Wie nützlich sind Apps in der Rheumatologie?

Was können mobile Apps in der Rheumatologie leisten? Ermöglichen sie frühere Diagnosen und Therapien? Das war Thema eines Symposiums auf dem 47. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in Dresden.

Rheuma-VOR-App: Über 17 Fragen zur schnelleren Diagnose beim entzündlichen Rheuma

Was können mobile Apps in der Rheumatologie leisten? Ermöglichen sie frühere Diagnosen und Therapien? Das war Thema eines Symposiums auf dem 47. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in Dresden.

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen betreffen etwa zwei Prozent der deutschen Bevölkerung. Der aktuelle Mangel an RheumatologInnen in ganz Deutschland, vor allem auf dem Land, bedeutet für viele Betroffene eine sehr späte Diagnose. Schmerzen und erhebliche Funktionseinschränkungen sind oftmals die Folge. Mit der Rheuma-VOR-App, die Matthias Dreher, wissenschaftlicher Koordinator des Tools, vorstellte, soll sich das ändern.

Die App berücksichtigt die Rheumatoide Arthritis, die axiale Spondyloarthritis und die Psoriasisarthritis, weil bei ihnen das "window of opportunity" entscheidend ist, so Dreher. Eine eine möglichst frühe Diagnose ist von großer Bedeutung.

Smartphone-Apps weisen gerade bei chronischen Erkrankungen ein großes Potenzial auf: Neben der Übermittlung von Gesundheitsinformationen können sie auch zum Selbstmonitoring und Selbstscreening eingesetzt werden, so Dreher.

Rheuma-VOR, das Netzwerk für die "Verbesserung der rheumatologischen Versorgungsqualität durch koordinierte Kooperation", will in drei Bundesländern (Rheinland-Pfalz, Saarland, Niedersachsen) Behandlungsangebote für RheumapatientInnen aufbauen, damit entzündlich-rheumatische Erkrankungen früher entdeckt und schneller zielgerichtet behandelt werden können.

Über 17 Fragen zur schnelleren Diagnose bei entzündlichem Rheuma

Ziel der App ist die Unterstützung bei der Diagnostik und Überweisung von Verdachtsfällen, vor allem für Primärversorger. Verwendet wurde ein mehrstufiges Delphi-Verfahren mit einer minimalen Anzahl an Fragen auf Basis der Leitlinien und Red Flags. Seit Herbst 2017 kann jeder Erwachsene in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Niedersachen, bei dem gerade die ersten Anzeichen für eine entzündlich-rheumatische Erkrankung auftreten und der noch nicht wegen in Behandlung beim Rheumatologen ist, in das Netzwerk Rheuma-VOR aufgenommen werden, unabhängig von der Art seiner Krankenversicherung.

Unter der Leitung der Universitätsmedizin Mainz arbeiten zahlreiche Partner der Patientenversorgung, Forschung und Selbsthilfe aus drei Bundesländern im Projekt Rheuma-VOR gemeinsam daran, RheumapatientInnen schneller und lückenlos behandeln zu können: die Medizinische Hochschule Hannover, das Universitätsklinikum des Saarlandes, das Rheumazentrum Niedersachsen, das ACURA Rheumazentrum Rheinland-Pfalz, das Rheumazentrum Saarland, die niedergelassenen RheumatologInnen und die Hausärzte-Verbände aller drei Bundesländer.

Die App enthält 17 Fragen für ein Differenzialscreening (13 an die PatientInnen, 4 Laborparameter). Das Beantworten der Fragen benötigt ungefähr 4 Minuten. Patientenfragen lauten z.B. Haben sie seit mindestens 6 Wochen > 2 geschwollene Gelenke? Leiden Sie unter schmerzhaft geschwollenen Fingern bzw. Zehen? Waren Sie zu Beginn der Beschwerden jünger als 50 Jahre?

Im klinischen Alltag wird die App seit November 2018 getestet, eingeschlossen sind bislang 309 ProbandInnen. Die Sensitivität der App liegt bei 82,5%, die Spezifität bei 26,85%. Positiv prädiktiver Wert 54,77%, negativ prädiktiver Wert 58,82%. Die Akzeptanz und Nutzung von zuweisenden Ärztinnen und Ärzten steigt. Im Q3/Q4 erhält die App einen Bereich mit den wichtigsten Informationen über die 3 Erkrankungen (Definition, Ätiologie, Prognose, Symptome, therapeutische Prinzipien, Medikation und Fallbeispiele).

Aktuell wird geprüft, ob die App als Medizinprodukt zugelassen werden muss.

Mobile Apps boomen – doch es gibt keine Wirksamkeitsstudie

Mobile Apps in der Rheumatologie – wie sie genutzt werden und was sie tatsächlich bringen, das beleuchtete Dr. Johannes Knitza vom Universitätsklinikum Erlangen.

Der Umsatz mit mobilen Apps in Deutschland hat in den Jahren 2008 bis 2018 rasant zugenommen und dürfte 2019 bei 1,6 Millionen Euro liegen.

Medical Health Apps richten sich als hauptsächliche Zielgruppe an chronisch kranke PatientInnen (50%), erst danach folgen Gesunde und Fitnessbewusste Menschen (33%), ÄrztInnen (32%), Krankenhäuser (26 %), Krankenversicherungen (17%) und Pharmaunternehmen (14%).

Mobile Apps sind niederschwellig, skalierbar und ihr Einsatz kann Zeit sparen. So kann eine App die Diagnose auch bei seltenen Erkrankungen beschleunigen. Wie Knitza berichtet, nimmt die Nutzung von Apps unter RheumatologInnen zu: Gaben 2016 37% an, Apps aktuell zu nutzen, waren es 2018 bereits 49%. Planten 47% 2016 künftig Apps zu nutzen, waren es 2018 schon 68%.

Die Qualität der Rheuma-Apps ist heterogen

Und auch die PatientInnen zeigen eine große Bereitschaft, Apps zu nutzen: 90% besitzen ein Smartphone, 65% finden medizinische Apps hilfreich, 4% nutzen Medizin-Apps aktuell und 96% würden ihre Daten für Forschungszwecke bereit stellen.

In ihrem Review haben Knitza und Kollegen (Knitza J et al. JMIR mHealth and uHealth 2019) untersucht, wie viele und welche mobilen rheumatologischen Apps es gibt. Sie fanden 63 Apps im Google Play Store und 128 Apps im Apple App Store. Eingeschlossen in die finale Analyse wurden 16 Apps.

Neun Apps wendeten sich an PatientInnen und 7 Apps an Ärzteschaft. Allerdings konnten keine klinischen Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit von Apps gefunden werden. Rheuma Auszeit war die einzige App, die hauptsächlich von einer Patientenorganisation entwickelt wurde. Diese App hatte die höchste MARS (Mobile App Ratings Scale)-Gesamtpunktzahl (4.19/5). Bewertet wurde nach Nutzereinbindung, Funktionalität, Ästhetik und Informationsqualität.

Wie Knitza berichtet, fanden die StudienautorInnen einen Mangel an unterstützenden klinischen Studien, es wurden kaum validierte Fragebögen verwendet. Entsprechend war die Qualität der Apps insgesamt heterogen. Um hochwertige Apps zu erstellen, ist eine engere Zusammenarbeit zwischen PatientInnen und ÄrztInnen unerlässlich.

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