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Weniger Blutspender - Dienste kommen Spendern entgegen

Mobile Spendezentren machen mittlerweile 90 Prozent aus

Jedes Jahr spenden nach wie vor Zehntausende Brandenburger regelmäßig Blut - doch ihre Zahl ist rückläufig. Woran liegt das? Und was unternehmen die verschiedenen Blutspendedienste dagegen?

Die Blutspendedienste in Brandenburg klagen über weniger Blutspenden. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter mehreren Organisationen ergeben. Wie zum Beispiel der private Blutspendedienst Haema informiert, spenden nur etwa drei bis fünf Prozent der geeigneten Bevölkerung im Land Blut oder Blutbestandteile. "Ganz allgemein kann man von einem Rückgang der Spendenzahlen sprechen", sagt Haema-Sprecherin Marion Junghans. Schuld daran sei unter anderem der demografische Wandel - demnach würden immer weniger junge Spender auf immer mehr ältere Empfänger kommen. Zum Weltblutspendetag am 14. Juni machen viele Verbände wieder Werbung für das Thema.

Rund 100.000 Spenden hat Brandenburgs größter Blutspendedienst, das Deutsche Rote Kreuz (DRK), im vergangenen Jahr erhalten. Auch das DRK verzeichnet rückläufige Spendenzahlen, wie Sprecherin Kerstin Schweiger mitteilt. "Die Versorgungslage mit lebensnotwendigen Blutpräparaten ist aber stabil", sagt sie. In Ferienzeiten und Monaten mit hoher Feiertagsrate würden Sondertermine eingesetzt.

Blutspendeaufkommen unterliegt saisonalen Schwankungen

In den drei Haema-Blutspendezentren in Frankfurt/Oder, Potsdam und Brandenburg (Havel) sowie an 14 mobilen Standorten sind laut Angaben 2016 gut 66.000 Spenden zusammengekommen, darunter 50.000 Plasmaspenden. Bis zu 30.000 Brandenburger hätten dort gespendet, zudem nutzten viele auch die sechs Blutspendezentren in Berlin. Im Jahresverlauf kommt es Marion Junghans zufolge zu saisonalen Schwankungen im Blutspendeaufkommen. "Wir müssen jedes Jahr in den warmen Sommermonaten und den Ferien aber auch bei extremer Kälte im Winter mit Engpässen rechnen", sagt sie. Das seien Zeiten, in denen Blutspender verreisten oder aufgrund des Wetters nicht zur Blutspende kämen.

Die besondere Herausforderung sei die kurze Haltbarkeit der fertigen Blutpräparate, so das DRK. Diese betrage bei Blutkonserven bis zu 42 Tage, bei ebenfalls aus einer Blutspende gewonnenen Thrombozytenkonzentraten jedoch nur bis zu fünf Tage. Im Februar und März dieses Jahres seien die Auswirkungen der ausgedehnten Grippewelle durch temporäre, regional unterschiedliche Spenderückgänge zu spüren gewesen. "Der Rückgang konnte mit einer gezielten Spenderansprache ausgeglichen werden", sagt die Sprecherin.

Blutbestandteile immer häufiger gefragt

In den Standorten der Berliner Charité, wo auch viele Brandenburger regelmäßig Blut spenden, ist das Spendeaufkommen derzeit tendenziell geringfügig rückläufig, wie eine Sprecherin des Universitätsklinikums informiert. Insbesondere die Vollblutspenden würden weniger. Gründe dafür sieht die Sprecherin in der Verschiebung der Spendeanteile von Vollblutspendern in die Thrombozytenspende sowie in einem Rückgang von Vollblutspendern wie Studenten oder Klinikumsmitarbeitern.

Für die zeitintensive Thrombozytenspende erhalten Spender an der Charité bis zu 50 Euro Aufwandsentschädigung. Bis zu 20 Euro gibt es bei Haema für eine Blutplasmaspende. Den Großteil des Plasmas erhalten pharmazeutische Unternehmen, die daraus Medikamente herstellen, wie Marion Junghans sagt. Gerade der Bedarf an Blutbestandteilen wachse kontinuierlich.

Blutspenden als ehrenamtliche Tätigkeit

Ein Wettbewerbsvorteil gegenüber dem DRK, das seine Spender mit Mahlzeiten und Getränken sowie kostenlosen Gesundheitschecks für den Aufwand entschädigt, sieht die Haema-Sprecherin allerdings nicht. Sie vergleicht die Spendenbereitschaft mit ehrenamtlichen Tätigkeiten wie Trainer im Sportverein oder Schöffe am Gericht. Diese würden auch geringfügig für ihr Ehrenamt finanziell bedacht. "Mit einer finanziellen Aufwandsentschädigung kann der Spender selbst entscheiden wofür er sie verwendet", sagt Marion Junghans.

Um dem Negativtrend in Brandenburg entgegenzuwirken, setzt das DRK gezielt auf mobile Spendetermine. Diese machen laut Kerstin Schweiger mittlerweile 90 Prozent des Blutspendedienstes aus. Auch Haema weitet den mobilen Dienst im Land kontinuierlich aus. Zwar seien in den vergangenen Jahren Blutspendetermine in Bad Belzig, Werder (beide Potsdam-Mittelmark) sowie in Nauen (Havelland) eingestellt worden, dafür seien aber neue Standorte in Senftenberg, Schwarzheide (beide Oberspreewald-Lausitz) und in Schwedt (Uckermark) hinzugekommen.

Sowohl das DRK als auch Haema nutzen für die Ansprache und Gewinnung neuer Spender alle verfügbaren Kommunikationskanäle, auch die sozialen Medien. Zudem stehen Spender wegen der höheren Lebenserwartung und gestiegenen Vitalität im Alter länger zur Verfügung, wie Marion Junghans betont. So habe der Gesetzgeber die Altersobergrenze zuletzt auf 73 und bei Erstspendern auf 68 Jahre angehoben.