Zusammenhang zwischen Autismus und Epilepsie

In den letzten Jahren hat die medizinische Forschung eine Reihe von Verbindungen zwischen den Krankheiten Autismus und Epilepsie entdeckt.

In den letzten Jahren hat die medizinische Forschung eine Reihe von Verbindungen zwischen den Krankheiten Autismus und Epilepsie entdeckt. Die jüngste Studie, welche sich mit dieser Beziehung beschäftigte, fand nun heraus, dass das Vorkommen von Epilepsie in der Familie einen Risikofaktor für die Entstehung von Autismus in Verwandten darstellt.

Epilepsie und Autismus sind mittlerweile dafür bekannt miteinander verknüpft zu sein. Warum dies jedoch der Fall ist, konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. Der Autismus ist eine mentale Erkrankung, bei der Betroffene Schwierigkeiten in der Kommunikation und im Aufbau von Beziehungen haben. Auch die Art und Weise, wie sie die Welt wahrnehmen ist verändert. Epilepsie ist hingegen von zentral ausgelösten Krampfanfällen gekennzeichnet. Diese werden durch intensive Ausbrüche elektrischer Aktivität im Gehirn ausgelöst.

Auf den ersten Blick, würde man also nicht unbedingt meinen, dass die beiden Krankheitsbilder mit einander verwandt sind. Jedoch ist die Beziehung inzwischen gut dokumentiert und gilt als gesichert. Rund 20 bis 30 Prozent der Kinder mit Autismus entwickeln bis zum Erreichen des Erwachsenenalters eine Epilepsie. Umgekehrt findet sich bei geschätzten 15-50 Prozent der Menschen mit Epilepsie ein Autismus.

Warum die Verbindung existiert ist bis heute nicht bekannt. Allerdings erbrachte nun eine neue Forschungsarbeit von der Universitätsklinik in Linköping, Schweden, neue Erkenntnisse, die zur Lüftung des Rätsels beitragen könnten.

Familiäre Verbindungen zwischen Autismus und Epilepsie

Eine neue Studie, welche vor kurzem im Journal Neurology veröffentlicht wurde, untersuchte anhand von Epilepsiefällen in der Familie das Risiko für Verwandte einen Autismus zu entwickeln. Erstautorin der Arbeit ist Dr. Heléne E. K. Sundelin.

Frühere Studien haben die beiden Krankheiten miteinander verknüpft – die neue Studie befasst sich nun damit, die Brüder und Schwestern, Söhne und Töchter von Menschen mit Epilepsie zu betrachten, um bei ihnen ein potentiell erhöhtes Risiko für Autismus aufzudecken. Die Forscher durchsuchten dafür die Datenregister und identifizierten 85.201 Menschen mit Epilepsie, zusammen mit ihren Geschwistern (80.511 Personen) und Nachkommen (98.534 Personen).

Jede Person mit Epilepsie wurde mit fünf anderen Personen des gleichen Geschlechts, gleichen Alters, und dem gleichen Herkunftsland verglichen. Die Geschwister der Menschen mit Epilepsie wurden mit den Geschwistern und Nachkommen von Menschen ohne Epilepsie verglichen. Im Laufe des 6-Jahres-Follow-ups wurde bei 1381 Teilnehmern mit Epilepsie und bei 700 Teilnehmern ohne Epilepsie ein Autismus diagnostiziert.

Die Ergebnisse zeigen eindrücklich, dass Menschen mit Epilepsie ein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Autismus haben – 1,6 Prozent im Vergleich zu 0,2 Prozent. Das höchste Risiko wurde bei den Patienten festgestellt, bei denen schon in der Kindheit die Epilepsie diagnostiziert wurde (5,2 Prozent).

Als die Arbeitsgruppe die Verwandten der Patienten mit Epilepsie untersuchte, fand sie für Geschwister und Nachkommen ein um ganze 63 Prozent erhöhtes Risiko einen Autismus entwickeln. Der Effekt war bei den Nachkommen von Müttern mit Epilepsie am stärksten ausgeprägt – sie hatten ein um 91 Prozent erhöhtes Risiko. Die Nachkommen von Vätern mit Epilepsie hatten hingegen ein um lediglich 38 Prozent erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Wie ist die Verbindung zwischen Autismus und Epilepsie zu erklären?

Die Ergebnisse markieren einen weiteren Schritt hin zu einem besseren Verständnis für die Beziehung zwischen den beiden Erkrankungen. Durch das Aufdecken von immer mehr Ähnlichkeiten und Verbindungen, erhoffen sich die Forscher Stück für Stück zu verstehen, welche Mechanismen bei den beiden Erkrankungen eine Rolle spielen und wie man sie am besten behandeln kann.

Warum Autismus und Epilepsie Gemeinsamkeiten teilen ist wie eingangs erwähnt noch nicht verstanden. Einige Wissenschaftler vermuten aber, dass sie eine gemeinsame genetische Ursache haben könnten. Zum Beispiel besteht es sowohl bei der Epilepsie als auch beim Autismus ein gewisses Interesse an der Rolle von GABA-Rezeptor- und Natriumkanal-Genen. Andere Mutationen in synapsenbildenden Genen wie Neuroligine, Neurexine und SHANK-3 wurden auch als mögliche Ursachen in Betracht gezogen.

Alternativ vermuten einige Forscher, dass sie in einem kausalen Zusammenhang zueinander stehen könnten; So ist es denkbar, dass epileptische Anfälle autistische Merkmale hervorrufen, indem sie in irgendeiner Weise bestimmte Teile des Gehirns schädigen. Sollte sich dies bestätigen bestünde zukünftig eventuell die Möglichkeit Autismus-Diagnosen durch eine effizientere und bessere Epilepsiebehandlung zu reduzieren. Die Ergebnisse der aktuellen Studie deuten jedoch darauf hin, dass eine kausale Beziehung, nicht allein die Gesamtheit der Zusammenhänge erklären kann.

Ob Epilepsie Medikamente die Inzidenz von Autismus zu reduzieren vermag, ist aber ohnehin eine andere Frage, deren Antwort noch aussteht. Auch die Umgekehrte Richtung der Prävention sollte überprüft werden. Die Beziehung, so gut wie sie in der Vergangenheit auch dokumentiert wurde, hält noch immer eine Reihe von ungelösten Geheimnissen bereit.

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