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Senkt Kaffee die Mortalität bei Diabetes-Patientinnen?

Weniger Todesfälle bei Diabetes und vermehrtem Kaffeekonsum: Diese Assoziation hat eine Beobachtungsstudie ermittelt, allerdings nur für Frauen.

Starten Sie, wie viele Kollegen, mit einer Tasse Kaffee in den Tag? Und was raten Sie Ihren Patientinnen und Patienten zum Umgang mit diesem nicht gerade unumstrittenen Stimulans? Aus Lissabon erreicht uns dazu vom diesjährigen EASD-Kongress eine spannende Nachricht: Kaffeetrinken führt bei Diabetes-Patientinnen möglicherweise zu Überlebensvorteilen.

Portugiesische Analyse von US-amerikanischen Erhebungsdaten

Vorgestellt hat die Daten der Nachwuchsendokrinologe João Sérgio Neves von der Universität Porto. Er und weitere Kollegen aus verschiedenen portugiesischen Institutionen werteten für ihre Beobachtungsstudie NHANES-Daten aus. Die „National Health and Nutrition Examination Survey“ erfasst seit 1971 den Gesundheits- und Ernährungszustand einer für die US-amerikanische Bevölkerung repräsentativen Stichprobe. In die beim EASD vorgestellte Analyse wurden über 3.000 Männer und Frauen mit Diabetes einbezogen. Untersucht wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen der berichteten Koffeinaufnahme aus Kaffee, Tee bzw. Softdrinks und der Mortalität im Beobachtungszeitraum 1999-2010.

In den 11 Jahren starben etwas mehr als 600 Personen. Anders als bei den Männern fand sich unter den Frauen eine inverse Assoziation mit deutlicher statistischer Signifikanz (p = 0,002). Gegenüber den Patientinnen ohne Koffeinkonsum ermittelten die Studienautoren in Abhängigkeit von der täglichen Koffeindosis folgende Minderungen des Sterberisikos gemäß Hazard Ratio:

Der Zusammenhang erwies sich als unabhängig von möglichen Einflussfaktoren wie Alter, Rasse, Bildungsstand, jährlichem Familieneinkommen, Rauchen, BMI, Alkoholkonsum, hohem Blutdruck oder diabetischer Nephropathie.

Dosisabhängiger Schutzeffekt: vor allem im Kaffee, wohl auch im Tee, nicht in Softdrinks

Die Quelle des Koffeins spielte für den beobachteten Schutzeffekt eine wichtige Rolle: Der Kaffeekonsum war mit einer verminderten Sterblichkeit jeglicher Ursache und insbesondere aufgrund von kardiovaskulären Erkrankungen assoziiert. Bei Diabetes-Patientinnen, die viel Tee tranken, gab es dagegen 80% weniger krebsbedingte Todesfälle als bei den Koffeinabstinenten. Aufgrund des insgesamt geringen Teekonsums in der Kohorte ist dieses Ergebnis allerdings mit Vorsicht und als rein explorativ zu betrachten. Die Softdrinks wiesen keinen lebensverlängernden Schutzeffekt auf. 

Wie die Autoren selbst zugeben, liefert ihre Beobachtungsstudie natürlich keinen Beweis, sondern lediglich einen Hinweis für einen Schutzeffekt von koffeinhaltigem Kaffee (und Tee) bei Diabetikerinnen. Für eine entsprechende Empfehlung oder gar Kaffee auf Rezept reicht das natürlich nicht. Dass der Analyse zufolge nur für Frauen vom Kaffeegenuss im Hinblick auf das Sterberisiko profitieren sollen, erscheint etwas merkwürdig. Eventuell könnten hier genderspezifische hormonelle bzw. neurohumorale Regulationsmechanismen eine Rolle spielen.

Vielleicht beruhen die beobachteten Assoziationen ja auch auf anderen Substanzen im Kaffee oder sogar auf ganz anderen Eigenschaften von Kaffeetrinkerinnen. Wer weiß.

Es gibt bereits etliche Studien zum Kaffee und seinen gesundheitlichen Auswirkungen, darunter auch einige, die sich spezifisch mit dem Einfluss des Genussmittels auf den Diabetes beschäftigen – mit teilweise widersprüchlichen Ergebnissen. Epidemiologische Studien mit großen Teilnehmerzahlen weisen – für Männer und Frauen – auf ein Potenzial des (vermehrten) Kaffekonsums zur Diabetes-Prävention hin, auch unabhängig vom Koffein.

Kaffee: ein psychotropes Genussmittel mit komplexem Wirkspektrum

Gerade an Beobachtungsstudien erscheint, abgesehen von der fraglichen Kausalität, der breite Interpretationsspielraum mitunter problematisch. Ein Teil der Widersprüche ist allerdings auch durch die unterschiedlichen Wirkungen der verschiedenen Wirkstoffe im Kaffee bedingt. Koffein wirkt sich in höherer Dosis offenbar positiv auf den Blutzucker aus, verschlechtert aber die Insulinsensitivität.

Neben dem Koffein selbst können diverse sekundäre Pflanzenstoffe wie etwa Alkaloide und Polyphenole in den Zuckerstoffwechsel eingreifen.  Aus dem Tierexperiment ist beispielsweise bekannt, dass Chlorogensäure die Glukose-Resorption aus dem Darm verzögern kann. Trigonellin senkt möglicherweise den Blutzuckerspiegel und Quinide, die sich ebenfalls in der Kaffeebohne finden, können anscheinend die Insulinempfindlichkeit verbessern.

Wir wollen das jetzt nicht weiter vertiefen. Für die Praxis heißt es wohl nach wie vor: Mit dem Kaffeetrinken muss man bzw. frau nicht anfangen, es gibt genügend andere, besser evaluierte Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. Wem das schwarze Gold allerdings schmeckt, der/die kann dabei bleiben, auch mit Diabetes. Aber bitte nicht mit künstlichem Süßstoff! Auch dazu gibt es eine interessante Neuigkeit vom EASD-Kongress – mehr im nächsten Beitrag.

Abkürzungen: EASD = European Association for the Study of Diabetes