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DGPPN Kongress 2015: Internet kann sexuelle Gewaltfantasien verstärken – Interview mit Prof. Peer Briken

Prof. Peer Briken, Direktor des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), spricht auf dem DGPPN Kongress 2015 über den Zusammenhang von “Internet und sexueller Gewalt”.

Prof. Peer Briken, Direktor des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), spricht auf dem DGPPN Kongress 2015 über den Zusammenhang von “Internet und sexueller Gewalt”.

Im Internet finden sich Millionen von pornografischen Videos und Fotos. Dabei reicht die Bandbreite von legalen erotischen Materialien über strafrechtliche relevante Gewaltvideos, Pädophilie, Erniedrigungen von Frauen bis hin zu Dokumentationen von Vergewaltigungen mit anschließender Tötung einer Person. Es gibt praktisch keine Grenzen.

Einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Konsum extrem gewalttätiger pornografischer Inhalte im Internet und der Ausübung von Gewalt im realen Leben gebe es allerdings nicht, betonte Prof. Peer Briken, Direktor des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), in seinem Vortrag “Internet und sexuelle Gewalt” auf dem DGPPN Kongress 2015.

“Für die Allgemeinbevölkerung existieren überhaupt keine Hinweise, dass sexuelle Gewalt durch das Internet insgesamt verstärkt wird. Es gibt aber kleine Sondergruppen, die eine Prädisposition dafür haben gewalttätig zu werden, und bei denen verstärken das Internet und die verfügbare Pornografie das Risiko für gewalttätiges Verhalten”, erklärt Briken.

Der Hamburger Psychiater stellt in seinen Untersuchungen vielmehr einen Zusammenhang zwischen Aggressivität, sadistischen Neigungen und sexueller Erregung sowie Wut fest. Hardcore- und Gewaltpornographie könnten dann dazu führen, die Aggressivität und Wut weiter zu steigern, so dass sie sich in der Sexualität entlädt.

Studien belegen, dass Personen mit hohem Risiko für sexuelle Gewalt ein erhöhtes Interesse an gewalttätiger Pornographie besitzen und durch diese stärker negativ beeinflusst würden. Der Umkehrschluss, das Internet animiere zu sexueller Gewalt, lässt sich trotz häufig anders lautender Medienberichterstattung bisher nicht belegen.

Sexuelle Übergriffe im Internet

Insgesamt solle man die Bedeutung des Internets für die sexuelle Sozialisation von Jugendlichen nicht unterschätzen. “Das Internet spielt eine wichtige Rolle”, so Briken im zweiten Teil seines Vortrags.

Abhängig von den zugrunde gelegten Studien hätten bis zu 80 Prozent der Jugendlichen bis 18 Jahren Erfahrung mit der Konsum pornografischer Videos im Internet – gerade bei Jungen meist als Vorlage zur Selbstbefriedigung.

Die regelmäßige Online-Nutzung mache Kinder und Jugendliche anfälliger für sexuelle Übergriffe insbesondere in Foren und Chatrooms, in denen sich Erwachsene, die mit Hilfe von Fake-Profilen und falschen Altersangaben versuchen, das Vertrauen der Kinder und Jugendlichen zu erschleichen. “Das Internet bietet eine niedrige Zugangsschwelle. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit entdeckt zu werden sehr gering”, erklärt Briken.

Typische sexuelle Übergriffe gerade gegenüber Mädchen im Internet sind das Aufdrängen von Gesprächen über Sex, das Zusenden von Nachtfotos, die Aufforderung selbst welche zu schicken oder das Bedrängen, sexuelle Handlungen vor einer Webcam auszuführen.

Experten sagen, besondere Vorsicht für Kinder und Jugendliche sei immer dann geboten, wenn das “Grooming” – also der Aufbau von Vertrauen über eine länger andauernde Kommunikation – zu Treffen im realen Umfeld führen solle.

Die ungewollte Annäherung oder Belästigung im Internet hat in den vergangenen Jahren abgenommen. Ein Grund könnte sein, dass Kinder und Jugendliche aufgrund ihrer intensiven Internetnutzung souveräner damit umzugehen wüssten,

Die Tatsache festzustellen, dass man gewalttätige oder pädophile Neigungen hat, macht den Betroffenen häufig selbst Angst. Deshalb gebe es ins insbesondere mit Blick auf Pädophilie seit einigen Jahren deutlich mehr Beratungs- und Therapieangebote, so Briken. Eines ist das Präventionsnetzwerk “Kein Täter werden”, das Menschen, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen, therapeutische Hilfe bietet.

Die betroffenen Personen erhalten Unterstützung, mit ihrer pädophilen oder hebephilen Neigung leben zu lernen und sexuelle Übergriffe durch direkten körperlichen Kontakt oder indirekt durch den Konsum von Kinderpornografie im Internet zu verhindern.

Die MiKADO-Studie hat herausgefunden, dass circa 4,4 Prozent der Männer in Deutschland Fantasien zu sexuellen Handlungen mit Kindern im Alter von 12 Jahren und jünger haben.