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Was macht der Diabetes in der Lunge?

Wir bleiben nochmal beim Wechselspiel zwischen erhöhtem Blutzucker und pulmonaler Vulnerabilität, das wir in diesem Blog schon öfter thematisiert haben.

Wir bleiben nochmal beim Wechselspiel zwischen erhöhtem Blutzucker und pulmonaler Vulnerabilität, das wir in diesem Blog schon öfter thematisiert haben (Triggern inhalative Kortikosteroide den Diabetes?, Steroid-Therapie bei Pneumonie? Auch bei Diabetes?, CPAP-Therapie verbessert auch die Diabetes-Kontrolle, Führt Asthma bei Kindern zur Fettleibigkeit?).

Klar ist: Der Diabetes mellitus kommt häufig vor und auch viele Lungenpatienten sind von ihm betroffen. Die möglichst gute Einstellung eines gestörten Blutzuckerstoffwechsels ist von mitentscheidender Bedeutung für die Prognose des Atemwegs-Patienten, sei es bei obstruktiver Schlafapnoe (OSA), Pneumonie, Tuberkulose (Tbc) oder nach Lungentransplantation.

Umgekehrt gilt: Wird eine Lungenerkrankung nur unzureichend behandelt, erschwert dies auch die Diabetes-Einstellung.

„Im klinischen Alltag oft noch unbeachtet“

Die Auswirkungen der Stoffwechselentgleisung auf die Lunge sind zwar zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, bleiben „allerdings im klinischen Alltag oft noch unbeachtet“. Das meinen jedenfalls zwei Kliniker – der eine Pneumologe, der andere Diabetologe – in einem Übersichtsbeitrag mit dem Titel „Diabetes und Lunge. Was der Pneumologe wissen sollte“.

Der Artikel ist soeben in der Juli-Ausgabe des Pneumologen erschienen und wir bereiten ihn hier für Sie urlaubsgerecht in Quiz-Form auf. CME-Punkte gibt es zwar keine, vielleicht aber den ein oder anderen brauchbaren Input.

Mehrfachantworten sind möglich, die Lösungen finden Sie unten.

1. Welche der folgenden Angaben gehören zu den Diagnosekriterien der Diabetes-Erkrankung?

  1. HbA1c-Werte > 6,5 % (> 48 mmol/mol)
  2. C-Peptid-Wert basal > 1,5 mg/dl
  3. Nüchtern-Plasmaglukosewert > 126 mg/dl (7,0 mmol)
  4. Gelegenheits-Plasmaglukosewert > 200 mg/dl (11,1 mmol)
  5. Glukose-Ausscheidung im Urin > 50 mg/Tag
  6. 2-h-Wert im venösen Plasma > 200 mg/dl (11,1 mmol) bei einem oralen Glukosetoleranztest (oGTT)

2. Welche Aussagen zur Behandlung mit Glukokortikosteroiden sind richtig?

  1. Prednisolon übt nach 4-6 Stunden die stärkste Wirkung auf den Blutzuckerwert aus. Die Wirkung hält etwa 10-16 Stunden an.
  2. Bei einer Langzeittherapie mit systemischen Steroiden beträgt das Risiko, einen Diabetes zu entwickeln, fast 20%.
  3. Das Ausmaß der Hyperglykämie ist unabhängig von Dauer und Dosierung der Steroide.
  4. Inhalative Kortikosteroide (ICS) haben keine systemischen Auswirkungen.
  5. ICS können dosisabhängig die bestehende Stoffwechsellage moderat verschlechtern.
  6. ICS können dosisabhängig zu einem leichten Anstieg der Inzidenz des Typ-2-Diabetes führen.

3. Welche Aussagen zu Diabetes und Lungentransplantation sind falsch?

  1. Die immunsuppressive Begleittherapie bei einer (Lungen-) Transplantation mindert das Diabetes-Risiko.
  2. Nach einer (Lungen-) Transplantation kommt es aufgrund der immunsuppressiven Begleittherapie relativ häufig zu einer Diabetes-Erkrankung, vor allem beim Einsatz von Tacrolimus.
  3. In diesem Fall (b) ist die Diabetes-Erkrankung mit einer erhöhten Mortalität verbunden.
  4. Eine gute Einstellung des HbA1c-Werts nach einer Lungentransplantation hat keinen Einfluss auf die Prognose.

4. Welche Aussagen zum Diabetes bei zystischer Fibrose (CFRD) sind richtig?

  1. Die Prävalenz des CFRD liegt ab dem 30. Lebensjahr bei über 50%.
  2. Der Beginn der diabetischen Stoffwechsellage ist klinisch nur schwer erkennbar. Die alleinige Bestimmung des HbA1c-Werts ist diagnostisch unzureichend, ab dem 10. Lebensjahr sind jährliche Glukosetoleranztests empfehlenswert.
  3. Im Unterschied zu Patienten ohne CFRD haben Patienten mit CFRD ein niedrigeres Gewicht, eine schlechtere Prognose und eine geringere Überlebenschance auf der Warteliste zur Lungentransplantation.
  4. Nach einer Transplantation erhöht eine Diabetes-Erkrankung das Sterberisiko.
  5. Die Patienten sollten eine Insulintherapie durch verminderte Kalorienzufuhr möglichst lange hinauszögern.
  6. Eine ausreichend hochkalorische, fettreiche Ernährung mit adäquater Pankreasenzym-Substitution und angepassten Kohlenhydrateinheiten wird aus prognostischen Gründen dringend empfohlen.
  7. Durch eine frühzeitige intensivierte Insulintherapie können die Lungenfunktion und die Gewichtssituation verbessert werden.

5. Welche Einflüsse eines Diabetes auf Funktionsparameter der Lunge sind beschrieben worden?

  1. Lungenvolumina: Verminderung der FVC um 6,3 %, FEV1/FVC unverändert
  2. Diffusionskapazität: Verminderung um 5,1 %
  3. Spiroergometrie: Einschränkung VO2max
  4. Atemmuskulatur: verminderte Kraft
  5. bronchiale Innervation: verminderte Metacholin-Reagibilität
  6. Husten: verminderter Hustenreflex
  7. Schlaf: OSA bei 29-86 % der Patienten (also eher recht häufig …)

6. Was sind mögliche Ursachen der pulmonalen Funktionseinschränkung bei Diabetes-Patienten?

  1. autonome Neuropathie
  2. Mikroangiopathie der alveolären Kapillaren mit endothelialer Dysfunktion
  3. chronische Inflammation
  4. hyperglykämiebedingte Änderung der pulmonalen Kollagenstruktur
  5. weder noch

7. Welche Aussagen zur Lungenfunktion bei Diabetes-Patienten sind nicht richtig?

  1. Die genannten Veränderungen führen nur zu einer geringgradigen Verschlechterung der funktionellen Reserve. Langfristig kann allerdings eine subklinische Dysfunktion daraus resultieren.
  2. Eine leichte Abnahme der Vitalkapazität kann bereits mehrere Jahre vor Stellung der Diabetes-Diagnose nachweisbar sein.
  3. Histologisch findet sich eine epitheliale und endotheliale Verdickung der Basalmembran.
  4. Die Abnahme der forcierten Vitalkapazität (FVC) ist zu Beginn der Diabetes-Erkrankung am stärksten.
  5. Der Diabetes führt zu einer beschleunigten altersbedingten Abnahme der Lungenfunktion.
  6. In Kombination mit anderen Stressoren, die den Sauerstoffumsatz ungünstig beeinflussen, ergibt sich ein erhöhtes Risiko für Komplikationen durch andere Erkrankungen wie Pneumonie, Lungenödem oder Lungenembolie.

8. Welche Aussagen zum körperlichen Training sind richtig?

  1. Die positive Auswirkung des Trainings auf die Lungenfunktion ist durch umfangreiche Evidenz belegt.
  2. Dosiertes körperliches Training wird viel zu selten umgesetzt, obwohl sein hoher Stellenwert im Behandlungsmanagement bei fast allen chronischen Erkrankungen gut dokumentiert ist.
  3. Trainingsstudien mit Diabetes-Patienten zeigten günstige Auswirkungen auf die Blutzuckereinstellung sowie eine Zunahme der maximalen Sauerstoffaufnahme.
  4. Bei Durchführung einer 30-minütigen Übung dreimal pro Woche wurde eine Zunahme von FVC und FEV1 beobachtet.

Die zweite Tranche an Fragen folgt im nächsten Beitrag.

Referenz:
Wilkens H, Leser D. Diabetes und Lunge. Was der Pneumologe wissen sollte. Pneumologe 2017;14(4):219-27.
Abkürzungen:
FEV1 = forcierte Einsekundenkapazität
FDG-PET = Fluorodeoxyglukose-Positronenemissionstomographie
FVC = forcierte Vitalkapazität

Antworten:
1: a, c, d, f
2: a, b, e, f
3: a, d
4: a-c, f, g
5: a-g
6: a-d
7: d, e
8: b-d