Was könnte hinter erhöhten kardialen Biomarkern stecken, die nicht zur kardialen Symptomatik passen?

Besteht aufgrund von kardialen Beschwerden und EKG-Auffälligkeiten der Verdacht auf eine chronische Herzinsuffizienz? Aber der NT-proBNP-Wert ist deutlich erhöht und steht in keinem Verhältnis zum Ausprägungsgrad der Symptome? Dann könnte sich eine kardiale Amyloidose dahinter verbergen.<sup>1–4</sup>

Die Bestimmung kardialer Biomarker gehört bei Verdacht auf eine chronische Herzinsuffizienz zur Basisdiagnostik. Sowohl nationale als auch internationale Leitlinien empfehlen deshalb bei Verdacht auf eine chronische Herzinsuffizienz neben der Durchführung eines Elektrokardiogramms (EKG) auch die Bestimmung von Laborparametern, wie zum Beispiel die Bestimmung des NT-proBNP-Wertes.1,5

Der folgende Algorithmus fasst die Diagnostikmaßnahmen zusammen und zeigt u. a. die Maßnahmen auf, die bei Verdacht auf eine chronische Herzinsuffizienz in der hausärztlichen Praxis durchgeführt werden sollten (Abb. 1).1,5


Abb. 1: ESC-Leitlinie zur Herzinsuffizienz: Algorithmus zur Diagnose einer Herzinsuffizienz1

Diese wichtige Rolle der hausärztlichen Praxis im Rahmen der Ursachenabklärung bei Patient:innen mit Herzinsuffizienz wird in diesem kurzen Video nochmals deutlich: Ihre Kollegin Frau Dr. Aisha Rahman teilt ihre Erfahrungen als Hausärztin und unterstreicht den Weitblick, der im Rahmen der Anamnese und Basisdiagnostik bei Patient:innen mit Verdacht auf Herzinsuffizienz ausschlaggebend ist.

Erhöhte kardiale Biomarker als Indiz für die kardiale Amyloidose

Das Brain Natriuretic Peptide (BNP) als Bestandteil der kardialen natriuretischen Peptide wird bei Dehnung des Myokards von den Herzmuskelzellen gebildet. NT-proBNP ist das inaktive N-terminale Fragment des Prohormons proBNP. Der Nachweis von BNP und NT-proBNP im Blut dient als diagnostischer und prognostischer Marker für den Grad einer Herzinsuffizienz. Doch was steckt hinter deutlich erhöhten NT-proBNP-Werten, die in keinem Verhältnis zum Ausprägungsgrad der Herzinsuffizienz-Symptome stehen? Diese Diskrepanz kann ein entscheidendes Indiz für die infiltrative Systemerkrankung namens Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie (ATTR-CM) sein.1–4,6 Die immer noch unterdiagnostizierte Ursache der chronischen Herzinsuffizienz ist unbehandelt mit einer hohen Morbidität und Mortalität assoziiert.7

Deshalb ist Ihr Weitblick in der hausärztlichen Praxis bei diesen Warnsignalen entscheidend:

Dann sollten Sie die Patient:innen umgehend in eine kardiologische Praxis zur weiteren Abklärung überweisen. Dort kann eine Echokardiografie als bildgebende Maßnahme durchgeführt werden. Denn diskordante Befunde in der Echokardiografie und im EKG, wie linksventrikuläre Wandverdickung bei Fehlen von Hypertrophiezeichen im EKG, sind ein weiterer, wichtiger Hinweis für das Vorliegen einer ATTR-CM.1–4,6

Wenn Sie also Patient:innen mit deutlich erhöhten kardialen Biomarkern haben, dann hinterfragen Sie die Ursache und kontrollieren Sie die Werte im weiteren Verlauf. Achten Sie auch auf sprunghafte Anstiege! Diese Patientenkasuistik zeigt eindrucksvoll, wie stark die NT-proBNP-Werte bei einer ATTR-CM erhöht sein können.

Auf einen Blick – kardiale Biomarker bei ATTR-CM1-4

Eine konsequente Anamnese und Diagnostik einschließlich Labordiagnostik sowie eine frühzeitige, interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen der hausärztlichen und kardiologischen Praxis sind für eine bessere Prognose der Patient:innen mit ATTR-CM ausschlaggebend.

Quellen

  1. McDonagh TA et al. Eur Heart J 2021;42(36):3599–3726.
  2. Yilmaz A et al. Clin Res Cardiol 2021;110(4):479–506.
  3. Garcia-Pavia P et al. Eur Heart J 2021;42(16):1554–15682.
  4. Maurer MS et al. Circ Heart Fail 2019;12(9):e006075.
  5. Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz – Langfassung, 3. Auflage. Version 3. 2019. DOI: 10.6101/AZQ/000482. www.leitlinien.de/herzinsuffizienz.
  6. Maurer MS et al. Circulation 2017;135(14):1357–1377.
  7. Grogan M et al. J Am Coll Cardiol 2016;68(10):1014–1020.