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Metformin bei Typ-1-Diabetes: erfolgversprechend?

Metformin ist ja nur für die Behandlung von Patienten mit Typ-2-Diabetes zugelassen. Der "off label"-Einsatz bei Typ-1-Diabetikern mit Insulinresistenz wird aber immer wieder diskutiert. Stichwort "Doppeldiabetes". Wie Verschreibungsdaten zeigen, wird das Biguanid bei übergewichtigen bis adipösen Patienten mit Typ-1-Diabetes immer häufiger verordnet. Von einer überzeugenden Evidenzgrundlage für diese therapeutische Option kann bisher allerdings noch nicht gesprochen werden.

Wie heißt die interessanteste Ärzte-Community im Netz? Natürlich esanum. Beweis? Sonst wären Sie ja wohl jetzt nicht hier und wir auch nicht … Dass wir mit einer kleinen Affirmation anfangen, hat seinen Grund: esanum rüstet auf und das vor allem mit hochwertigen Inhalten. Dazu zählt jetzt auch ein eigener Journal Club für die Diabetes-Community.

Da schauen wir doch gleich mal rein und finden ein spannendes Studienreferat zum Thema Metformin bei schlecht eingestelltem Typ-1-Diabetes.

Metformin im Off-Label-Einsatz

Metformin ist ja nur für die Behandlung von Patienten mit Typ-2-Diabetes zugelassen. Der "off label"-Einsatz bei Typ-1-Diabetikern mit Insulinresistenz wird aber immer wieder diskutiert. Stichwort "Doppeldiabetes". Wie Verschreibungsdaten zeigen, wird das Biguanid bei übergewichtigen bis adipösen Patienten mit Typ-1-Diabetes immer häufiger verordnet. Von einer überzeugenden Evidenzgrundlage für diese therapeutische Option kann bisher allerdings noch nicht gesprochen werden.

Retrospektive Analyse ermittelt positive Aspekte

Türkische Kliniker steuern nun eine retrospektive Analyse bei, die positive Aspekte einer zusätzlichen Metformin-Gabe im Vergleich zur alleinigen Insulin-Therapie nach 12-monatiger Behandlungsdauer zeigt: Rückgang des Patientenanteils mit metabolischem Syndrom (sprich Insulinresistenz), geringerer mittlerer Insulinbedarf und niedrigere Blutzuckerwerte nüchtern sowie postprandial – unabhängig von Veränderungen des Lipidprofils oder des Körpergewichts.

Die HbA1c-Werte nahmen in der Insulin-Metformin-Gruppe etwas stärker ab, allerdings nicht signifikant. Anders als unter Insulin allein stieg das durchschnittliche Körpergewicht nicht an und die Blutdruckzunahme fiel geringer aus.

Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 29 Jahre, die mittlere Erkrankungsdauer 12 Jahre. Die Fallzahl war mit je 29 Patienten pro Gruppe recht überschaubar. Zur gesicherten Einschätzung der langfristigen Effekte einer adjuvanten Metformin-Therapie bei Typ-1-Diabetikern mit schlechter Blutzuckerkontrolle und hohem Insulinbedarf bräuchte es größere kontrollierte Studien.

Prospektive Studien (bisher) ohne überzeugende Ergebnisse

Moment – gab es da nicht schon eine? Doch, die im letzten Jahr publizierte REMOVAL-Studie1. An ihr nahmen 428 Patienten mit Typ-1-Diabetes aus 23 Zentren in Großbritannien, Australien, Kanada, Dänemark und Holland teil. Sie wiesen mindestens drei von zehn spezifischen kardiovaskulären Risikofaktoren auf. Die Reduktion des Herz-Kreislauf-Risikos durch Metformin stand im Fokus der Untersuchung.

Die Ergebnisse waren allerdings insgesamt enttäuschend. Innerhalb von drei Jahren konnte durch zusätzliches Metformin die Atherosklerose-Progression (Parameter: mittlere Intima-Media-Dicke) nicht signifikant gebremst werden. Hinsichtlich Endothel­funk­tion, Retinopathie und Insulinbedarf waren keine Verbesserungen zu beobachten. Positiv zu vermerken waren immerhin eine Abnahme des Körpergewichts (-1,2 kg), eine leichte Senkung des LDL-Cholesterins (-0,13 mmol/l) und eine leichte Steigerung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (+4,0 ml/min/1,73m2).

Auch eine amerikanische Studie2 mit 140 übergewichtigen Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes konnte im Beobachtungszeitraum von einem halben Jahr letztlich keine Vorteile einer zusätzlichen Metformin-Therapie nachweisen.

Von einem individuellen Therapieversuch muss man sich dadurch nicht abschrecken lassen. Das Risikoprofil von Metformin ist ja vergleichsweise günstig. Zuviel versprechen sollte man sich davon aber auch nicht, weder als Arzt noch als Patient. Vor allem nicht auf Kosten von Lifestyle-Maßnahmen wie gesunder Ernährung und gezieltem körperlichen Training.

Referenzen:
1. Petrie JR et al. Cardiovascular and metabolic effects of metformin in patients with type 1 diabetes (REMOVAL): a double-blind, randomised, placebo-controlled trial. Lancet Diabetes Endocrinol 2017;5(8):597-609
2. Libman IM et al. Effect of Metformin Added to Insulin on Glycemic Control Among Overweight/Obese Adolescents With Type 1 Diabetes: A Randomized Clinical Trial. JAMA 2015;314(21):2241-50