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Zielgerichtete Therapien in Hämatologie und Onkologie

Die Eisenchelation mit Deferasirox-Filmtabletten, die Senkung des Hämatokrits und damit eventuell des Thromboserisikos mit Ruxolitinib sowie die guten Therapieergebnisse mit Ribociclib beim Mammakarzinom waren Thema eines Satellitensymposium von Novartis  beim DGHO-Kongress 2017 am 1. Oktober 2017 in Stuttgart.

Eisenchelattherapie kann Sterblichkeit verringern

Bei myelodysplastischem Syndrom (MDS) kommt es aufgrund wiederholter Eisentransplantationen häufig zu einer Eisenüberladung, die mit einer erhöhten Morbidität und wahrscheinlich auch einer erhöhten Sterblichkeit einhergeht.

Die Eisenchelation mit z. B. Deferasirox ist daher eine wichtige Maßnahme, so Prof. Dr. Uwe Platzbecker, Universitätsklinikum Dresden. Verschiedene Untersuchungen, beispielsweise des US-Kanadischen MDS-Registers und der IRON2-Studie belegen, dass eine Eisenchelation bei MDS-Patienten mit einem deutlichen Überlebensvorteil einhergeht. 

Die Compliance wird bei der Eisenchelattherapie jedoch durch häufige gastrointestinale Nebenwirkungen beeinträchtigt. Die Verträglichkeit von Deferasirox konnte mittlerweile mit einer neuen Galenik verbessert werden, es steht nun in Form von Filmtabletten zur Verfügung. Die Filmtablette kann – vorzugsweise immer zur gleichen Tageszeit – mit oder ohne eine begleitende Mahlzeit mit Wasser eingenommen werden.

Durch die Laktose- und Natriumlaurylsulfat-freie Zubereitung können zudem gastrointestinale Beschwerden weiter vermindert werden. Aktuelle Daten der offenen, randomisierten Phase-II-Studie ECLIPSE  bestätigen das gute Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil von Deferasirox im Vergleich zur bisherigen Formulierung. Der Zusammenhang zwischen Behandlungsform und Reduktion des Serumferritin-Wertes war in der Studie stark von der Patientenadhärenz abhängig.

Patientenbezogene Parameter wie Zufriedenheit, Bedenken, allgemeine Verträglichkeit und Häufigkeit gastrointestinaler Nebenwirkungen waren dabei zentrale Einflussgrößen. "Die höhere Zufriedenheit der Patienten und bessere Adhärenz mit der neuen Formulierung von Deferasirox könnten die Effekte einer Eisenchelat-Therapie bei Patienten mit transfusionsabhängigem MDS weiter verbessern", so das Fazit von Platzbecker.

Ruxolitinib bei Polycythaemia vera

Die Polycythaemia vera (PV) ist mit einem deutlich erhöhten Thromboserisiko assoziiert. Wie PD Dr. Haifa Kathrin Al-Ali, Universitätsklinikum Halle (Saale) berichtete sind  45 % aller Todesfälle von PV-Patienten auf kardiovaskuläre Ereignisse zurück zu führen.

Die Reduktion der thromboembolischen Ereignisse ist damit das Haupttherapieziel (siehe DGHO-Leitlinien). Aderlässe sind die schnellste und einfachste Maßnahme zur Absenkung des Hämatokrits und der Verringerung der Hyperviskosität. Man beginnt mit Aderlässen von 250 bis 500 ml in zwei- bis dreitägigen Abständen, bis der Hämatokrit unter 45% gesenkt ist.

Unter alleiniger Aderlasstherapie ist die Thromboserate im Vergleich zur Zytoreduktion erhöht. Zusätzlich wird die Gabe von Acetylsalicylsäure empfohlen. Bei schlechter Compliance unter Aderlassbehandlung und/oder Progression der Myeloproliferation und/oder hohem Thromboserisiko ist eine zytoreduktive Therapie mit Hydroxycarbamid (Hydroxyurea, HU) angezeigt. Bei Resistenz oder Unverträglichkeit können alternativ zum Beispiel Ruxolitinib, Interferon alfa oder Busulfan eingesetzt werden. 

Eine Resistenz auf HU liegt dann vor, wenn z. B. Thrombosen oder Blutungen auftreten. Wie Al-Ali berichtete, hat jeder dritte Patient unter HU-Therapie einen Hämatokrit über 45 % und die Thrombose-Wahrscheinlichkeit erhöht sich dann, wenn mehr als 3 Aderlässe/Jahr unter HU-Therapie erforderlich sind.

Ohne Aderlass erreichen unter Ruxolitinib-Behandlung signifikant mehr Patienten einen Hämatokrit unter 45 % als mit einer besten verfügbaren Therapie (BAT). Ebenso war die Rate thromboembolischer Ereignisse unter Ruxolitinib geringer als unter BAT. Außerdem werden häufige krankheitsbezogene Symptome, z. B. Fatigue, durch Ruxolitinib bei jedem zweiten Patienten um mindestens die Hälfte gebessert. 

Ribociclib beim metastasierten Mammakarzinom

Als neue Therapieoption für Frauen mit metastasiertem  Mammakarzinom steht seit August 2017 der CDK4/6-Inhibitor Ribociclib zur Verfügung. Er ist für die orale Therapie von  postmenopausalen Frauen mit einem hormonrezeptorpositiven, HER2-negativen lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinom als initiale endokrin basierte Therapie in Kombination mit einem Aromatasehemmer wie Letrozol zugelassen.

Zulassungsrelevant waren, so Dr. Norbert Marschner, Freiburg, die Ergebnisse der randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie MONALEESA-2, in der die Erstlinien-Behandlung mit Ribociclib plus Letrozol das progressionsfreie Überleben (PFS) im Vergleich zur alleinigen Letrozol-Behandlung signifikant verlängerte.

Beim ASCO-Kongress 2017 vorgestellte aktualisierte Daten nach einer medianen Beobachtungsdauer von 26,4 Monaten zeigten einen anhaltenden Effekt mit einem medianen PFS von 25,3 Monaten unter der Kombination im Vergleich zu 16,0 Monaten unter Letrozol-Monotherapie (Hazard-Ratio 0,568, p < 0,0001). Der Nutzen der Behandlung wurde in allen vordefinierten Subgruppen gesehen. Auf hämatotoxische und hepatotoxische Wirkungen ist jedoch zu achten. Marschner empfiehlt deshalb eine sorgfältige und regelmäßige Überwachung der Patientinnen. 

Referenz: Satellitensymposium "Effektive und zielgerichtete Therapien in der Hämatologie und Onkologie", veranstaltet von Novartis beim DGHO-Kongress 2017, Stuttgart, 1. Oktober 2017.
Dr. Susanne Heinzl