Wenn Belastungsdyspnoe bei jungen Menschen nicht auf Bronchodilatatoren anspricht - Teil 1

Belastungsdyspnoe bei Kindern wird meist einer anstrengungsinduzierten Bronchokonstriktion zugeschrieben und als Asthma fehlinterpretiert, doch auch Hyperventilationssyndrom oder laryngeale Obstruktion können Ursachen sein.

Mögliche Ursachen einer Belastungsdyspnoe bei Kindern

Dazu gehören das Hyperventilationssyndrom, Atemlosigkeit im Rahmen einer normalen Belastungslimitation, Dekonditionierung sowie die belastungsinduzierte laryngeale Obstruktion (EILO für exercise-induced laryngeal obstruction). 

Eine EILO ist eine transiente, reversible Verengung oder Schließung des Kehlkopfes, die bei intensiver körperlicher Betätigung auftritt. Die resultierende Verringerung des Luftflusses äußert sich mit Stridor, Engegefühl in Kehle und oberem Brustkorb sowie erschwerter Inspiration.1 Werden diese Beschwerden fälschlich als anstrengungsinduzierte Bronchokonstriktion eingeordnet, führt dies zur unnötigen Verschreibung von Asthmamedikamenten. 

Die direkte visuelle Beobachtung mittels flexibler Laryngoskopie während einer Belastung auf dem Laufband oder Ergometer (CLE-Test für Continuous Laryngoscopy Exercise Test) ist der Goldstandard für die Diagnose einer EILO. Dies ist jedoch selbst in spezialisierten Zentren nur selten möglich. Zudem wird dieses Ideal durch die große Zahl dieser Patienten in Frage gestellt, da die Tests Zeit und Geld kosten. Daher wird manchmal nur auf Grundlage der vom Patienten (oder dessen Eltern) geschilderten Symptome ein Asthma diagnostiziert, was zu Verzögerungen, unnötigem Leid und verzichtbarem Einsatz von Gesundheitsressourcen führt.2

Fallvignette: Zwei Sportler mit "schwer kontrollierbarem Asthma"

So wurden im 'American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine' zwei Athleten vorgestellt3, die bis dahin unter der Diagnose "therapieschwieriges Asthma" liefen und entsprechend behandelt wurden, ein 18-jähriger Mann und eine 20-jährige Frau.
Bei Vorstellung klagten beide über eine beeinträchtigte körperliche Leistungsfähigkeit aufgrund von Atembeschwerden. Eine sorgfältige Anamneseerhebung offenbarte, dass diese Symptome primär inspiratorisch auftraten, bei maximaler Anstrengung ihre stärkste Ausprägung erreichten und sich nach Ende der Belastung relativ rasch wieder normalisierten. Die Spirometrie-Befunde, die Salbutamol-Reversibilität und die Methacholin-Provokation passten nicht zu einem Asthma.

Ausblick Teil 2

Die Diagnose EILO konnte in beiden Fällen per CLE bestätigt werden und die Patienten wurden unter adäquater Therapie beschwerdefrei und konnten ihre Trainings- und Wettkampfaktivität wieder aufnehmen. Im Folgebeitrag geht es um genau diesen Teil: die therapeutischen Strategien und klinische Unterscheidungskriterien zum Asthma. 

Referenzen:
1. Welsh, L., Giannini, A. & Massie, J. Exercise-induced laryngeal obstruction in children and adolescents: are we listening? Arch Dis Child Educ Pract Ed 106, 66–70 (2021).
2. Halvorsen, T. & Røksund, O. A novel validated tool to score symptom burden in exercise-induced laryngeal obstruction: can we simplify patient follow-up and research? The Lancet Respiratory Medicine 10, 131–132 (2022).
3. Clemm, H. S. H. et al. The Heterogeneity of Exercise-induced Laryngeal Obstruction. Am J Respir Crit Care Med 197, 1068–1069 (2018).