Wartezeit in der Rettungsstelle – eine Selbstverständlichkeit?

Der Arztkontakt und das Warten scheinen ein fast unzertrennliches Paar zu sein. Bevor man als Patient einen Mediziner vor sich hat, gilt es in der Regel, mehrere Stufen des Wartens hinter sich zu b

Der Arztkontakt und das Warten scheinen ein fast unzertrennliches Paar zu sein. Bevor man als Patient einen Mediziner vor sich hat, gilt es in der Regel, mehrere Stufen des Wartens hinter sich zu bringen. Man wartet auf einen Termin, dann wartet man im Wartezimmer, man wartet auf eine Untersuchung und dann auf die Ergebnisse, auf eine Operation und am Ende auf den Arztbrief und die Entlassung. Besonders in der Notaufnahme muss man sich in der Regel auf mehrere Stunden einstellen, bevor man endlich untersucht wird. Diese unfreiwillig untätig verbrachte Zeit, die einen von der Arbeit oder vom Studium abhält, oder die man verständlicherweise gerne anders verbracht hätte, wird in der Regel als verschwendete Zeit empfunden. Das frustriert, macht im Einzelfall wütend und das bekommt dann auch die Umgebung zu spüren – was die Situation auf der Rettungsstelle für niemanden leichter macht.

Das Problem ist häufig nicht einmal nur die tatsächlich gewartete Zeit, sondern das subjektive Zeitempfinden des Wartenden, das zusätzlich von Faktoren wie Angst, Unsicherheit über die Schwere der eigenen Erkrankung und Schmerzen beeinflusst wird, wie jedem ersichtlich sein dürfte. Und gerade die sind typisch für die Notaufnahme.

Notfälle werden zuerst behandelt

Aus anderen Situationen sind die Meisten das Warten in der Reihenfolge des Eintreffens gewöhnt, Abweichungen davon werden als besonders unfair wahrgenommen. Patienten, die in der Regel sowohl medizinische Laien als auch nicht mit den Abläufen in einer Notaufnahme vertraut sind, ist es nicht immer ersichtlich, warum da zum Beispiel jemand zuerst drankommt, obwohl er doch weniger warten musste. Gerade weniger verletzte Patienten, solche also bei denen der Warteaufwand in einem ungünstigen Verhältnis steht zu der Aufmerksamkeit, die ihnen am Ende zu Teil wird, fühlen sich häufig übergangen.

Die Wartezeiten in einem Krankenhaus sind in der Regel nicht die Folge von Untätigkeit. Anders als die Patienten und auch wenn diese das nicht mitbekommen, haben die Ärzte in der Regel alle Hände voll zu tun. Selbstverständlich können sie sich bei der Reihenfolge der Untersuchung auch nicht nach der Wahrnehmung des Patienten richten, sondern müssen sich auf ihr eigenes Urteil über Dringlichkeit eines Falles stützen. Medizinische Notwendigkeit geht in jedem Fall vor. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Warten nicht als belastendes Problem wahrgenommen werden kann – insbesondere wenn sich ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand oder Einbußen bei der Behandlung die reelle Wartezeit, zumindest aber die wahrgenommene Belastung verringern lassen.

Wartezeit wird von vielen Patienten als unausweichlich angesehen

Zu sehr herrscht eine Haltung vor, die das Warten eben als unausweichlichen und damit unter allen Umständen hinzunehmenden Teil des Ablaufs akzeptiert. Das spiegelt sich auch in der mageren Studienlage zu diesem Thema wider. Dass das nicht so sein muss, zeigen  Ansätze, wie sie von Airlines in der Gastronomie oder bei Behörden verfolgt werden.

Entscheidend ist in vielen Fällen nicht einmal, wie lange am Ende wirklich gewartet wird, sondern vielmehr, wie diese Zeit gestalten wird. Je früher ein Ereignis auf die Patienten einwirkt, desto erträglicher wird es. Wie lange dauert es Beispielsweise bis zu einer ersten Kontaktaufnahme? Es kann Sinn machen, die Patientenströme frühzeitig zu trennen. Vielversprechende Strategien sind auch ein Triage-System, das First-View-Konzept, bei dem ein erfahrener Arzt die Patienten vorab kurz zu sehen bekommt, oder aber die Einrichtung einer Fast-Lane für Leichtverletzte. So könnte man besorgten Patienten schon frühzeitig die Unsicherheit über den Schweregrad ihrer Erkrankung nehmen und besonders wichtig: eventuell vorhandene Schmerzen behandeln.

Die Umgestaltung der Abläufe alleine kann also viel dazu beitragen, das  Warten in der Rettungsstelle zu erleichtern. Es bleibt daher zu hoffen, dass auch die Forschung auf dieses Problem aufmerksam wird und vielleicht ein Umdenken in den Kliniken einleitet.

Quellen:

Fogarty C, Cronin P. „Waiting for health care: a concept analysis“. J Adv Nurse 2008; 61: 463–71.

Riegl G. „Krankenhäuser/Patientenaufnahme:Es bleibt noch viel zu tun“. Dtsch Arzte bl 2004; 101(14): A 904.

Welch S. „Twenty years of patient satisfaction research applied to the emergency department: A qualitative review.“ Am J Med Qual 2009; 25: 64–72.

Bunse T. „Kundenzufriedenheit und Wartezeiten – Eine empirische Analyse für den Luftverkehr“. Inauguraldissertation. //www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/183/pdf/Diss_Till_Bunse.pdf . 14.01.2015.

Taylor C, Benger J. „Patient satisfaction in emergency medicine“. Emergency Medicine Journal 2004; 21: 528–32.

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