Zeit bis zur Diagnose mit innovativen Screening-Konzepten verkürzen

Patienten mit Rheumaverdacht müssen in manchen Regionen Deutschlands manchmal neun Monate auf einen Termin beim internistischen Rheumatologen warten. Um dieser offensichtlichen Unterversorgung zu begegnen, werden deutschlandweit Screening-Konzepte entwickelt, die einen frühen Zugang zu Diagnose und Therapie sichern sollen.

Patienten mit Rheumaverdacht müssen in manchen Regionen Deutschlands manchmal neun Monate auf einen Termin beim internistischen Rheumatologen warten.

Je früher jedoch Patient und Arzt die Behandlung angehen, desto besser ist die Prognose bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Um dieser offensichtlichen Unterversorgung zu begegnen, werden deutschlandweit Screening-Konzepte entwickelt, die einen frühen Zugang zu Diagnose und Therapie sichern sollen. Einige dieser Konzepte werden auf dem 46. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) vorgestellt und auf der heutigen kongressbegleitenden Pressekonferenz in Mannheim diskutiert.

Der wohl wichtigste Schritt hin zu einem zügigeren Therapiebeginn ist eine effektive Vorauswahl der Patienten. "Längst nicht jeder Patient mit rheumatypischen Beschwerden leidet auch tatsächlich an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung", sagt Professor Dr. med. Christoph Fiehn, niedergelassener Internist und Rheumatologe in Baden-Baden und Tagungspräsident für die DGRh. Ein sinnvoller und inzwischen gut erprobter Ansatz ist es daher, Screening-Sprechstunden einzurichten, für die sehr kurzfristig Termine vergeben werden oder die mancherorts sogar ganz ohne Termin besucht werden können. Hier können diejenigen Patienten, die tatsächlich rheumatologisch behandelt werden müssen, schnell und zuverlässig identifiziert werden. Patienten, deren Probleme auf andere Erkrankungen zurückgehen, werden dagegen an Ärzte anderer Fachrichtungen verwiesen. Die oft über Monate ausgebuchten Rheumatologen-Sprechstunden werden so entlastet.

Auch das Screening wird in der Regel durch Rheuma-Fachärzte vorgenommen. "Es gibt allerdings vielversprechende Studien, die zeigen, dass man die Frühuntersuchung auch delegieren kann", sagt Professor Fiehn und verweist unter anderem auf ein Modellprojekt des Düsseldorfer Universitätsklinikums. Dort wurden Studierende der Medizin so geschult, dass sie das Screening vornehmen konnten – zur großen Zufriedenheit der Patienten und auch der Studierenden selbst.

Obwohl für den Besuch der Screening-Sprechstunde in der Regel eine hausärztliche Überweisung benötigt wird, bestätigt sich der Rheumaverdacht nur bei einem Viertel bis der Hälfte der überwiesenen Patienten. Aus dieser Beobachtung ergibt sich ein weiterer Ansatz, die Fachärzte zu entlasten: Indem Hausärzte stärker eingebunden werden, kann bereits hier eine effizientere Patientenvorauswahl stattfinden. "In einer Art Ärztenetzwerk werden Nicht- Rheumatologen systematisch geschult und bekommen spezielle Fragebögen als Untersuchungswerkzeug an die Hand", erläutert Professor Fiehn ein Modell, das bereits in mehreren Regionen Deutschlands umgesetzt wird. Die Allgemeinmediziner können so ihre Verdachtsdiagnose besser überprüfen, bevor sie den Patienten an einen Rheumatologen oder eine Screening-Sprechstunde überweisen.

Wie dringend solche Konzepte benötigt werden, legt Fiehn anhand einer Erhebung aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen dar. Dort ist ein niedergelassener Rheumatologe bereits jetzt für durchschnittlich 1500 Patienten zuständig – mit steigender Tendenz. "Der Bedarf übersteigt damit die Kapazität der Kollegen bei Weitem", sagt Fiehn. In einer alternden Gesellschaft werde die Zahl der Rheuma-Erkrankungen zudem noch weiter steigen, und allein über die Weiterbildung junger Rheumatologen könne der Bedarf auf absehbare Zeit nicht gedeckt werden.

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