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Weißkittel-Hypertonie gehäuft bei Senioren

<p><span>04.09.2015&nbsp;| &Auml;ltere Patienten zeigen oft nur in der Arztpraxis hohe Blutdruckwerte: Laut neuer Daten steigt die Pr&auml;valenz der Wei&szlig;kittelhypertonie mit dem Alter drastisch an. Welche Konsequenzen hat dies f&uuml;r die antihypertensive Therapie? ...mehr</span></p>

Über 80-jährige Teilnehmer der HYVET-Studie zu 50 % betroffen

von Dr. Carola Gessner

Ältere Patienten zeigen oft nur in der Arztpraxis hohe Blutdruckwerte: Laut neuer Daten steigt die Prävalenz der Weißkittelhypertonie mit dem Alter drastisch an. Welche Konsequenzen hat dies für die antihypertensive Therapie?

In der Normalbevölkerung wird die Prävalenz der Weißkittelhypertonie auf etwa 15 % beziffert. Bei älteren Personen liegt diese Rate höher, wie z.B. aus der aktuellen IDACO*-Studie hervorgeht. Knapp 1600 Patienten mit isolierter systolischer Hypertonie (ISH) nahmen an der Untersuchung teil, im Schnitt waren sie 65 Jahre alt.

Von den unbehandelten ISH-Patienten wiesen 29 % nur in der Arztpraxis einen systolischen Druck ≥ 140 mmHg auf, bei Teilnehmern unter antihypertensiver Medikation betrug diese Rate 38 %. Die Tagesmittelwerte, die bei der ambulanten Messung außerhalb der Praxis ermittelt wurden, lagen dagegen unter 135 mmHg, berichtete Professor Dr. Reinhold Kreutz vom Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Charité Berlin.

Die Diagnose einer ISH bei älteren Patienten steht häufig auf „tönernen Füßen“, weil sie meist auf wenigen konventionellen Messungen beruht, folgerte der Kollege. Erhärtet wird dieser Eindruck durch Daten aus der aktuellen Substudie1 von HYVET (Hypertension in the very elderly trial). Rund 250 der knapp 4000 über 80-jährigen HYVET-Teilnehmer wurden in dieser Substudie mit Langzeitblutdruckmessung (ABDM) untersucht. Dabei stellte man insgesamt deutlich niedrigere Werte als bei der Praxisblutdruckmessung fest. Die Unterschiede betrugen bis zu +36/+12 mmHg.

Systolischer Hochdruck: wann behandeln?

Etwa 50 % der Teilnehmer der Hyvet-Substudie hatten nach diesen Daten eine Weißkittelhypertonie. Und manche dieser Patienten, die das Studieneinschlusskriterium ≥ 160 mmHg systolischer Praxisblutdruck aufwiesen, zeigten beim ambulanten Blutdruckmonitoring (ABDM) erstaunlich niedrige Tagesdruckwerte (bis 100 mmHg), wie Prof. Kreutz weiter ausführte.

Die entscheidende Frage lautet nun, wie man therapeutisch auf diese Befunde reagiert. Immerhin hat man die HYVET-Studie abgebrochen, weil sich im Kollektiv der über 80-jährigen Patienten mit ISH-Diagnose unter Verum (Indapamid +/- Perindopril) eindeutige prognostische Vorteile abzeichneten (Gesamtsterblichkeit, Schlaganfälle, kardiovaskuläre Ereignisse). Daten der IDACO-Studie wiederum lassen darauf schließen, dass eine isolierte systolische Weißkittelhypertonie das Leben nicht unbedingt verkürzt. Demnach würde z.B. die Intensivierung einer Antihypertensiva-Therapie bei diesen Patienten eher keinen Sinn machen. 

*  The International Database on Ambulatory blood pressure monitoring in relation to Cardiovascular Outcomes
1 C.J. Bulpitt et al., Hypertension 2013; 61: 89–94

Konsequenzen für die Praxis (laut Prof. Kreutz) 

Spitzen am Nachmittag: „Witwenhochdruck“? 

Die Selbstmessung des Blutdrucks hat mitunter auch negative Effekte. Ein Beispiel ist der sogenannte Witwenhochdruck, er betrifft meist alleinstehende, ältere Frauen:

Quelle:

  1. Kardiologie-Update-Seminar