Warum erkranken mehr Männer an SARS-CoV-2?

Von wegen starkes Geschlecht! Männer haben ein höheres Risiko, am aktuellen Corona-Virus zu sterben. Und sie erkranken nicht nur häufiger, sondern auch schwerer als Frauen.

Corona-Virus und das "starke" Geschlecht

Von wegen starkes Geschlecht! Männer haben ein höheres Risiko, am aktuellen Corona-Virus zu sterben. Und sie erkranken nicht nur häufiger, sondern auch schwerer als Frauen. Woran das möglicherweise liegt? Ein Erklärungsversuch der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit.

Männer erkranken tatsächlich häufiger und schwerer an Covid-19 als Frauen und versterben auch öfter daran. In Deutschland wurden bis zum 14. April 2020 insgesamt 1.757 SARS-CoV-2-bedingte Todesfälle bei Männern und 1.209 bei den Frauen registriert.* Doch warum erkranken und sterben weltweit soviel mehr Männer an dem Virus?

Das könnte u. a. daran liegen, dass Männer eher unter Begleiterkrankungen am Herz-Kreislaufsystem leiden, wodurch sich im Zusammenhang mit der Corona-Infektion offenbar eine Risikokonstellation ergibt. Darüber hinaus spielt Prof. Dr. med. Frank Sommer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG), zufolge wohl auch der genetische Unterschied von Männern und Frauen eine Rolle. So sind auf dem Strang, der dem Y-Chromosom des Mannes im Vergleich zu dem zweiten X-Chromosom von Frauen fehlt, viele Prozesse kodiert, die antioxidativ oder antiinflammatorisch wirken. Diesbezüglich ist der Mann gegenüber der Frau also genetisch in seiner Immunantwort benachteiligt.

Ist das weibliche Immunsystem besser?

Neben dem genetischen Aspekt spielt ebenso eine Rolle, wie der Körper mit Krankheiten umgeht, also auf Infektionen reagiert. PD Dr. med. Tobias Jäger, Urologe und Vorstandsmitglied der DGMG, sagte hierzu: "Das Immunsystem von Frauen und Männern unterscheidet sich. Das heißt, vereinfacht, dass Männer durch die Unterschiede in der Immunantwort allgemein häufiger krank werden als Frauen. Das weibliche Hormon Östrogen scheint hier einen protektiven Effekt zu haben, insbesondere auf die Auseinandersetzung des Körpers mit der Virusinfektion."

Eine mögliche Erklärung liefert die Reaktion des Immunsystems auf Zellebene: Dringen Krankheitserreger in den Körper ein, werden diese durch körpereigene Immunzellen bekämpft. "Das können spezifische oder unspezifische Immunzellen sein. Östrogen unterstützt die Vermehrung der spezifischen Immunzellen. Daher reagiert das weibliche Immunsystem schneller und aggressiver auf Krankheitserreger“, ergänzte PD Dr. med. Magnus Baumhäkel, Kardiologe und ebenfalls DGMG-Vorstandsmitglied.

Der hormonelle Einfluss 

Wie wichtig das Zusammenspiel zwischen der Immunreaktion und Hormonen ist, zeigt auch die Bedeutung des Testosteronspiegels. Liegt ein Testosteronmangel vor, wird dadurch das Immunsystem unterdrückt. Auch das liegt an "weiblichen" Hormonen. Denn: Testosteron wird bei Männern in Östradiol verstoffwechselt. Männer mit einem hohen Testosteronspiegel (meist in jüngeren Lebensaltern) haben somit in der Regel auch gute Östradiolspiegel. Dieses Östrogen fördert  – wie auch bei Frauen – eine Vermehrung der spezifischen Immunzellen und somit eine schnelle und effektive Krankheitsbekämpfung.

Somit lässt sich aus Sicht der DGMG zusammenfassen, dass Männer mit niedrigem Testosteron- und/oder Östrogenspiegel allgemein anfälliger sind für Erkältungen und Infektionen. Über gute Testosteronwerte und damit einhergehend gute Östrogenwerte verfügen indes vor allem Männer, die sich viel bewegen, gesund ernähren und mental stark sind. Sie werden seltener und in der Regel nicht so schwer krank.

*https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1104173/umfrage/todesfaelle-aufgrund-des-coronavirus-in-deutschland-nach-geschlecht/

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