Corona macht’s möglich: "jeden Tag pünktlich nach Hause"

Wie steht es in den Kliniken um das Arbeitsaufkommen, die Schutzausrüstung, den Wunsch nach Wiederaufnahme der Regelversorgung und die Furcht vor einer Überforderung des Gesundheitssystems? Das MB-Corona-Barometer liefert Hinweise zur Wetterlage.

Wie steht es in den Kliniken um das Arbeitsaufkommen, die Schutzausrüstung, den Wunsch nach Wiederaufnahme der Regelversorgung und die Furcht vor einer Überforderung des Gesundheitssystems? Das MB-Corona-Barometer liefert Hinweise zur Wetterlage.

"MB-Barometer": Rückmeldung aus dem Corona-Klinikalltag

Kommen Sie jetzt auch jeden Tag pünktlich nach Hause? Laut dpa-Meldung hat ein Arzt bei einer aktuellen Umfrage des Marburger Bundes angegeben, "nach 12 Jahren im Beruf plötzlich wieder jeden Tag pünktlich nach Hause zu kommen". An der bundesweiten Online-Befragung, die vom 29. April bis zum 10. Mai lief, haben mehr als 8.700 angestellte Ärztinnen und Ärzte aus allen Versorgungsbereichen (knapp 90% aus Krankenhäusern) teilgenommen. Auf der Verbands-Website gibt es die Pressemitteilung zum "MB-Barometer zur Corona-Krise 2020" sowie einen Foliensatz und die Zusammenfassung der Ergebnisse.

Arbeitsaufkommen: für 57% gesunken, für 18% gestiegen

Die sind durchaus interessant. So ist etwa das Arbeitsaufkommen in den Kliniken bei 57% der Befragten im Lauf der Krise gesunken, bei etwa einem Viertel gleich geblieben und bei knapp 18% gestiegen. Die Lage ist, wie zu erwarten war, ganz unterschiedlich. Für manche sorgen die gesetzlich verfügten Ausnahmen vom Arbeitszeitgesetz für verlängerte Wochenarbeitszeiten und verkürzte Ruhezeiten. Ein Zehntel der Befragten befindet sich dagegen in Kurzarbeit. Gut die Hälfte von ihnen ist in Rehakliniken tätig, ein Drittel im ambulanten Bereich.

Jeder Sechste kann zu Hause bleiben

Für zwei Drittel (64%) der Kurzzeitarbeiter ist die Arbeitszeit um bis zu 50% reduziert, etwa jeder Sechste (17%) braucht erst gar nicht zu erscheinen. Da kann man sich schon wundern, so wie die MB-Vorsitzende Dr. Susanne Johna: "Aus unserer Sicht ist der Befund bemerkenswert. Es handelt sich ja um Ärztinnen und Ärzte, die in der Krise auch anderweitig hätten eingesetzt werden können, um beispielsweise den Öffentlichen Gesundheitsdienst zu unterstützen. Auch der Abbau von Überstunden ist Kurzarbeit vorzuziehen. Aus unseren regelmäßigen Mitgliederumfragen wissen wir, dass angestellte Ärztinnen und Ärzte pro Jahr etwa 65 Mio. Überstunden leisten."

Großteil wünscht Wiederaufnahme der Regelversorgung – "mit Augenmaß"

Der Leidensdruck der Patienten wächst, ein Berg an verschobenen Operationen türmt sich auf. Also den normalen Klinikbetrieb schnell wieder hochfahren? Bei der Frage nach der Wiederaufnahme der Regelversorgung sieht es so aus: Knapp 70% der Umfrageteilnehmer sind dafür, rund 16% dagegen und 14% unentschlossen. Ein ausgewählter Kommentar dazu in den Ergebnisfolien: "Wir sollten mit Augenmaß die reguläre Patientenversorgung wieder aufnehmen, denn die normalen Patienten gibt es ja weiterhin." So treffend wie banal und etwas verstörend. Was machen die normalen Patienten eigentlich die ganze Zeit? In vielen Praxen geht es ja auch noch deutlich ruhiger zu als üblich. Merkwürdige Zeiten …

Gefahr einer Überforderung des Systems hält die Mehrheit noch für möglich

"Ich denke, man sollte langsam den Klinikbetrieb hochfahren, aber nicht auf volle Leistung, damit bei einer möglichen 2. Infektionswelle das System nicht überlastet wird", lautet ein anderer Kommentar. Eine größere zweite Welle fürchtet eine relevante Zahl von Ärzten, wie aus der Umfrage hervorgeht. Im Hinblick auf eine mögliche Überforderung des Gesundheitswesens gehen die Meinungen auseinander: 44% sehen sie, 42% sehen nicht und 14% mögen es derzeit nicht einschätzen. Da dürfte auch das individuelle Corona-Erleben in der Klinik eine wichtige Rolle spielen.

Erhebliche Defizite bei der Schutzausrüstung

Schließlich noch eine eher erschreckende Rückmeldung: Immerhin 38% der Befragten gibt an, über keine adäquate Schutzausrüstung zur Patientenversorgung zu verfügen. Am häufigsten wird ein Mangel an FFP-2 und FFP-3-Masken beklagt, aber auch bei Schutzkitteln und Schutzanzügen gibt es erhebliche Defizite. Für das bevorstehende Operationsgeschehen im – wie auch immer angenäherten – Regelbetrieb sind das keine guten Voraussetzungen. Die MB-Vorsitzende hofft "weiter auf die dauerhafte Produktion in Deutschland".

Aktuell knapp 1.400 COVID-19-Behandlungensfälle im DIVI-Intensivregister

Und wir werfen abschließend noch einen Blick in das DIVI-Intensivregister, für das seit dem 10. April per Verordnung eine Teilnahmepflicht für die intensivbettenführenden Krankenhäuser besteht. In der "Länder-Tabelle" werden gegenwärtig (13.05.2020, 17:00 Uhr) 1.393 intensivmedizinische COVID-19-Behandlungsfälle für das gesamte Bundesgebiet ausgewiesen. Über zwei Drittel der Patienten werden beatmet (945 bzw. 67,8%), wobei die Spanne je nach Bundesland von 20% (1 von 5 Patienten in Mecklenburg-Vorpommern) bis 84% (80 von 95 Patienten in Berlin) reicht. Die Zahl der betreibbaren Intensivbetten beträgt 32.702, davon sind 20.493 aktuell belegt.

Abkürzungen:
DIVI = Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e. V.
MB = Marburger Bund

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