Warum sich nicht alle freiwillig unters Messer legen

Was uns davon abhält, nach mehr Attraktivität zu streben: Die Angst vor ästhetischer Chirurgie.

Die plastische Chirurgie (aus dem Griechischen vom Wort “plastein” = formen abgeleitet) ist eine Subspezialisierung der Chirurgie, deren Aufgabe rekonstruktive Operationen zur Korrektur von Deformierungen, nach Unfällen oder aus ästhetischen Gründen sind. Demzufolge führt der plastische Chirurg Korrekturen von Normvarianten oder alterungsbedingten Erscheinungen durch.

In Deutschland liegt die Zahl der plastisch-chirurgischen Eingriffe derzeit jährlich bei 400.000, und sie wächst weiter. 2013 ergab eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische und Plastische Chirurgie e.V. ein sinkendes Alter; Menschen zwischen 31 und 50 Jahren stellten den Großteil der Patienten dar (45 Prozent). Der Anteil der Patienten über 50 Jahren lag bei einem Viertel in der plastischen Chirurgie.

2011 wurden nur 1,3 Prozent der Operationen an Jugendlichen vorgenommen. Die Mammaaugmentation (Brustvergrößerung) ist der beliebteste Eingriff unter jungen Frauen, während es bei Männern die Blepharoplastik ist. Auch bei Patienten mit Verletzungen oder nach onkologischen Eingriffen ist manchmal eine plastisch-chirurgische Operation nötig, so zum Beispiel das Einsetzen von Brustimplantaten nach Mastektomien, Rhinoplastiken oder Interventionen nach einer Septumdiviation.

Derzeit steigt die Zahl der männlichen Patienten im Vergleich zu den Vorjahreszahlen leicht an. Heutzutage ist beinahe jeder daran interessiert, die eigene Attraktivität zu steigern. Leitermann et al. stellten sich die Frage, warum nicht jeder, der mit seinem äußeren Erscheinungsbild unzufrieden ist, nach einer plastisch-chirurgischen Operation strebt. Hier spielt die Frage der Kosten eine wichtige Rolle. Die Umfrage der DGÄPC (2013) zeigte diesbezüglich ein ambivalentes Bild. Für den Großteil der Befragten spielten die Kosten eine “überaus wichtige” Rolle. Aus finanziellen Gründen entschieden sich zwei Drittel der Frauen und 60 Prozent der Männer gegen eine solche Intervention. Dagegen fuhr ein beachtlicher Anteil der Patienten bereitwillig lange Strecken, um vom Spezialisten ihrer Wahl behandelt zu werden, was wiederum mit einem hohen Zeit-, aber auch Kostenaufwand verbunden ist.

Schönheit für Partnerschaft und Beruf von Relevanz

Eine nahezu perfekte äußere Erscheinung spielt für den Erfolg in der Partnerschaft eine immer wichtigere Rolle, ebenso wie im Berufsleben. Ganz besonders Frauen empfinden häufig eine große Unsicherheit hinsichtlich ihrer Körperlichkeit. Im Jahr 2007 führte das Österreichische Gallup-Institut ein psychologisches Interview mit 100 Personen im Alter zwischen 25 und 60 Jahren durch, wovon ein Drittel Männer und zwei Drittel Frauen waren. Das Interview enthielt Fragen zur persönlichen Haltung hinsichtlich kosmetischer Operationen und dem Zusammenhang zwischen äußerer Erscheinung und Erfolg. Von den Befragten hatten 47 Prozent Interesse an einem kosmetischen Eingriff. Zwei Argumente für eine solche Operation zeigten über 50 Prozent Konsens: “Gutes Aussehen erhöht das Selbstbewusstsein” und “Wer gut aussieht, fühlt sich auch gut”.

65 Prozent sind mit ihrem Körper unzufrieden

In der Studie von Leitermann et al. waren 65 Prozent der Befragten (n=104) unzufrieden mit einem bestimmten Teil ihres Körpers. In der westlichen Gesellschaft herrscht das Ideal aktiver, dynamischer Jugend vor, und ältere Menschen versuchen jünger auszusehen, als sie sind – so steigt zum Beispiel auch die Zahl der Faltenbehandlungen jedes Jahr. Die Teilnehmer der Studie waren jedoch junge Erwachsene im Alter von 20 bis 30 Jahren.

Jeder chirurgische Eingriff birgt Risiken. Aus diesem Grund hat die Angst einer Person vor Operationskomplikationen einen entscheidenden Einfluss auf die von Leitermann et al. untersuchte Fragestellung. Die Forscher zeigten, dass die Wahrscheinlichkeit, sich einer kosmetischen Intervention zu unterziehen, geringer ist, wenn eine große Angst bestand. Sogar Menschen, die sich durch ihre äußere Erscheinung sehr belastet fühlten, hatten Angst vor möglichen Komplikationen. Heutzutage recherchieren Patienten vor dem geplanten Eingriff im Internet und lesen medizinische Texte zu möglichen Risiken.

Im  Krankheitsfall nach einer Schönheitsoperation besteht kein Anspruch auf Leistungen der Krankenkasse

Darüber hinaus besteht im Krankheitsfall nach einer Schönheitsoperation kein Anspruch auf Leistungen der Krankenkasse und im Falle einer Arbeitsunfähigkeit ebenso wenig ein Anspruch auf Krankengeld. Diese Faktoren haben einen negativen Einfluss auf die Entscheidungsfindung der Patienten, die eine kosmetische Operation in Betracht ziehen.

Die Angst vor Schmerzen ist eine weitere Variable, die die Entscheidung für oder gegen einen operativen Eingriff ebenfalls beeinflusst. Auch die Furcht vor einer möglichen Unzufriedenheit mit dem kosmetischen Ergebnis spielt eine Rolle. Dabei lassen sich Patienten unter anderem besonders von Schlagzeilen über missglückte kosmetische Operationen aus der Regenbogenpresse beeinflussen.

Leitermanns Hypothese, dass extrovertierte Menschen sich eher einer plastischen Operation unterziehen würden, bestätigte sich dagegen nicht. Ein Erklärungsansatz für dieses unerwartete Ergebnis sah er darin, dass extrovertierte Menschen ihrem äußeren Erscheinungsbild möglicherweise weniger kritisch gegenüberstehen.

Frauen lassen sich eher operieren als Männer

Darüber hinaus wurde gezeigt, dass Frauen einer plastischen Operation offener gegenüberstanden (53,1 Prozent) als Männer. Von den Männern waren 69,9 Prozent nicht bereit, ihren Körper operativ verändern zu lassen. Dennoch gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen Frauen und Männern bezüglich der Frage, wie wichtig ihnen ihre Schönheit sei.Ebenso wenig unterschieden sich beide Geschlechter hinsichtlich der Kosten, die sie bereit waren, für einen kosmetischen Eingriff zu investieren.

Weiterhin entnahmen Leitmann et al. ihren Daten, dass sozial stärkere Familien mit höheren Einkommen ihren Wünschen nach körperlicher Veränderung eher nachkommen konnten als sozial schwache Familien.

Schlussendlich fanden die Forscher interessanterweise heraus, dass entstehende Kosten nicht in einem signifikanten Zusammenhang mit einer Entscheidung für oder gegen einen plastisch-chirurgischen Eingriff standen. Möglicherweise spielt der hohe Leidensdruck in der Akzeptanz hoher Kosten eine entscheidende Rolle. Und ein hoher Preis kann die Garantie für eine professionelle Durchführung des gewünschten Eingriffs durch den Spezialisten der Wahl samt gelungenem Resultat suggerieren. Für viele Menschen hat der Wunsch nach individueller Perfektion keinen Preis, und seine Erfüllung mag für sie einen höheren Wert besitzen als finanzielle Sorgen. “Letztlich können sich aus dem Gefühl, schön zu sein, ein attraktiver Körper und neue Lebenseinstellung sowie neue Freundschaften oder eine neue Partnerschaft entwickeln”, erklärt Leitermann.

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