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Wie können Ärzte die sexuelle Gesundheit ihrer Patienten fördern?

Prof. Johannes Bitzer, Basel: “Sexual-Therapie für ältere Paare soll mit Mythen aufräumen”

Wenn wir immer älter werden, wollen wir die zusätzlichen Jahre auch genießen. Und guter Sex gehört unzweifelhaft zur guten Lebensqualität – selbstverständlich auch im Alter. Wie es älteren Paaren miteinander geht, darüber machen sich Experten wie der Schweizer Prof. Johannes Bitzer von der Frauenklinik des Uni-Hospitals Basel Gedanken. Auf dem Symposium “Gesundes Altern heute” in Bonn referierte er, wie Ärzte die sexuelle Gesundheit ihrer Patienten fördern können.

Prof Johannes Bitzer

Auch wenn in Frauenzeitschriften gern dargestellt wird, wie erfüllend Sex im Alter sein kann – dem erfüllten Sexualleben Älterer steht oft eine Menge im Weg. Bekannt ist, dass die sexuelle Aktivität älterer Paare generell abnimmt. Bei Frauen steht an erster Stelle der Probleme die sexuelle Unlust, bei Männern die erektile Dysfunktion. Bekannt ist aber ebenso, dass auch Paare älter als 90 Jahre noch ein Sexleben haben. Schlussfolgerung: Es gibt kein Alterslimit für sexuelle Erfüllung. Die Menopause der Frau, das Ende der Fertilität, die hormonellen Wandlungen und die damit einhergehenden Veränderungen sind gut erforscht und weithin bekannt. Frauen bereiten sich darauf vor, gehen damit um.

Aber was ist mit dem Mann? Männer dieser Generation sind auf Leistung im Bett eingestellt – und wollen nicht wahrhaben, dass sich gewisse Dinge ändern. “Aber es ist schon so”, führt Prof. Bitzer aus, “es gibt eine Menge unerfreuliche Tatsachen”. Das Testosteron nimmt ab, andere Androgene nehmen ab. Es brauche länger bis zur Erregung, der Orgasmus sei kürzer, es komme zu geringerer Kontraktion des Beckenbodens, das Volumen des Ejakulats nehme ab, die Spermien werden weniger. Die Idee vieler Männer, ihre Einbußen mit einer jüngeren Partnerin wettzumachen, hält Prof. Bitzer für einen Trugschluss. Zumindest sei diese Vorstellung nicht wissenschaftlich gesichert. Umgekehrt könne die ältere Frau von den Vorzügen eines jüngeren Mannes sehr wohl profitieren.

Guter Sex ist in jedem Alter möglich

Derzeit wird in Basel ein Zentrum für Sexualmedizin aufgebaut, in dem auch mit älteren Paaren gearbeitet wird. Der Experte drückt die Lage drastisch aus: “Da kommen nun ein schlaffer Penis und eine trockene Vagina zusammen – und die beiden sollen nun miteinander etwas anfangen.” Wenn die Leidenschaft versiegt ist, sich die Bedürfnisse geändert haben, ist Sex eher aus der Reha-Perspektive zu betrachten. Die Frage ist: Was geht? Guter Sex ist in jedem Alter möglich – so die These. Paare kennen sich so gut, dass sie wirklich intim miteinander sein können. Sie haben miteinander das Leben bewältigt, sie haben Krisen gemeistert. Nun können sie genießen, müssen nichts mehr leisten. Aber dahin ist es für manche ein weiter Weg.

Oft stellt sich im Gespräch heraus, dass beide Partner seelische oder körperliche Grunderkrankungen haben, die den Sex behindern. Dazu kommen Schamgefühl und Sprachlosigkeit, besonders bei den Männern. Frauen dieser Generation haben nicht gelernt, zu ihren Bedürfnissen zu stehen. Männer glauben, immer Lust haben zu müssen. Ein Mythos, sagt Prof. Bitzer, der Schaden anrichte.

Jedes Paar ist anders

Die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist oft sehr schmerzhaft. Der Vergleich mit früher, die Annahme von Normen stehen Betroffenen im Weg. Dazu kommt die jeweilige Paardynamik. “Jedes Paar ist anders, es gibt kein typisches älteres Paar.” Jedes Gespräch sei für die Betroffenen eine enorme Anstrengung und zugleich eine große Entlastung. Dass man überhaupt darüber reden kann, ist für viele schon ein Gewinn. Heilsam sei mehr Wissen über die Unterschiede von Mann und Frau. Auch Informationen darüber, wie sich Sexualität im Alter verändert, über Risiken und Vorteile, helfen und bewirken, dass sie sich nicht allein fühlen mit ihren Problemen. Für beide Geschlechter stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Neue Substanzen werden kommen.

In der Sexual-Therapie werden Paare angeregt, gemeinsam erotische Literatur zu lesen und sich zusammen erotische Filme anzusehen. Daneben geht es um Body Awareness, also darum, den eigenen Körper wieder kennen zu lernen. Auch “Sex Toys” können als unterstützendes medizinisches Mittel betrachtet werden. Und schließlich werden die kommunikativen Fähigkeiten verbessert. Wesentlich dabei ist die Regel: keine gegenseitigen Vorwürfe! Üblich sind sechs bis acht Sitzungen. In dieser Zeit sollen die Paare lernen, Eigenverantwortung für sich und ihre Sexualität zu übernehmen. Sie sind nicht Opfer von Alter und Krankheiten, sie haben die Entscheidungskompetenz, etwas aus ihrer Situation zu machen.