Wenig Evidenz für ideale Reinigungsmaßnahmen in der Krankenversorgung

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Eine neue systematische Übersichtsarbeit (DOI: 10.7326/M15-1192) zeigt  ein erhebliches Defizit vergleichbarer Studien bezüglich der Evidenz der Reinigungsmethoden im Krankenhaus und der damit verbundenen Patientensicherheit.

Nosokomiale Infektionen (NI)  führen zu erhöhter Letalität und Komorbidität. Ein multifaktorieller Präventionsansatz ist nötig um das Risiko für NI zu reduzieren. Diese Faktoren sollten eine geschulte Handhygiene, antimikrobielle Maßnahmen sowie besondere Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen umfassen. Während des Krankenhausaufenthaltes sind Patienten einem auf verschiedenste Weise kontagiösem Umfeld ausgesetzt, da Keime der NI sowohl auf porösen Strukturen (wie Vorhängen) als auch auf glatten Oberflächen (wie Geländern oder medizinischem Equipment) zu finden sind. Kontaminierte Oberflächen bilden ein Transmissionsreservoir für Keime durch direkten Kontakt zum Patienten oder indirekt über medizinisches Personal.

Die Studie des ECRI Institutes der Penn Medicine  legte einen besonderen Augenmerk auf Produkte und Methoden zur Bekämpfung der Erreger, als auch auf das Monitoring der durchgeführten Maßnahmen.

Insgesamt wurden 80 Studien einbezogen und analysiert. 76 Primärstudien und 4 systematischen Übersichtsarbeiten die zwischen 1998 und 2014 publiziert wurden. Die Mehrheit der einbezogenen Studien fokussierte sich auf die Vor- und Nachher Effekte von Untersuchungen mit einem einzelnen Reinigungsprodukt. Mehr als 65% befassten sich ausschließlich mit der Oberflächenkontamination als primäres Outcome, bezogen auf Bakterienbelastung und Kolonisationsraten.

Es konnten nur wenige vergleichende Studien zur Effektivität verschiedener Methoden oder Produkte identifiziert werden und noch weniger Studien(<35%), die sich mit dem Fokus auf das Outcome des Patienten, wie zum Beispiel NI-Raten, beschäftigten, dem eigentlichen Hauptinteresse im Gesundheitssystem. Zusätzlich waren nur fünf der 80 inkludierten Studien randomisiert und kontrolliert.

Viele Experten gehen davon aus, dass nur die Hälfte der Oberflächen in Patientenzimmern während der Reinigung ausreichend desinfiziert werden.

Es zeigte sich, dass durch die Verwendung von Reinigungsmitteln auf Bleichbasis die Rate an NI mit Clostridium difficile sank. C. difficile ist ein weit verbreiteter Erreger von im Krankenhaus erworbenen gastrointestinalen Infektionen und kann unbehandelt sehr schnell zu lebensbedrohlichen Situationen führen.

Laut des amerikanischen Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention traten 2011 fast eine halbe Million Infektionsfälle durch C. difficile auf, 29.000 Fälle endeten letal innerhalb von 30 Tagen nach der initialen Diagnose.

In sechs weiteren Studien zeigte sich, dass durch in Wasserstoffperoxid und anderen Chemikalien getränkte Reinigungstücher eine nachweisliche und nachhaltige Reduktion der NI-Rate erreicht wird.

Andere eher experimentelle Reinigungsmethoden wurden in Studien analysiert, die sich mit der berührungsfreien Säuberung von Oberflächen durch UV-Licht  oder Wasserstoffperoxid-Dampf auseinandersetzten und ebenfalls positive Ergebnisse zeigten.

Verbesserte Kupferbeschichtungen in Krankenhausräumen erwiesen sich zusätzlich als hilfreich im Kampf gegen die Erreger und zur Reduktion von Infektionen.

Insgesamt ergibt sich ein großer Bedarf an weiterer Forschung, einschließlich neuer Technologien und Vorgehensweisen.  Ein weiteres Augenmerk sollte vor allem in der Identifizierung  hoch frequentierter Oberflächen, die ein größeres Risiko  für Infektionen bergen, und in der Erfassung standardisierter Grenzbereiche für Sauberkeit liegen, um eine einheitliche und überprüfbare Qualitätssicherung zu gewährleisten.

Die Komplexität der Krankenhaushygiene wird im Alltag oft hinten  angestellt und bedarf, laut der Autoren, einer differenzierteren Betrachtung und Herangehensweise.

Text: esanum/sb

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