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Interview mit DGP-Tagungspräsidentin Prof. Dr. Ruth Knüchel-Clarke

Pathologie trägt wesentlich zur modernen Präzisionsmedizin bei: die Zusammenhänge der Pathophysiologie anhand der Morphologie sind wichtiges Allgemeinwissen für jeden Arzt.

esanum: Was sind die Schwerpunkte der 100. Jahrestagung der DGP 2016?

Knüchel-Clarke: Gerne schildere ich Ihnen die Schwerpunkte und besonders auch die Gründe der Auswahl.

Prof. Dr. Ruth Knüchel-Clarke – Tagungspräsidentin der 100. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Pathologie e. V.

1. INNOVATIVE TECHNOLOGIE. Hier liegt der inhaltliche Schwerpunkt bei der Bildgebung, die Deutsche Röntgengesellschaft war für die Planung unser Partner. Dass die Technologie als Schwerpunkt gewählt wird, liegt daran, dass ich an einer renommierten technischen Universität arbeite, der RWTH Aachen.

Es gibt zunehmend Schnittstellen zwischen Radiologie und Pathologie und auch Nuklearmedizin und Pathologie, die gemeinsamer Forschung bedürfen. Hierfür steht auch die Molekulare Bildgebung, zu der wir interessante Hauptreferate hören werden.

Gleichzeitig entwickelt die Pathologie die Möglichkeiten der Virtuellen Pathologie, d.h. das Anschauen von Gewebeschnitten am Computer statt unter dem Mikroskop. Hier bestehen Parallelen zur Radiologie und es ergeben sich neue Betrachtungsmöglichkeiten z.B. durch Bildübereinanderlagerung und durch dreidimensionale Darstellung.

2. UROPATHOLOGIE. Ich habe diesen Bereich der Pathologie gewählt, weil ich einerseits selbst in diesem Bereich spezialisiert bin, andererseits die Zeit für dieses Thema durch neue Veröffentlichungen sehr gut passte. So ist das sogenannte WHO-Blue-Book zu den Urologischen Tumoren ( Niere, Prostata, Harnblase etc. ) gerade neu aufgelegt worden und wir werden mit Urologen und Forschern eine lebhafte Diskussion führen und damit Trends für wichtige patientenorientierte Forschungsbereiche aufzeigen.

3. Die MOLEKULARPATHOLOGIE entwickelt sich methodisch derzeit so schnell weiter, dass sie ein Hauptaspekt jeder Pathologie-Tagung ist. Neben der Vermittlung innovativer Technik in der Molekularpathologie legen wir einen besonderen Akzent durch die Verknüpfung einiger Vorträge der AG Molekularpathologie mit unserer Gastgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Zytologie.

Wir wollen vermitteln, dass die Zytologie in ihrer Rolle gut durch die Molekularpathologie gestärkt wird. Für den Patienten bedeutet das ein Mehr an Entscheidungen im Kontext mit nicht- oder gering invasiven Eingriffen.

4. Die HUNDERTSTE TAGUNG der Deutschen Gesellschaft für Pathologie. Diese Überschrift birgt einen weiteren Schwerpunkt, nämlich die Reflexion auf die Entwicklung und die Position unserer wissenschaftlichen Gesellschaft. Eine Filmsäule in der “Historischen Ecke” und ein Interview zwischen “jung und alt” sind wesentliche Programmpunkte. Dieses wird begleitet von der Thematik: Frauen in der Pathologie und Medizin, weil ich selbst die erste Ordinaria im deutschsprachigen Raum war und damit ein bisschen das Rollenmodell annehmen muss.

esanum: Stichwort Trias aus Forschung, Lehre und Krankenversorgung: inwiefern muss sich die Pathologie zwischen diesen unterschiedlichen Bereichen und ihren Bedürfnissen behaupten?

Knüchel-Clarke: Hier sprechen Sie mit der Humboldtschen Trias ein wichtiges Thema für die Pathologie an, da die Pathologie ein thematisch ganzheitliches Fach ist. Der Pathologe lehrt die Zusammenhänge der Pathophysiologie anhand der Morphologie als wichtiges Allgemeinwissen für jeden Arzt. Diese Grundlagen bleiben trotz Organ-bezogenen Modellstudiengängen genauso wichtig wie das Spezialwissen des Pathologen zu seltenen Erkrankungen.

Forschung und Lehre sollen die Krankenversorgung verbessern, der Ökonomisierungsdruck in der Humanmedizin macht es schwer die Trias so zu organisieren, dass ausreichend Zeit und Geld für Lehre und Forschung bereitstehen. Hier ist es die Aufgabe der Pathologie über Ihre Interessenvertreter die Notwendigkeiten zu definieren, um die wichtige Lotsenrolle für die Qualität in der Medizin nachhaltig umsetzen zu können.

esanum: Was hat sich speziell auf Ihrem Gebiet in den letzten Jahren verändert?

Knüchel-Clarke: Interdisziplinarität ist hier ein wichtiges Stichwort. In Lehre und Krankenversorgung arbeiten Pathologen fächerübergreifend eng zusammen. In der Lehre können wir, wenn wir z. B. mit Anatomen, Biochemikern und Internisten nacheinander oder gemeinsam lehren, die Inhalte sehr gut fokussieren und Praxisnähe und -relevanz für die angehenden Ätze erreichen.

In der Krankenversorgung erleben wir insbesondere in der Maximalversorgung der Universitäten den Mehrwert von interdisziplinären Fallkonferenzen. Mit guter Vorbereitung und disziplinierter Darstellung der Patientendaten wird für den Patienten schnell und differenziert entschieden.

Innerhalb unseres Faches werden wir von den Entwicklungen der Molekularpathologie beeinflusst und sind begeistert wie wir unsere ärztliche Expertise am Gewebe mit molekularen Befunden ( z. B. Mutationen von Tumoren) verknüpfen können, um für die Patienten zunehmend selektive Therapieentscheidungen zu ermöglichen. Hier müssen wir selbst ständig lernen und agieren im Kontext mit z.B. Onkologen, Humangenetikern und chirurgischen Kollegen.

esanum: Welche technischen Neuerungen im Bereich der Pathologie beeindrucken Sie am meisten?

Knüchel-Clarke: Wie gerade schon genannt ist die moderne Sequenzierungstechnik mit Hochdurchsatzverfahren eine große Herausforderung als Ergänzung zu den differenzierten Aussagen an unseren Gewebsschnitten, die selbst zwar mittelalterlich sind, aber zusammen mit den neuen Methoden sehr hilfreich sind. – Die Möglichkeit nicht nur Röntgenbilder, sondern auch bunte Schnittpräparate am Computer zu handhaben und zu beurteilen, ist sehr eindrucksvoll und birgt viele neue Möglichkeiten. Details zu beiden genannten Punkten wird Ihnen unser Kongress vermitteln.

esanum: Das Kongressmotto lautet “Zurück zur Zukunft”: sehen Sie die Veranstaltung demnach sowohl als Rückschau auf die Errungenschaften der Vergangenheit, als auch als Ausblick auf Herausforderungen der Zukunft?

Knüchel-Clarke: Ja, genau so sehe ich das. Darüber hinaus hat die Rückschau etwas Bereicherndes. Sie formt das Selbstverständnis junger Kollegen. Mich selbst macht Sie auch bescheiden, denn viele “große Neuigkeiten” sind eigentlich kleine Schritte vorwärts und zum Teil auch Variationen eines alten Themas. Darüber hinaus haben uns unsere Vorgänger auch schon das “just do it” vorgemacht und das ist eine Quelle der Motivation.

esanum: DGP und BDP haben vor kurzem die QuIP GmbH gegründet, die basiert auf der Qualitätssicherungs-Initiative Pathologie (QuIP). Können Sie uns kurz Ziele und Hintergründe erläutern?

Knüchel-Clarke: Auch wenn die QUIP GmbH neu ist, sind es die Bemühungen um Qualitätssicherung in der Pathologie nicht. Und Qualitätssicherung und Vergleichbarkeit sind das Ziel dieser Bemühung. Die Pathologie ist im Vergleich zur klassischen Labormedizin eine Disziplin, die Gutachten erstellt und nicht nur objektive Messwerte erhebt. Grundlage dieser Gutachten sind Kombinationen aus qualitativen, semiquantitativen und zunehmend auch quantitativen Daten.

Das ist z. B. eine Färbung von Proteinen am Gewebe, die Grundlage für ein Medikament gegen dieses Protein ist. Da wir die Tumorzellen von normalen Zellen gut unterscheiden gelernt haben, können wir durch die Proteinfärbung bestimmen, ob der Patient das Medikament bekommen soll. Hier bedarf es der internen und externen Verfahrenskontrolle.

Die QUIP übernimmt mit den Ringversuschen die externe Verfahrenskontrolle. Das ist gleichsam wichtig geworden bei der Beurteilung von Mutationen in Tumoren, die eindeutig die Grundlage für eine Therapie des Patienten sind. Auch hier hat der Pathologe wieder eine gute Schulung für die wichtige qualitative Tumorerkennung, muss aber selbstverständlich zusätzlich seine Qualität für die Mutationsanalyse an diesem Tumor extern kontrollieren lassen. In dieser Kombination trägt die Pathologie wesentlich zur modernen Präzisionsmedizin bei.