Keine Angst vor dem Centaur

Sofortprogramm Saubere Luft +++ DGIM 2019: Digitale Medizin +++ Experteninterview zur COPD: Heute probieren wir mal ein anderes Beitragsformat: Mini-Kurzbeiträge zu aus unserer Sicht relevanten, interessanten oder auch mal nur unterhaltsamen Neuigkeiten, über die wir bei der Blogrecherche so gestolpert sind. Kommentare dazu (und natürlich zu den Inhalten) sind wie immer gerne willkommen.

Sofortprogramm Saubere Luft +++ DGIM 2019: Digitale Medizin +++ Experteninterview zur COPD

Heute probieren wir mal ein anderes Beitragsformat: Mini-Kurzbeiträge zu aus unserer Sicht relevanten, interessanten oder auch mal nur unterhaltsamen Neuigkeiten, über die wir bei der Blogrecherche so gestolpert sind. Kommentare dazu (und natürlich zu den Inhalten) sind wie immer gerne willkommen.

"Sofortprogramm Saubere Luft": Gut Ding will Weile haben

Wir starten mit dem Grenzwerte-Thema, das beim ein oder anderen Leser offenbar zuverlässig Brechreiz auszulösen vermag. Eigentlich haben wir es mit dem letzten Beitrag in diesem Blog fürs Erste abgehakt, einen kleinen Nachschlag gibt’s aber noch: Stell Dir vor, es gibt Geld und keiner holt‘s ab. In unserer geldfixierten Gesellschaft eigentlich kaum vorstellbar, wenn es um Fördermittel geht, aber gar nicht so selten. Denn die sind meistens nur mit einem gewissen bürokratischen Aufwand zu haben.

So auch beim milliardenschweren "Sofortprogramm Saubere Luft", in dessen Topf sich mittlerweile 1,5 Milliarden Euro befinden. Davon stammen 250 Millionen von deutschen Autobauern und der Rest vom Bund, also wohl vor allem von deutschen Steuerzahlern. Abgerufen wurden laut Bundesregierung bisher nur 15,6 Millionen, gute 748 Millionen sind immerhin schon mal verplant, wie das Ärzteblatt berichtet. Von dem Geld können sich Kommunen digitale Systeme zur stauvermeidenden Verkehrsleitung, die Nachrüstung von Dieselbussen oder die Anschaffung elektrischer Busse fördern lassen. Aber erst nach Abschluss des Projekts und Rechnungsvorlage. Das kann also noch dauern …

DGIM 2019: Digitale Medizin mit 3 "V"s, 4 "P"s und Centaur

Falls Sie nicht dort waren: Wo ist gerade der diesjährige Internistenkongress zu Ende gegangen? Wieder im angestammten Wiesbaden, wohin die Veranstaltung nach vier Jahren der Auswärtspräsenz in Mannheim zurückkehrte. Die 125. Jahrestagung der DGIM fand im neu eröffneten RheinMain CongressCenter statt. Die Leitung hatte zum Ende seines Amtsjahres als DGIM-Vorsitzender 2018/19 der Marburger Pneumologe und frühere DGP-Präsident Prof. Claus Franz Vogelmeier inne.

Im mobilen Interview (on the road) äußert er sich kurz und knapp zum Kongress-Leitthema "Digitale Medizin – Chancen, Risiken, Perspektiven". Ausführlicher hat der Kongresspräsident seine Gedanken zu diesem, uns alle betreffenden Thema in seiner Eröffnungsrede formuliert. Im redaktionell gefassten Redemanuskript sticht als pneumologischer Bezug die Zwischenüberschrift "KI übertrifft Lungenärzte – leider" ins Auge. Der von Vogelmeier zitierten Studie hatten wir uns schon in den Anfängen dieses Blogs im Beitrag Verbessert künstliche Intelligenz die pneumologische Diagnose? gewidmet.

Dafür ist nach der Rede-Lektüre jetzt unsere Kenntnis der drei Vs und vier Ps gefestigt, auf die es in der schönen neuen Digitalwelt besonders ankommen wird: Volume, Velocity und Variety als gemeinsame Kennzeichen von "Big Data" sowie Predict, Prevent, Personalized und Participate als Kriterien der künftigen P4-Medizin. Sehr spannend auch der – durch intensive Eigenrecherche verifizierte – Begriff "Zentaur" bzw. "Centaur". Der steht heute (außer bei Harry Potter) nicht mehr für die Mischung aus Mensch und Pferd, sondern für die hybride Intelligenz der Mensch-Computer-Kombination. Das Centaur-Modell befeuerte ursprünglich die Entwicklung des Freistil-Schachs und wird in näherer Zukunft wohl auch seinen Einfluss auf die Umgestaltung der Arbeitswelt geltend machen.   

Sorgen müssen wir uns um unseren ärztlichen Job trotzdem nicht. Zumindest dann nicht, wenn wir ihn menschlich, also mit Empathie, Intuition und Kreativität betreiben statt maschinell. Letzteres können die Maschinen definitiv besser als wir.

Aufgeschnappt: Experteninterview beim DGP-Kongress

Damit springen wir nach dem digitalen Höhenflug in die Niederungen der Praxis, bleiben aber noch beim Experten Vogelmeier (purer Zufall). Im Kurzinterview äußerte sich der Uniklinikdirektor im Rahmen des diesjährigen DGP-Kongresses zu neuen Daten aus dem COSYCONET-Verbund, als dessen Sprecher er fungiert. Vogelmeier freut sich, dass das Projekt mit initial fast 3.000 COPD-Patienten und einem Schwerpunkt auf Komorbiditäten, insbesondere des Herz-Kreislauf-Systems, "so schön gewachsen" ist, und hebt aus den jetzt vorliegenden Daten des dreijährigen Follow-ups drei spannende Punkte hervor:

COPD-Tripeltherapie: ICS absetzen?

Außerdem geht es im Interview auch noch um die aktuelle Evidenz zur Deeskalation der COPD-Therapie, womit sich die u. a. ältere Studie WISDOM und die neuere Studie SUNSET beschäftigten. Vogelmeier sieht nach genauerer Datenanalyse bei beiden Studien trotz sehr unterschiedlicher Designs sehr ähnliche Resultate: "Eine höhere Eosinophilenzahl im peripheren Blut (> 300/µl) ist mit einem signifikant gesteigerten Exazerbationsrisiko verbunden, wenn man die ICS-Therapie rausnimmt." Sprich: Das Absetzen von ICS sollte man sich bei gut eingestellten Patienten mit relativ hohen Eosinophilen-Werten "sehr gut überlegen".

 Abkürzungen:
COSYCONET = German COPD and Systemic Consequences – Comorbidities Network
DGIM = Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V.
DGP = Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V.
EKG = Elektrokardiogramm bzw. Elektrokardiografie
ICS = inhalative Kortikosteroide

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