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Wird der HbA1c-Wert zu selten gemessen?

Offenbar wird der HbA1c-Wert in Deutschland nicht so häufig gemessen, wie er sollte. Das ist das Ergebnis einer Analyse von Angaben aus über 500 Allgemeinarzt- und Diabetologen-Praxen.

Offenbar wird der HbA1c-Wert in Deutschland nicht so häufig gemessen, wie er sollte. Das ist das Ergebnis einer Analyse von Angaben aus über 500 Allgemeinarzt- und Diabetologen-Praxen.

HbA1c-Messung: am besten vierteljährlich

Der HbA1c-Wert sollte nach Lehrbuch einmal im Quartal bestimmt werden, nach den DMP-Richtlinien wenigstens zweimal im Jahr. Und in der Praxisrealität? Wie oft messen die Kollegen bei ihren Diabetes-Patienten den HbA1c-Wert und wovon machen sie das abhängig? Wenn Sie diese Frage – zum Beispiel für den Abgleich mit dem eigenen Verhalten – interessant finden, haben wir etwas für Sie: Die Ergebnisse einer Datenbank-Analyse, die sich genau damit beschäftigt hat und kürzlich im Fachjournal Diabetic Medicine publiziert wurde1.

Aktuelle Analyse mit Daten aus über 500 Praxen

Der Erstautor Prof. Karel Kostev arbeitet für das internationale Marktforschungsunternehmen IQVIA, das vielen Lesern unter dem Namen IMS Health irgendwie bekannt sein dürfte. Ein Jahr nach der Fusion mit dem Studiendienstleister Quintiles wurde der Datenkonzern im vergangenen November in IQVIA umbenannt. Nach eigenen Angaben verfügt das Unternehmen über "die weltweit größte Informationsquelle im Gesundheitsbereich". Das ist praktisch und so konnte für die betreffende Untersuchung – u. a. in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf – auf die firmeneigene Datenbank zurückgegriffen werden.

Dort finden sich Versorgungsdaten von Arztpraxen in Deutschland. Die Autoren berücksichtigten bei ihrer repräsentativen Auswahl 557 Allgemeinarzt- und Diabetologen-Praxen. Es wurden die im Jahr 2016 gelieferten Daten von über 43.000 Patienten mit diagnostiziertem Typ-2-Diabetes analysiert. Ziel war es, Faktoren zu identifizieren, die die Wahrscheinlichkeit einer mindestens zweimaligen Testung des HbA1c-Werts innerhalb eines Jahres beeinflussten. Diabetologen steuerten fast ein Viertel (23%) der Angaben bei.

Zum Abgleich mit der eigenen Praxissituation folgen nun die Ergebnisse der statistischen Analyse.

Patienten-Klientel, HbA1c-Werte und Insulin-Therapie:

Berichtete Häufigkeit der HbA1c-Messung:

Die Erkenntnisse aus der Studie:

Hohe HbA1c-Werte sind Ausdruck einer mangelnden Diabetes-Kontrolle, bei der es dann auch mit den Begleitmessungen nicht gut klappt. Das wäre nachvollziehbar. Aber warum wird der HbA1c bei Schlaganfall-Patienten seltener gemessen? Die Autoren mutmaßen, dass dies an einer eingeschränkten Mobilität der Betroffenen liegen könnte.

Außerdem weisen sie darauf hin, dass auch bei Diabetes-Patienten mit HbA1c < 7,5% und ohne Insulin-Bedarf eine weitere HbA1c-Messung im Jahr nicht als überflüssig betrachtet werden sollte. Die Evidenz spricht für die vierteljährliche Überprüfung zugunsten einer verbesserten Diabetes-Kontrolle.

Fazit

Bei der regelmäßigen HbA1c-Messung ist in deutschen Praxen noch Luft nach oben. Klar – auch die Bedeutung des HbA1c-Werts ist immer im individuellen Kontext einzuordnen. Und nicht jeder Patient kommt so regelmäßig in der Praxis vorbei, wie er sollte. Es möchte sich auch nicht jeder messen lassen, obwohl das angebracht wäre. Eine verständliche Aufklärung kann da vielleicht helfen, zwingen kann man aber niemanden.

Nichtsdestotrotz: Der HbA1c-Wert fungiert auch als ein Indikator und Motivator für ein gutes  Diabetesmanagement und sollte eine angemessene Aktualität aufweisen. Dafür muss er regelmäßig gemessen werden und das nicht nur jährlich.

Referenz:
Kostev K et al. Low annual frequency of HbA1c testing in people with Type 2 diabetes in primary care practices in Germany. Diabet Med 2018;35(2):249-54.