Weniger Aggressionen bei Infos über Wartezeiten in der Notaufnahme

Verletzt oder krank sein - und dann noch lange auf die ärztliche Behandlung warten. Da steigen bei manchen Menschen Aggressionen hoch. In einigen Fällen gibt es Hilfe dagegen.

Besonders aggressives Verhalten, wenn genannte Wartezeiten nicht eingehalten wurden

Verletzt oder krank sein - und dann noch lange auf die ärztliche Behandlung warten. Da steigen bei manchen Menschen Aggressionen hoch. In einigen Fällen gibt es Hilfe dagegen.

Informationen über Abläufe und voraussichtliche Wartezeiten in der Notaufnahme eines Krankenhauses verringern aggressive Tendenzen bei den PatientInnen. Dies gilt allerdings nur für kürzere und mittlere Wartezeiten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie einer Gruppe um Dorit Efrat-Treister von der Ben-Gurion University of the Negev in Beerscheva (Israel), die im Fachjournal "PLOS ONE" erschienen ist. War die tatsächliche Wartezeit jedoch länger als die in den Informationen angegebene oder dauerte sie insgesamt besonders lang, so wurden die aggressiven Tendenzen der informierten PatientInnen schließlich größer als bei solchen, die keine Wartezeit-Informationen erhalten hatten.

Thomas Fleischmann, Chefarzt der Notaufnahme der imland Klinik Rendsburg, hatte kürzlich drei Notfallbehandlungen hintereinander im Schockraum, die zusammengenommen fast vier Stunden dauerten. "Danach haben die Patienten im Warteraum keinerlei Verständnis mehr für die lange Wartezeit", berichtet er. Fleischmann kennt die in der Studie untersuchte Problematik seit Langem aus dem Klinikalltag. Er sieht die Ergebnisse als Bestätigung von eigenen Beobachtungen, dass Informationen über voraussichtliche Wartezeiten auch aggressive Tendenzen erhöhen können.

328 PatientInnen in Notaufnahme befragt

Efrat-Treister und KollegInnen befragten in einer ersten Studie über drei Wochen 328 PatientInnen in der Notaufnahme eines großen israelischen Krankenhauses. In der ersten und in der dritten Woche erhielten die Wartenden keinerlei zusätzliche Informationen. In der zweiten Woche bekamen sie einen Ablaufplan mit voraussichtlichen Wartezeiten für verschiedene Stationen, beispielsweise zwei Stunden für die Ergebnisse eines Bluttests. Die ForscherInnen fragten die PatientInnen mittels Fragebogen danach, ob sie die Abläufe (wann welche PatientInnen an der Reihe sind) für gerecht halten und nach ihren aggressiven Tendenzen. Dazu zählten die ForscherInnen unter anderem die Tendenz zu schreien, zu fluchen, Personal zu beleidigen oder zu ignorieren und in den Arbeitsablauf einzugreifen.

Im Ergebnis stiegen die aggressiven Tendenzen bei den Wartenden mit der Wartezeit. Allerdings waren sie bei den PatientInnen mit den Zusatzinformationen anfangs geringer als bei PatientInnen ohne Informationen. Bei den Informierten stiegen sie mit der Zeit jedoch schneller an und entstanden insbesondere, wenn die angegebene Wartezeit überschritten wurde. Auch die Wartedauer spielte eine Rolle. War die Gesamtaufenthaltszeit mit fünf Stunden angegeben, so hatten die informierten PatientInnen im Schnitt nach rund vier Stunden größere aggressive Tendenzen als die nicht informierten PatientInnen.

Hawthorne-Effekt konnte ausgeschlossen werden

Um den Hawthorne-Effekt auszuschließen, starteten die WissenschaftlerInnen ein Jahr später eine zweite Studie. Nach den Ergebnissen der ersten Studie hatte das Krankenhaus die Patienteninformationen zu Abläufen und voraussichtlichen Wartezeiten dauerhaft eingeführt. Die ForscherInnen befragten nun erneut 99 PatientInnen mit denselben Fragen wie in der ersten Studie. Da die Ergebnisse sehr ähnlich waren, schlossen die StudienautorInnen den Hawthorne-Effekt aus.

Im Grunde sei das auf Deutschland übertragbar, sagte Bernd Metzinger, Dezernatsgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Informationen über Abläufe und Wartezeiten seien auch hierzulande in Krankenhäusern Teil der Deeskalationsstrategie. Der Rendsburger Chefarzt Thomas Fleischmann berichtet, dass in seiner Notaufnahme PatientInnen im Einzelfall über voraussichtliche Wartezeiten informiert würden. Allerdings enthielten die genannten Zeiten einen Sicherheitspuffer: Wenn Laborwerte nach ein bis anderthalb Stunden verfügbar seien, würden den PatientInnen zwei Stunden genannt.

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