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Diabetes im Krankenhaus: neues Positionspapier der DDG

„Insgesamt haben Diabetes-Patienten ein um 50% erhöhtes Risiko, an den Folgen einer Operation zu sterben.“ Dieser Satz sollte aufhorchen lassen. Nicht nur die mediale Öffentlichkeit, an die sich Prof. Baptist Gallwitz (Tübingen) in einer aktuellen Pressemeldung der DDG gewandt hat. Aufhorchen sollten neben den betroffenen Diabetikern natürlich auch wir Ärzte – und besonders die Kollegen in der Klinik.

Mit ihrem gerade veröffentlichten Positionspapier zur Therapie des Diabetes mellitus im Krankenhaus (Download als PDF) will die Fachgesellschaft dazu beitragen, die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Krankenhaus bei Diabetes-Patienten „auf eine nachvollziehbare, geordnete Grundlage zu stellen und die entsprechenden Abläufe zu optimieren und zu erleichtern“.

Das Problem wächst und wächst

Zu diesem Vorstoß bietet natürlich auch die demographische Entwicklung einen Anlass, auf die sich der gegenwärtige DDG-Präsident und sein Vorgänger Prof. Erhard Siegel (Heidelberg) in der Präambel des Positionspapiers beziehen. Demnach kommen jedes Jahr 300.000 neue Diabetes-Diagnosen in Deutschland hinzu. Auch die Zahl der stationären Fälle wächst bekanntlich stetig und liegt mittlerweile bei jährlich 18,5 Millionen. Bei einem Drittel von ihnen vermutet die DDG einen Diabetes als bekannte (oder auch noch unbekannte) Nebendiagnose.

Die besonderen Gefahren für Diabetes-Patienten in stationärer Behandlung sind bekannt. Neben dem Sterberisiko ist auch die Rate an postoperativen Komplikationen bei Diabetikern erhöht, u.a. bedingt durch eine verzögerte Wundheilung und eine gesteigerte Infektionsgefahr. Angesichts einer gehäuften Vorschädigung von Herz und Nieren kommt es öfter zu Durchblutungsstörungen und Thrombosen. Auch die richtige Dosierung der Medikation unter Narkose ist eine Herausforderung.

Diabetes im Krankenaus: Kompetenz-Mangel?

Ein Problem dabei: In vielen Kliniken mangelt es an einer diabetologischen Fachversorgung. Die stationäre Diabetes-Kompetenz sei schlechter geworden, mahnte kürzlich der Diabetologe  Dr. Hans-Martin Reuter (Jena) in seinem Vortrag bei der DDG Herbsttagung in Nürnberg.

Die antidiabetische Therapie stationärer Patienten unterscheidet sich in verschiedener Hinsicht von der Diabetes-Behandlung im ambulanten Umfeld. Die besonderen Begleitumstände im Krankenhaus, der operative Eingriff und die Komorbiditäten erfordern ein flexibles, prospektives und individualisiertes Blutzucker-Management. Für viele hospitalisierte Diabetiker stellt laut DDG-Positionspapier eine vorübergehende Insulin-Therapie statt oraler Antidiabetika die „einzig praktikable Option“ dar.

Insulin-Schemata in der besonderen Klinik-Situation

Die bisherige Evidenz spricht für Korrekturschemata auf der Basis vordefinierter Blutglukose-Zielwerte. Zum Einsatz kommt schnellwirkendes Insulin, ergänzt durch die zusätzliche Gabe von fixen Insulin-Einheiten zu den Hauptmahlzeiten und langwirksamem Insulin zur Deckung des Basalbedarfs. „Nachspritzpläne“ mit schnellwirkendem Korrekturs-Insulin reichen für eine gute glykämische Einstellung dagegen häufig nicht aus.

In einer prospektiven, randomisierten Multicenterstudie erwies sich wiederum eine Basis-Bolus-Therapie gegenüber einem Korrekturschema als vorteilhaft. In der Langzeittherapie führt bei vergleichbareren HbA1c-Werten die einmal tägliche Applikation langwirksamer Insulinanaloga offenbar zu weniger Hypoglykämien als das dreimalige Spritzen kurzwirkender Insuline.

Sind die Patienten für die stationäre Beachtung ihres Diabetes sensibilisiert?

Sofern Sie Ihren Diabetes-Patienten selbst stationär einweisen, haben Sie das im Blick und unter Kontrolle. Schwieriger wird es bei einer Überweisung durch fachärztliche Kollegen, etwa zum Hüftgelenkersatz. So oder so sollten Ihre Patienten sensibilisiert dafür sein, dass bei einem Krankenhausaufenthalt möglicherweise eine Anpassung ihrer Diabetes-Therapie erforderlich ist. Wie das im individuellen Fall genau ausschaut, sollte rechtzeitig vor dem OP-Termin und unter Einbindung des stationären Diabetes-Teams besprochen und abgestimmt werden.

Wenn es denn ein solches Team vor Ort überhaupt gibt, siehe oben. Bei der Krankenhaus-Wahl kann das Zertifikat „Klinik für Diabetespatienten geeignet (DDG)“ helfen – ebenfalls ein Vorstoß der DDG, um die Grundversorgung für Patienten mit der Nebendiagnose Diabetes zu verbessern. Im Jahr 2015 haben sich 22 Einrichtungen zertifizieren lassen, wodurch die Gesamtzahl auf 48 angestiegen ist.

Referenz:

Neues Positionspapier der Deutschen Diabetes Gesellschaft: Wie Diabetespatienten den Klinikaufenthalt ohne Komplikationen überstehen. DDG Pressemeldung vom 21.11.2016.