Biomes: INTEST.pro-Test streng wissenschaftlich basiert

Seit einem dreiviertel Jahr bietet das Start-up "Biomes" die Untersuchung des Mikrobioms der Darmflora an. Gründer und Geschäftsführer Dr. Paul Hammer erklärt im esanum Interview, was "INTEST.pro" genau ist und warum es auf wissenschaftlicher Grundlage basiert.

Interview mit Dr. Paul Hammer

Seit einem dreiviertel Jahr bietet das Start-up "Biomes" die Untersuchung des Mikrobioms der Darmflora an. Gründer und Geschäftsführer  Dr. Paul Hammer erklärt im esanum-Interview, was „INTEST.pro“ genau ist und warum es auf wissenschaftlicher Grundlage basiert.

esanum: Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) rät davon ab, Stuhltests zur Untersuchung des Mikrobioms zu nutzen. Diesen fehle derzeit die wissenschaftliche Grundlage. Was sagen Sie dazu?

Hammer: In den letzten 20 Jahren sind über 20 000 Studien zum Mikrobiom publiziert worden. Und in den letzten Jahren hat sich die Anzahl der Studien zu diesem Thema fast exponentiell vervielfacht. Wir haben länger als sechs Jahre alle Studien ausgewertet, die weltweit herausgekommen sind. Diese wissenschaftlich validierten Studien haben wir manuell kuratiert und bewertet hinsichtlich des experimentellen Designs und der statistischen Signifikanz. Wir haben nur jene Studien in unsere Datenbank integriert, die signifikante Aussagen treffen. In unserem Dashboard verlinken wir bei jedem einzelnen Interpretationspunkt, den ein Kunde erhält, zur Primärliteratur. Das schafft Transparenz, die dem Arzt, Therapeuten oder Kunden immer die Möglichkeit gibt, selbst auch in die Primärliteratur einzusehen. Man bekommt eine einfache Erläuterung, eine ausführliche Erläuterung, und man hat den Button: weitere Literatur.

esanum: Was genau bieten Sie von BIOMES an?

Hammer: Eine Darmflora-Analyse, die auf der Next-Generation-Sequencing-Methode basiert. Wir gehen dazu in die DNA der Darmbakterien hinein, aus den biologischen Daten machen wir digitale DNA-Daten – und diese interpretieren wir mittels unserer Wissensdatenbank. Zur Verfeinerung dieser Ergebnisse haben wir eine weitere Datenbank mit über 20 000 Mikrobiom-Datensätzen aus öffentlich zugänglichen Forschungsprojekten. Damit ziehen wir zusätzlich zu den allgemeingültigen Referenzbereichen, die wir aus den Studien kennen, passende gesunde Subgruppen zum Vergleich heran. Denn für eine 70-jährige Frau gelten andere Richtwerte, als z.B. für einen 20-jährigen Mann. Unsere Interpretationen sind dadurch genauer.

Wir analysieren die Bereiche: Fähigkeit, bestimmte Nahrungsbestandteile zu verstoffwechseln, Mikroben, die mit stärkeren Problemen assoziiert sind, z.B. Verdauungsbeschwerden, das ist der so genannte Proteo-Index. Das alles zusammen gibt ein Bild zur Darmflora-Balance und Darmflora-Diversität. Wir können Neigungen zur Unerträglichkeit ausweisen. Allerdings sagen wir nicht, dass eine Unverträglichkeit besteht, sondern weisen bestimmte Mikroben nach, die den Körper dabei unterstützen, Gluten, Laktose oder Fructose zu verstoffwechseln. Fehlen diese, ist die Wahrscheinlichkeit für eine erworbene Intoleranz höher. Darüber hinaus treffen wir Aussagen zur Kalorienverwertung, anhand des Verhältnisses Bacteriodetes zu Firmicutes. Die einen lagern mehr Kalorien ein, andere scheiden sie eher aus. Und wir treffen Aussagen zu Bakterien, die Entzündungen hervorrufen oder vermeiden und Vitamine synthetisieren.

esanum: Worin liegt der Nutzen dieser Analyse?

Hammer: Sie gibt Hinweise zur Gewichtskontrolle, zur Immunstärke, Ausgeglichenheit und Balance der Darmflora. Der Kunde erfährt, wie es in diesen Punkten um ihn bestellt ist und bekommt individuelle Handlungsempfehlungen, wie er sich in den einzelnen Punkten verbessern kann. Wenn es zum Beispiel um starke Verdauungsbeschwerden geht, empfehlen wir dem Kunden, was er essen soll, damit es ihm besser geht.  Oder auch, was er essen soll, um kalorieneinlagernde Firmicutes zu verdrängen. Generell erfährt der Kunde, wie er die Darmflora-Diversität erhöhen kann. Denn es ist bewiesen, dass eine größere Darmflora-Diversität Vorteile hat. Es geht also um Handlungsempfehlungen, die helfen, das Wohlbefinden zu steigern.

Wir arbeiten intensiv mit Ernährungsberatern zusammen, sodass wir demnächst individualisierte Ernährungspläne mit dazu geben können, die es noch leichter machen, unseren Tipps zu folgen.

esanum: Wer will das alles wissen? Wer sind Ihre Kunden?

Hammer: Es gibt Kunden, die schon lange Verdauungsprobleme haben oder unter einem Reizdarm leiden. Wir haben aber auch eine ganz junge Zielgruppe, die sich mit Fitnessarmbändern tracken und gern mehr über ihren Körper erfahren wollen. Sie finden es spannend, ihren persönlichen Fingerabdruck in der Darmflora zu kennen. Und dann gibt es Menschen, die nicht abnehmen und nicht wissen, warum das so ist.

esanum: Kritiker sagen, die Mikrobiom-Forschung stehe noch relativ am Anfang. Welche Korrelationen bestehen und wie sie sich im Einzelfall auswirken, sei derzeit noch nicht ausreichend bekannt. Was meinen Sie?

Hammer: Das sehen wir nicht so. Es gibt bestimmte Mikrobenklassen, über die man sehr eindeutige Aussagen treffen kann. Dass die wissenschaftliche Grundlage fehle, scheint doch eine sehr fragwürdige These. Wir haben eine neuartige DNA-basierte Technologie. Wir können damit auch die klassische Darmflora-Analyse mit abbilden. Aber wir bieten mehr, weil wir jede Mikrobe analysieren, da wir tausende Publikationen über das Mikrobiom gesammelt und für Therapeuten und Endkunden aufbereitet haben.

Es gibt natürlich auch Bereiche, über die noch nicht so viele wissenschaftliche Grundlagen existieren. Aber die Forschung geht ja ständig weiter. Wir scannen täglich, was es Neues gibt und übertragen die wesentlichen Neuigkeiten in unsere Datenbank. Wir informieren unsere Kunden über neue Erkenntnisse. Das kostet auch nichts zusätzlich.

esanum: Die bakterielle Zusammensetzung der Darmflora kann individuell höchst unterschiedlich ausfallen und ist Schwankungen unterworfen, etwa durch die Einnahme von Medikamenten oder Reisen. Wie aussagekräftig ist dann Ihre Analyse?

Hammer: Richtig, die Darmflora ist ein sehr dynamisches System. Und wir machen eine Ist-Zustand-Aufnahme, die den Zeitpunkt der Probenentnahme abbildet. Doch es gibt ein Core-Mikrobiom, das sehr stabil ist – das betrifft ca. zwei Drittel des Mikrobioms. Das ändert sich kaum. Und ca. ein Drittel ist relativ dynamisch. Das kann man manipulieren und optimieren. Das ist aber auch das Interessante: Wenn Menschen beispielsweise  Antibiotika genommen haben und es geht ihnen schlecht, können sie jetzt herausfinden, was die Schwachstellen sind, die sie verändern können. Oder nach einer Reise hat sich etwas verändert – und wir finden das heraus, was die klassische Darmflora-Analyse nicht findet.

esanum: Die Kosten für solche Tests werden von den Krankenkassen nicht übernommen. Wie teuer ist Ihr Test?

Hammer: Normalerweise ist so eine Analyse sehr teuer. Unsere Analyse kostet 129 Euro. Damit sind wir der günstigste Anbieter. Wir haben die Prozesse so optimiert, dass wir diesen Preis anbieten können. Wir können das auch deshalb, weil wir auf keinen externen Labordienstleister zurückgreifen, sondern mit der TH Wildau zusammen ein Labor im Haus haben. Wir sind Wissenschaftler, die ein Unternehmen aufgebaut haben. Und keine Unternehmer, die Wissenschaft betreiben. Wir arbeiten daran, die Krankenkassenerstattung zu bekommen. Jetzt schon kommen Ärzte und Labordienstleister zu uns und fragen, ob wir unseren INTEST.pro-Test auch als Diagnose-Verfahren anwenden können. Doch bis dato sind wir kein Medizin-Produkt, obwohl unser Produkt das Potenzial dafür hat. Daher arbeiten wir an den Qualitätsstandards und der Zertifizierung, sodass wir mittelfristig ein Medizin-Produkt anbieten können, das dann auch von Kassen anerkannt werden kann. In Zukunft wird es auch darum gehen, dass wir Pathogene angeben können. Dazu wird allerdings auch ein Arzt einbezogen sein müssen, der die Ergebnisse übermittelt und erklärt.

Weitere Fachbeiträge, Fortbildungen oder Kongressberichterstattung finden Sie im esanum Themenspecial zur Gastroenterologie.

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