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Diabetes-Kongress diskutiert: Weniger Fett oder weniger Kohlenhydrate?

Auf der Suche nach der besten Therapie bei Typ-2-Diabetes und Vorstufen

Welche Ernährungsmodelle möglicherweise Vorteile gegenüber anderen haben, diskutieren unter dem Motto "Wissenschaft und klinischer Fortschritt – gemeinsam in die Zukunft" rund 6.000 Ärzte, Wissenschaftler und nichtärztliche Mitglieder des Diabetes-Behandlungsteams vom 9. bis 12. Mai 2018 auf dem Diabetes Kongress in Berlin. Unter anderem stellen Experten neue Studienergebnisse zur Frage "Low Carb oder Low Fat?" vor.

"Ziel des Diabetes Kongresses ist es, den Teilnehmern einen Überblick über die wissenschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Monate und einen Ausblick auf zukünftige Perspektiven zu geben", erklärt Kongresspräsident Univ.-Professor Dr. med. Jochen Seufert aus Freiburg. Einer der Themenschwerpunkte des Kongresses lautet "Der Mensch mit Diabetes im Mittelpunkt – praktische Relevanz neuer Studiendaten – individualisierte Therapiestrategien". "Dieser Aspekt steht in der modernen Diabetestherapie im Vordergrund, denn nicht jede Therapie ist für jeden Patienten geeignet", betont Seufert. Das gilt auch für die Behandlung von Diabetes Typ 2, bei der häufig die Ernährung im Mittelpunkt steht.   

Lange Zeit erschien eine fettreduzierte Ernährungsweise als der bevorzugte Weg. Diese Kostform wurde auch normalgewichtigen Typ-2-Diabetikern empfohlen. Inzwischen sehen Ernährungsexperten in kohlenhydratarmen Ernährungsmodellen Vorteile: Der Verzicht auf Kohlenhydrate soll sich günstiger auf den Blutzucker auswirken. "Bislang wurde dies nur wenig vergleichend untersucht", sagt Dr. med. Stefan Kabisch vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE), das Partner des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung e.V. (DZD) ist. Er ist an zwei derzeit dort laufenden Ernährungs-Interventionsstudien zur diätetischen Prävention beziehungsweise Behandlung des Typ-2-Diabetes beteiligt, die Low-Carb und Low-Fat direkt vergleichen

Besser abnehmen mit Low-Carb anstatt Low-Fat?

An der DiNA-P-Studie ("Diabetes Nutrition Algorithms - Prediabetes") nehmen insgesamt 250 Personen mit Prädiabetes teil. "Die Betroffenen sind oft fettleibig, viele haben auch eine Fettleber, die das Risiko für einen Typ-2-Diabetes weiter erhöht", erläutert Kabisch. An der DiNA-D-Studie ("Diabetes Nutrition Algorithms in Patients With Overt Diabetes Mellitus") werden insgesamt ebenfalls 250 Menschen teilnehmen, die jedoch bereits einen Typ-2-Diabetes entwickelt haben. Kabisch erklärt: "Auch hier geht es um die Frage, wie sich Low-Carb und Low-Fat auf den Blutzuckerspiegel auswirken und wie z.B. die Fettleber darauf reagiert."

Erste Zwischenergebnisse der noch laufenden DiNA-P-Studie liegen bereits vor. "Die bisher publizierten Studien zum low-carb-low-fat-Vergleich sehen eine etwas stärkere Gewichtsreduktion unter low-carb; das können wir aus unserer Erfahrung zumindest bei kurzfristiger Diät bestätigen", berichtet Kabisch. Ähnlich sind die Resultate bei Blutzucker und Blutdruck. Vergleichbar stark scheinen low-carb und low-fat bei der Fettleber. Eine endgültige Bewertung der Diäten sei jedoch erst möglich, wenn DiNA-P abgeschlossen ist und auch die Ergebnisse der DiNA-D-Studie vorliegen, betont der Ernährungsexperte. Kabisch stellt auf dem Diabetes Kongress 2018 erste Detailergebnisse aus beiden Studien vor. 

Der 53. Frühjahrskongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft findet vom 9. bis 12. Mai im CityCube Berlin statt. esanum berichtet exklusiv vor Ort.