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Die GroKo steht – Durchbruch für die Diabetologie?

Na endlich: Die GroKo steht, zur Erleichterung aller, die von ihr profitieren wollen. Nach Ansicht der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe könnte auch die Diabetologie zu den Profiteuren in der neuen Legislaturperiode zählen.

Na endlich: Die GroKo steht, zur Erleichterung aller, die von ihr profitieren wollen. Nach Ansicht der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe könnte auch die Diabetologie zu den Profiteuren in der neuen Legislaturperiode zählen.

"Das ist ein entscheidender Durchbruch – und eine neue Dynamik auch für die Diabetologie in Deutschland!", wird DDG-Präsident Prof. Dirk Müller-Wieland in einer Pressemitteilung beider Organisationen zitiert. Und diabetesDE-Chef Dr. Jens Kröger frohlockt: "Wir kämpfen nun schon so viele Jahre für die Umsetzung eines Nationalen Diabetesplans und bewerten die Ankündigung einer Nationalen Diabetes-Strategie im jetzigen Entwurf des Koalitionsvertrages als ersten Schritt positiv".

Erwähnung der "nationalen Diabetesstrategie" in Zeile 4563

Tatsächlich findet sich in Zeile 4563 (von 8377) des Koalitionsvertrags ein solcher Hinweis. Es ist auch die einzige Stelle, an der das Wort "Diabetes" in dem Papier vorkommt. Sie können sich das Dokument bei Bedarf als PDF herunterladen, entweder vom CDU-Server oder vom SPD-Server. Der betreffende Absatz lautet jedenfalls:

"Wir wollen gezielt Volkskrankheiten wie Krebs, Demenz oder psychische Störungen bekämpfen. Dabei betonen wir die nationale Diabetesstrategie. Wir werden die Disease-Management-Programme weiter stärken, insbesondere durch eine Umsetzung der Programme für Rückenschmerz und Depressionen."

So, jetzt haben Sie das auch mal im Original gelesen und können sich Ihr eigenes Urteil über die prächtigen Aussichten der Diabetologie in den kommenden Jahren bilden. Natürlich stehen auf den gut sieben Seiten zur Gesundheit und an anderer Stelle im Koalitionsvertrag noch ein paar weitere erfreuliche Dinge, auf die DDG und diabetesDE hinweisen:

Pharma- und Diagnosticaindustrie hatten sich im vergangenen Jahr übrigens auch für eine nationale Diabetesstrategie eingesetzt.

G-BA-Abteilungsleiter ruft zur "Befriedung" der Fachwelt auf

Also alles prima? Nicht unbedingt. Nach Ansicht von Thomas Müller bzw. seiner Wortwahl nach zu schließen, herrscht sogar Krieg in der diabetologischen Fachwelt. Bei dem Mann handelt es sich natürlich nicht um den wiedererstarkten Fußballer vom FC Bayern, sondern um den Leiter der Abteilung Arzneimittel des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).

Das dänische Pharmaunternehmen Novo Nordisk lud den Bürokraten vor kurzem zum dritten Symposion Diabetes 2030 in die Dänische Botschaft in Berlin ein. Letztes Jahr wurden beim zweiten Symposion u.a. die hohe Diabetes-Mortalität und das fehlende bundesweite Register thematisiert.

Müller nutzte das Podium, um einen Dialog der Akteure mit dem Ziel der „Befriedung“ anzumahnen. Dabei geht es um die fortwährende Kontroverse zur medikamentösen Therapie vor allem des Typ-2-Diabetes. Als Kontrahenten stehen sich hier gegenüber: die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit auf der einen Seite und die DDG auf der anderen. Die Diabetologen-Fachgesellschaft erhält dabei Unterstützung von der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.

Mangelnder Konsens behindert die patientengerechte Nutzenbewertung

In der Nationalen Versorgungs-Leitlinie wird aus den differenten Positionen kein Hehl gemacht: Mit jeweils eigenen Textblöcken grenzen sich das DEGAM/AkdÄ- und das DDG/DGIM-Lager in ihren Empfehlungen voneinander ab. In einem Blog-Beitrag (Patientenzentrierte Diabetes-Therapie: gut statt günstig) haben wir dieses eher ungewöhnliche Vorgehen vor etwa einem Dreivierteljahr kritisch beleuchtet. Müller bezeichnete die spezielle konfrontative Konstellation als „einzigartig in der Medizin“.

Na und, könnte man fragen, wo liegt das Problem? Antwort: Nicht in der transparenten Darstellung von Meinungsunterschieden, die man sich andernorts durchaus wünschen würde. Sondern darin, dass der fehlende Konsens in der medizinischen Fachwelt den versorgungspolitischen Entscheidungsprozess etwa bei der Nutzenbewertung behindert. An hoch emotional geführte Auseinandersetzungen unter dem damaligen IQWiG-Chef Prof. Peter Sawicki können wir uns noch gut erinnern. Wie Müller ausführte, hat sich diese atmosphärische Schieflage bei den Anhörungen im Kontext der frühen Nutzenbewertung fortgesetzt.

Evidenz aus langlaufenden Outcome-Studien soll berücksichtigt werden

Deshalb ist ein einvernehmlicher Dialog und fachlicher Konsens über Grenzwerte für therapeutisches Eingreifen, Minimal- und Maximalbehandlung und die Therapie von Risikofaktoren dringend notwendig. Die Erkenntnisse aus den langlaufenden Outcome-Studien, die die Europäische Arzneimittelagentur EMA diesbezüglich initiiert hat, werden bei neuerlichen Nutzenbewertungen auf jeden Fall berücksichtigt werden, so Müller. Dem G-BA liegen schon einige Anträge dafür vor.

Natürlich wäre es auch nicht verkehrt, wenn die bereits existierende Evidenz von den Entscheidungsgremien verstärkt zur Kenntnis genommen würde. Die kurz- bis mittelfristig steigenden Ausgaben beim vermehrten Einsatz innovativer Medikamente dürften langfristig durch sinkende Folgekosten mehr als wettgemacht werden (nur liegt das leider jenseits des Planungshorizonts der Krankenkassen). Vom Patientenwohl ganz zu schweigen.

Abkürzungen:
AkdÄ = Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
DDG = Deutsche Diabetes Gesellschaft
DEGAM = Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin
DGIM = Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin
IQWiG = Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit