Highlights vom AAIC 2019 (Teil 2): Realisierbare Empfehlungen, die allen ein gesünderes Leben ermöglichen könnten

In Abwesenheit krankheitsmodifizierender Therapien für M. Alzheimer galt Studien zur Prävention mit sehr hoffnungsvollen Ergebnissen die größte Aufmerksamkeit.

In Abwesenheit krankheitsmodifizierender Therapien für M. Alzheimer galt Studien zur Prävention mit sehr hoffnungsvollen Ergebnissen die größte Aufmerksamkeit.

Wir setzen unseren letzten Beitrag mit drei weiteren, bei der Alzheimer's Association International Conference (AAIC) präsentierten Studien fort, die zeigen, dass Prävention machbar ist und dass vergleichsweise einfache Maßnahmen einen erheblichen Unterschied bedeuten können.

Rauchen im frühen und mittleren Erwachsenenalter kann die kognitive Funktion bereits ab der Lebensmitte reduzieren

Gründe, nicht zu rauchen, sind zahlreich und die Beweislage dicht, doch wenige Arbeiten haben bislang untersucht, wie sich Rauchgewohnheiten über die Lebensspanne hinweg auf die spätere kognitive Fitness auswirken.

Daten von 3.364 Erwachsenen aus der 'Coronary Artery Risk Development in Young Adults study', die für 25 Jahre nachbeobachtet wurden, machen vor allem eines deutlich: die Auswirkungen beginnen früher, als wir bisher dachten.
Kognitive Einschränkungen waren bei Rauchern teils bereits in ihren 40ern zu beobachten. Starke Raucher hatten eine etwa doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit für kognitive Beeinträchtigungen (1,5 bis 2,2), während Aufhörer und stabile "Selten-Raucher" kein erhöhtes Risiko hatten. Jedoch ging die kumulative Exposition von Rauchern mit mehr als 10 py mit schlechter kognitiver Funktion einher.1

Alkoholmissbrauch verdreifacht Demenzrisiko bei weiblichen Veteranen

In diesem Artikel hatten wir über eine große Studie berichtet, die zu dem Schluss kam, dass Alkoholabusus der größte Risikofaktor für Demenz ist. Er ist auch die häufigste Art von Substanzmissbrauch unter Angehörigen des Militärs und wird gerade unter Frauen zunehmend zur Epidemie. In Deutschland sind etwa 3,5 Mio. Erwachsene betroffen.2 Laut Daten des Statistischen Bundesamtes waren psychische oder verhaltensbezogene Störungen durch Alkohol im Jahr 2017 die zweithäufigste Hauptdiagnose in Krankenhäusern.

Eine beim Kongress präsentierte Untersuchung an 2.207 weiblichen Veteranen mit und 2.207 Veteranen ohne Alkoholmissbrauch unterstreicht die Wichtigkeit einer Evaluation des Alkoholkonsums für die Einschätzung des Demenzrisikos. Die Veteranen waren über 55 Jahre alt und litten zum Ausgangszeitpunkt nicht an Demenz. Nach einer Nachbeobachtungszeit von nur 3,6 Jahren hatten 4% der Veteranen mit Alkoholabusus eine Demenz entwickelt, gegenüber 1% bei denjenigen ohne. Nach Korrektur für demographische Faktoren, psychiatrische Störungen und Komorbiditäten war das Risiko für Alkoholikerinnen noch immer um mehr als das Dreifache erhöht.1

"Kognitive Reserve" senkt das Demenzrisiko für Menschen, die durch Luftverschmutzung gefährdet sind

Hohe Luftschadstoffkonzentrationen und insbesondere hohe Feinstaub-Belastung sind mit höheren Raten von Alzheimer und anderen Demenzen, sowie Hirnatrophie und zerebralen Schäden assoziiert.
Der Begriff "kognitive Reserve" beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, mit nachteiligen Einflüssen auf die Kognition zurechtzukommen. Dies könnte erklären, warum die durch Alzheimer verursachten Schäden nicht bei allen Betroffenen in gleichem Maße zu kognitiven Einschränkungen führen.

Eine kognitive Reserve zu haben – aufgebaut durch formale Bildung und kognitive Stimulation – könnte dem alternden Gehirn hierbei zugutekommen. Ein Team der Universität Südkaliforniens untersuchte 6.113 Frauen zwischen 65 und 79 Jahren aus der 'Women’s Health Initiative Memory Study', die zum Ausgangszeitpunkt keine Demenz hatten. Die Teilnehmer wurden nach kognitiven Funktionsscores, Ausbildungsjahren, Berufsstatus und körperlicher Aktivität in niedrige oder hohe kognitive Reserve eingestuft und die Luftverschmutzung am Wohnort erfasst. In den folgenden 14 Jahren wurden sie jährlich auf Anzeichen für eine demenzielle Entwicklung getestet.
Die Studie bestätigte zum einen, was schon bekannt war: dass die Exposition gegenüber Luftverschmutzung das Demenzrisiko erhöht. Zum anderen modifizierte die kognitive Reserve diesen Zusammenhang: für ältere Frauen mit höherer kognitiver Reserve stieg das Demenzrisiko durch das Leben in belasteten Regionen um 21% an, während es für Frauen mit niedrigerer Reserve um 113% zunahm.

Diana Younan, PhD, fasst zusammen: "Unsere Studie zeigt, dass die Beschäftigung mit körperlich und geistig anregenden Aktivitäten ein wichtiges Element der kognitiven  Reserve ist, und dass der daraus gezogene Nutzen spät im Leben Schutz gegen Hirnschädigungen durch Exposition gegenüber Luftverschmutzung bieten könnte." 1,3

Referenzen:
1. Lifestyle Interventions Provide Maximum Memory Benefit When Combined, May Offset Elevated Alzheimer’s Risk Due to Genetics, Pollution. AAIC (2016). Available at: //www.alz.org/aaic/releases_2019/sunLIFESTYLE-jul14.asp. (Accessed: 12th August 2019)
2. DHS: Alkohol. Available at: https://www.dhs.de/datenfakten/alkohol.html. (Accessed: 22nd August 2019)
3. AAIC 2019 Highlights New Research Showing Healthy Lifestyle May Offset Environmental and Genetic Risk of Alzheimer’s Disease. AAIC (2016). Available at: //www.alz.org/aaic/releases_2019/AAIC19-Wed-release-NewResearch.asp. (Accessed: 12th August 2019)

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