, die mit Männern Sex haben, ist auch schwierig, denn sie werden offen angefeindet und outen sich daher meist nicht.

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