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Welche gesundheitlichen Risiken können für Raucherinnen mit Verhütungswunsch bestehen?

Rauchen schadet der Gesundheit – Anwenderinnen von kombinierten hormonellen Kontrazeptiva, die rauchen, haben ein erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien.<sup>1</sup> Ob dies auch auf das „Rauchen“ von E-Zigaretten zutrifft ist bisher ungeklärt.<sup>2,3</sup>

Rauchen schadet der Gesundheit – Anwenderinnen von kombinierten hormonellen Kontrazeptiva, die rauchen, haben ein erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien.1 Ob dies auch auf das „Rauchen“ von E-Zigaretten zutrifft ist bisher ungeklärt.2,3

Laut den Ergebnissen des Mikrozensus aus 2013 waren insgesamt 20,3 % der in Deutschland lebenden Frauen Raucherinnen. Mit durchschnittlich 28,2 % (26,3 % im Alter von 20 bis < 25 Jahre, 31,1 % im Alter von 25 bis < 30 Jahre, 29,3 % im Alter von 30 bis < 35 Jahre, 26,1 % im Alter von 35 bis < 40 Jahre, 27,4 % im Alter von 40 bis < 45 Jahre und 29,2 % im Alter von 45 bis < 50 Jahre)4 war etwa jede vierte Frau zwischen 20 und 50 Jahren eine Raucherin. Somit entfielen viele Raucherinnen auch in die Altersgruppe der Frauen, die Verhütung praktizieren.5

Dabei gehört Rauchen zu den wichtigsten Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen einschließlich venöser Thromboembolien (VTE). Das durch das Rauchen erhöhte VTE-Risiko kann bei Frauen unter einer Verhütung mit kombinierten hormonellen Kontrazeptiva (KHK) noch steigen1 und wird unter anderem von der Menge des im Verhütungsmittel enthaltenden Estrogens mit beeinflusst.6

Welchen Einfluss hat das Rauchen auf Östrogen?

Die Wirkung von endogenem Östradiol könnte bei Raucherinnen, wie epidemiologische und klinische Daten ergaben, verringert sein. Es ist allerdings generell schwierig, die Wirkung des Rauchens auf die endogene Östrogenaktivität vorherzusagen, da mehrere verschiedene Mechanismen bedeutsam sein können:7

Rauchen kann allerdings auch die Plasmaspiegel von exogen zugefügtem Ethinylestradiol beeinflussen:

Darum empfiehlt die WHO bei Raucherinnen, die hormonell verhüten wollen, die Anwendung von Gestagenpräparaten

Die WHO-Empfehlungen für hormonelle Kontrazeptiva sind in Tabelle 1 für Sie zusammengefasst.

Tabelle 1: Zusammenfassung der WHO-Empfehlungen für hormonelle Kontrazeptionsmethoden. Darstellung von MSD nach: WHO Medical eligibility criteria for contraceptive use, 5th edition, 2015.8
Kategorie 1: Anwendung ohne Einschänkung
Kategorie 2: Die Vorteile überwiegen die Risiken
Kategorie 3: Das Risiko überwiegt die Vorteile
Kategorie 4: Inakzeptables Gesundheitsrisiko
Die Kupferspirale und Barrieremethoden werden ohne Einschränkungen bei Raucherinnen empfohlen (Kategorie 1).
POP: Progesteron-only-pill, reine Gestagen-Pille; Hormonimplantat mit dem Wirkstoff Etonogestrel; LNG/ETG-IUD: Levonorgestrel- und Etonogestrel-Intrauterinpessare; Depotspritze mit den Wirkstoffen Medroxyprogestronacetat oder Norethisteron; KOK: Kombinierte orale Kontrazeptiva, Hormonpflaster und Vaginalring enthalten je ein Östrogen und ein Gestagen
*: Einzeln gesehen würden diese Faktoren bereits das Risiko für kardiovaskuläre (CV) Erkrankungen erhöhen. Bei multiplen Risikofaktoren in Kombination mit der Anwendung von KOK, Hormonpflaster oder Vaginalring könnte das Thrombose-Risiko auf ein inakzeptables Level erhöht werden (Kategorie 3/4). Bei Anwendung der Depotspritze und Vorliegen von multiplen Risikofaktoren ist dieses Risiko geringer im Vergleich zur Anwendung von KOK.8

Verfügbare E-Zigaretten-Produkte

2003 wurden E-Zigaretten von dem chinesischen Pharmazeuten Hon Lin entwickelt und sind seit 2006 weltweit erhältlich. Inzwischen gibt es in Deutschland diverse E-Inhalationsprodukte wie beispielsweise E-Shishas, E-Zigarren, E-Pfeifen und Heat Sticks. Das Aerosol von E-Zigaretten enthält weniger Schadstoffe als Tabakrauch, ist aber nicht schadstofffrei. Den Tabakerzeugnissen verwandte Produkte werden bei E-Inhalationsprodukten eingesetzt. Inhaltsstoffe sind eine Flüssigkeit (Liquid) aus Propylenglykol und/oder Glycerin, die zusammen mit Aromen verdampft werden. Meist ist außerdem Nikotin enthalten.9

E-Zigaretten: Gesundheitlich bedenklich?

Das Aerosol von E-Inhalationsprodukten enthält weniger gesundheitsschädliche Schadstoffe als Tabakrauch, ist aber nicht schadstofffrei. Beim Erhitzen der in E-Inhalationsprodukten enthaltenen Liquids können krebserzeugende Substanzen entstehen.9 Ebenso zeigte eine neuere Studie beispielsweise, dass Nikotin allein auch krebserzeugend sein kann.10 Da eine Langzeitgefährdung nicht ausgeschlossen werden kann und E-Zigaretten zum Aufrechterhalten des Rauchrituals beitragen können, was einen Rauchstopp möglicherweise erschweren könnte, sind E-Zigaretten dem Deutschen Krebsforschungszentrum zufolge gesundheitlich bedenklich.10,11 Nur bei völligem Umsteigen von konventionellen Rauchwaren auf E-Zigaretten ist möglicherweise ein gesundheitlicher Benefit zu erwarten.9 Deshalb werden vom Deutschen Krebsforschungszentrum E-Inhalationsprodukte für Kinder und Jugendliche als ungeeignet eingestuft.10 Laut Jugendschutzgesetzt dürfen diese Produkte nicht an Minderjährige abgegeben, noch der Konsum gestattet werden.12 Eine valide Evidenz zu möglichen Gesundheitsschäden insbesondere infolge einer Langzeitnutzung von E-Inhalationsprodukten fehlt allerdings bisher.10

Nebenwirkungen von E-Zigaretten

Über folgende, akute Nebenwirkungen wurde nach der Inhalation der nikotinhaltigen Aerosole aus E-Zigaretten berichtet:13,14

Studien mit E-Zigaretten: Kurzzeitige Effekte

Bisherige Untersuchungen zur gesundheitlichen Einschätzung von E-Zigaretten beziehen sich meist auf kurzfristige Effekte.10 In einer Studie mit 81 Teilnehmern wurde beispielsweise die myokardiale Funktion bei starken Rauchern mit ehemaligen Rauchern verglichen, die mindestens für 1 Monat E-Zigaretten nutzten. Dafür wurden Echokardiogramme vor und nach dem Konsum verglichen. Es zeigte sich, dass es nur bei den herkömmlichen Rauchern kurzzeitig zu einer Verzögerung der Links-Ventrikulären Myokard-Relaxation kam während die Benutzer von E-Zigaretten einen derartigen Akuteffekt nicht aufwiesen (p < 0,05). Bei E-Zigaretten-Anwendern kam es im Vergleich zu herkömmlichen Rauchern nicht zu einer kurzzeitigen Erhöhung des systolischen Blutdrucks (p = 0,025). Im Gegensatz dazu wurde in beiden Gruppen ein kurzzeitiger Anstieg des diastolischen Blutdrucks festgestellt (p < 0,001).15

Studien mit E-Zigaretten: Längerfristige Effekte (≥ 6 Monate)

Eine kürzlich veröffentlichte Querschnittsstudie aus Großbritannien verglich die Spiegel von bestimmten Biomarkern bei Rauchern (Nikotin, Nikotin-Metabolite, Tabak-assoziierte Kanzerogene Metabolite und flüchtige organische Toxine) zwischen konventionellen und E-Zigaretten-Rauchern nach Langzeit-Konsum (definiert als Exposition ≥ 6 Monate). Insgesamt wurden die folgenden Gruppen untersucht:2

Über alle Gruppen verteilt betrug die jeweilige Exposition ca. 17 Monate. Die Nikotin-Aufnahme ähnelte sich in allen Gruppen. Ein kanzerogener Metabolit sowie toxische und kanzerogene, flüchtige organische Verbindungen wiesen bei alleinigem E-Zigaretten- oder der Nikotin-Ersatztherapie-Gruppe signifikant niedrigeren Spiegeln an Karzinogenen und Toxinen auf im Vergleich zum kombinierten Konsum von konventionellen + E-Zigaretten bzw. Nikotinersatztherapie. Diese waren vergleichbar der alleinigen Exposition mit konventionellen Zigaretten. (je p < 0,001). 2

Die Ergebnisse würden darauf hinweisen, dass E-Zigaretten einen weniger schädlichen Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko haben, so die Studienautoren. Allerdings wird auch hier weitere Forschung benötigt, die einen noch längeren Anwendungszeitraum und eine größere Probandenkohorte untersucht.2

Hormonelle Kontrazeptiva und E-Zigaretten

Ein systemischer Literaturreview zu den kardiovaskulären Langzeitfolgen bei Raucherinnen von E-Zigaretten, die gleichzeitig kombinierte hormonelle Kontrazeptiva anwendeten, kam zwar zu dem Schluss, dass kardiovaskuläre Ereignisse in dieser Population selten waren und E-Zigaretten das Herz-Kreislaufsystem möglicherweise weniger belasten, doch fehlen bisher große kontrollierte klinische Studien, um diese Ergebnisse zu erhärten.3

Tabakrauchen kann das VTE-Risiko bei Frauen erhöhen, die mit hormonellen Kombinationspräparaten verhüten.1 Die WHO empfiehlt daher nicht-hormonelle Verhütungsmethoden oder reine Gestagen-Präparate für Raucherinnen.8 Ob sich das kardiovaskuläre Risiko unter hormoneller Kontrazeption durch den Konsum von E-Zigaretten zusätzlich erhöhen könnte, muss erst noch in kontrollierten Endpunktstudien untersucht werden.3

Quellen

  1. Römer T. Individuelle Verhütungsberatung - Das optimale Kontrazeptivum für Risikopatientinnen finden. gynäkologie + geburtshilfe 2015;20(5). DOI: 10.1007/s15013-015-0787-7.
  2. Shahab L, Goniewicz ML, Blount BC, et al. Nicotine, Carcinogen, and Toxin Exposure in Long-Term E-Cigarette and Nicotine Replacement Therapy Users: A Cross-sectional Study. Ann Intern Med. 2017 Feb 7. DOI:10.7326/M16-1107.
  3. Riley HE, Berry-Bibee E, England LJ, et al. Hormonal contraception among electronic cigarette users and cardiovascular risk: a systematic review. Contraception. 2016 Mar;93(3):190-208. DOI:10.1016/j.contraception.2015.11.003.
  4. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/GesundheitszustandRelevantesVerhalten/Tabellen/Rauchverhalten.html, abgerufen am 15.02.2017.
  5. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA). Verhütungsverhalten Erwachsener. Ergebnisse der Repräsentativbefragung 2011. https://www.forschung.sexualaufklaerung.de/fileadmin/fileadmin-forschung/pdf/BZGA-11-00988_Verhue_tungsverhalten_Erwachsener_DE_low.pdf, abgerufen am 04.04.2017.
  6. Kaufmann M, Costa S-D, Scharl A, editors. Die Gynäkologie. 3. Auflage. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag; 2013.
  7. Mueck AO, Seeger H. Rauchen und Östrogene. Gynäkologische Endokrinologie. Springer-Verlag Heidelberg 2015. DOI 10.1007/s10304-015-0015-5.
  8. Department of Reproductive Health and Research, World Health Organization: Medical eligibility criteria for contraceptive use, 5th edition, 2015.
  9. Deutsches Krebsforschungszentrum.
    https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/sonstVeroeffentlichungen/Tabakatlas-2015-final-web-dp-small.pdf, abgerufen am 16.02.2017.
  10. Nowak D, Gohlke H, Hering T, et al. Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) zur elektronischen Zigarette (E-Zigarette). Pneumologie 2015; 69(03): 131-134. DOI: 10.1055/s-0034-1391491.
  11. Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), Aktionsbündnisses Nichtrauchen e. V. (ABNR). Memorandum zur gesetzlichen Regulierung von nikotinhaltigen und nikotinfreien E-Zigaretten. abgerufen am 10.05.2017
  12. Jugendschutzgesetz. https://www.gesetze-im-internet.de/juschg/BJNR273000002.html, abgerufen am 02.05.2017.
  13. Ordonez JE, Kleinschmidt KC, Forrester MB. Electronic cigarette exposures reported to Texas poison centers. Nicotine Tob Res. 2015;17(2):209-211.
  14. Cantrell FL. Adverse effects of e-cigarette exposures. J Community Health. 2014;39(3):614-616.
  15. Farsalinos KE, Tsiapras D, Kyrzopoulos S, Savvopoulou M, Voudris V. Acute effects of using an electronic nicotine-delivery device (electronic cigarette) on myocardial function: comparison with the effects of regular cigarettes. BMC Cardiovasc Disord. 2014;14:78.