Antibiotic Stewardships: Infektiologie-Fortbildung für Krankenhaus und Praxis

Was sich im Krankenhaus seinen Weg bahnt, sollte auch für Arztpraxen selbstverständlich werden. Gemeint ist die Initiative der Antibiotic Stewardships (ABS), die für einen rationalen Einsatz von Antiinfektiva steht, denn im ambulanten Sektor werden die meisten Antibiotika verschrieben.

"Rund 85 Prozent aller Antibiotika im Bereich der Humanmedizin werden im ambulanten Sektor verordnet", sagt Professor Mathias Pletz, Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Jena auf der Pressekonferenz des Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin in Köln 2018. Dabei treffe der Arzt seine Entscheidung für oder gegen ein Antibiotikum im Gegensatz zum Krankenhausarzt meist ohne Labor. Ebenso fehle die Möglichkeit, den Patienten in den nächsten 48 Stunden zu überwachen und damit die Wirksamkeit der Therapie zu überprüfen. Diese ist eingeschränkt, wenn Multiresistente Erreger (MRE) beteiligt sind. Bis eine geeignete Therapie erfolgt, kann so wertvolle Zeit verstreichen.

MRE-Erreger teilen sich langsam

Andererseits gilt der Grundsatz, dass Patienten mit MRE-Kolonisation ohne Zeichen einer akuten Infektion nicht mit Antibiotika behandelt werden sollten. "Bei vielen MRE-kolonisierten Patienten verdrängt die körpereigene Flora den MRE, wenn der Patient über einen längeren Zeitraum keine Antibiotika einnimmt", begründet Pletz, denn die "biologische Fitness" der resistenten Erreger sei vermindert. Die Zellen teilten sich langsamer: "Während sich etwa die sensible Variante eines MRSA circa alle 20 Minuten teilt, braucht ein MRSA-Stamm dafür fast die doppelte Zeit."

Die Entscheidung, wann welches Antibiotikum geeignet und notwendig ist, bedarf daher sorgfältiger Abwägung. Genau dies hat sich die aus dem Krankenhaus hervorgegangene Initiative der Antibiotic Stewardships (ABS) zur Aufgabe gemacht. In Teams aus eigens hierfür fortgebildeten Ärzten und Apothekern  wird über die geeignete Medikation beraten. Ziel ist es, das bestmögliche Behandlungsergebnis einer Infektionskrankheit bei minimaler Toxizität für den Patienten zu erreichen. Die Bundesärztekammer hat hierzu im November 2017 ein Fortbildungscurriculum herausgegeben, das sich auf die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie "DART 2020" stützt.

Modulares Fortbildungskonzept

Der Grundkurs für ABS-Beauftrage läuft über 40 Unterrichtsstunden (h) und vermittelt Grundlagen der Antiinfektiva, Mikrobiologie und Pharmakologie. ABS-Experten müssen zusätzlich einen Aufbaukurs absolviert haben, der sich aus vier Modulen zusammensetzt: Infektiologie (40 h), ABS (40 h), Projektarbeit (44 h), Kolloquium (20-36 h). Die Kurse werden von der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI), der Akademie für Infektionsmedizin sowie von den Landesärztekammern und der Deutschen Gesellschaft für Hygiene angeboten. Sie richten sich primär an Krankenhausärzte. Wenn die Absolventen zusätzlich das DGI-Zertifikat Infektiologie erwerben möchten, können sie ihre Kursteilnahme anrechnen lassen.

Für ambulant tätige Ärzte bietet die Akademie für Infektionsmedizin eintägige Kurzfortbildungen an, in denen die Grundlagen der ambulant einsetzbaren Antibiotika vermittelt und auf die Anwendung im klinischen Alltag bezogen werden. Die Teilnehmer erhalten sechs Fortbildungspunkte der Kategorie A. Diese können ebenfalls für das DGI-Zertifikat Infektiologie angerechnet werden. Die nächsten Kurse finden am 21. Juli 2018 in Stuttgart und am 25. August 2018 in Leipzig statt.

CME-zertifizierte medizinische Fortbildungen verschiedener Fachbereiche finden Sie im esanum Webinar-Bereich.

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