Hauterkrankungen fördern die Resistenzproblematik

Bakterielle Infektionen der Haut und des Weichgewebes gehören weltweit zu den häufigsten Infektionen des Menschen. Sie sind in vielen Ländern zudem der zweithäufigste Anlass für die Verordnung von Antibiotika. Dass dies nicht ohne Folgen für die Resistenzsituation bleibt, ist nachvollziehbar.

Breitbandantibiotika zerstören nützliches Haut-Mikrobiom

Bakterielle Infektionen der Haut und des Weichgewebes gehören weltweit zu den häufigsten Infektionen des Menschen. Sie sind in vielen Ländern zudem der zweithäufigste Anlass für die Verordnung von Antibiotika. Dass dies nicht ohne Folgen für die Resistenzsituation bleibt, ist nachvollziehbar.

Mit zunehmendem Lebensalter treten häufiger chronische Wunden auf. Sie sind eine häufige Ursache von bakteriellen Infektionen. Chronische Wunden können sich aus kleinen oberflächlichen Läsionen wie nässendem Hautausschlag (Impetigo) oder Fußpilz, aber auch aus schwerwiegenden Verletzungen der Hautoberfläche entwickeln. Hauptsächlicher Erreger ist das Bakterium Staphylokokkus aureus, der auch ein relevanter Erreger lebensbedrohlicher systemischer Infektionen ist.

Einsatz von Antibiotika bei Hautinfektionen

Da der Staphylokokkus aureus häufig in Haut- und Weichgewebeinfektionen vorkommt, aber auch als kolonisierender Erreger in der Nase, hat das Bakterium mit seiner Resistenz gegen Methizillin (sog. MRSA) und andere Antibiotika eine besondere Bedeutung. Antibiotika sind durch ihre direkte, kurative Wirkung auf die Infektionserreger aus der Behandlung von Hautinfektionen nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig wirken sie jedoch auch gegen andere, "nützliche“ Bakterien des Mikrobioms. "Ein unnötiger Einsatz von Breitbandantibiotika bei Haut- und anderen Infektionen begünstigt das Wachstum resistenter Bakterien in Geweben, die nicht von einer Infektion betroffen sind, beispielsweise im Darm“, so Prof. Dr. Cord Sunderkötter, Direktor der Klinik für Dermatologie und Venerologie am Universitätsklinikum Halle.

Die verordneten Antibiotika sollten daher so gezielt und schmal wie möglich wirken und rechtzeitig, adäquat lang und in ausreichend hoher Dosis eingesetzt werden. Um diesen Forderungen gerecht zu werden, hat die Deutsche Gesellschaft für Dermatologie (DDG) an entsprechenden Leitlinien mitgearbeitet. 

Anstieg der Skabies-Fallzahlen

Die Diagnose Skabies (Krätze) wird in Deutschland in den vergangenen Jahren auffallend häufig gestellt. Auch der Verbrauch an Antiskabiosa ist deutlich gestiegen. Da die Skabies in Deutschland nicht meldepflichtig ist, können diese nicht bewiesen und genau quantifiziert werden.

Die Ausbreitung der Skabies wird in vielen Teilen der Welt durch ein Zusammenleben auf engem Raum bei mangelnden hygienischen Bedingungen begünstigt. In Deutschland sind solche Verhältnisse nur selten anzutreffen, daher müssen hier zusätzliche Gründe vorliegen.

Eine Expertengruppe hat mögliche Ursachen herausgearbeitet, bewiesen ist bislang keine davon. Da Skabies unter anderem während Intimkontakten übertragen wird, ist Promiskuität ein bekannter Risikofaktor für Skabies. Ein Grund für den Anstieg könnte daher im Zusammenhang mit der wieder ansteigenden Zahl von sexuell übertragbaren Infektionen gesehen werden. Außerdem sind Kinder eine unterschätzte Infektionsquelle, denn bei ihnen ist die Prävalenz tendenziell höher als bei Jugendlichen und Erwachsenen. Sie weisen meist mehr Milben auf, werden dahingehend oft unzureichend behandelt und haben untereinander und zu Familienangehörigen einen intensiveren Körperkontakt. Durch Kinder könnte sich eine Skabies also leichter weiterverbreiten.

Resistenz gegen Antiskabiosa

Mit der Zunahme der Skabies gehen Beobachtungen einher, denen zufolge die Milben gegenüber dem Antiskabiosum der ersten Wahl (Permethrin) unempfindlicher geworden sein sollen. Für einen ausbleibenden Therapieerfolg gäbe es drei mögliche Erklärungen: 1) eine fehlerhafte Anwendung, 2) eine Re-Infestation (Re-Infektion) infolge der ausgebliebenen, wichtigen Behandlung von Kontaktpersonen und 3) eine tatsächliche Unempfindlichkeit von Skabiesmilben gegenüber bestimmten Antiskabiosa. Während es für die ersten beiden Möglichkeiten Belege gibt, ist eine Unempfindlichkeit von Krätzemilben methodisch schwierig nachzuweisen (anders als bei den Antibiotikaresistenzen der Bakterien).

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