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Kapselendoskopie zur Diagnose von Morbus Crohn im Kindes- und Jugendalter

Die Auswertung von 180 Video-Kapselendoskopien (VCE) an 169 konsekutiven Patienten der Endoskopieeinheit der Abteilung für Gastroenterologie am Skåne Universitätshospital im schwedischen Malmö ergab, dass das Verfahren sicher ist und oft eine definitive Diagnose liefere.

Ein sicheres und aussagekräftiges Verfahren

Die Auswertung von 180 Video-Kapselendoskopien (VCE) an 169 konsekutiven Patienten der Endoskopieeinheit der Abteilung für Gastroenterologie am Skåne Universitätshospital im schwedischen Malmö ergab, dass das Verfahren sicher ist und oft eine definitive Diagnose liefere.1 Das weitere klinische Vorgehen wurde in der aktuellen ersten großen Single-Center-Studie durch die VCE oft entscheidend mitbestimmt.

Fokus: Dünndarm-Manifestationen

Die Studie erfasste sämtliche pädiatrische Patienten, die zwischen Oktober 2003 und Dezember 2014 am Skåne Universitätshospital eine VCE wegen der gesicherten Diagnose (n = 55; 31 %) oder des Verdachts (n = 125; 69 %) auf M. Crohn durchliefen. Die Patienten durften in den sechs Monaten vor der VCE keine entzündungshemmenden Medikamente eingenommen haben. Bei Patienten, die die Videokapsel nicht schlucken konnten, wurde diese mit einem Gastroskop im oberen Duodenum platziert.

Die Untersuchung galt praktisch ausschließlich dem Nachweis eines Crohn-Befalls im Dünndarm. Patienten mit 1-3 Erosionen oder Ulzerationen wurden als Verdachtsfälle für M. Crohn gewertet. Mehr als drei entsprechende Läsionen wurden als gesicherter Nachweis eines M. Crohn gewertet. Abgesehen von einer 8-stündigen Nahrungskarenz wurden die Patienten nicht speziell auf die Untersuchung vorbereitet. Bei Verdacht auf Dünndarmstrikturen wurden selbstauflösenden Kapseln (Patency-Kapsel) zum Nachweis einer ausreichenden Durchgängigkeit des Darms eingesetzt.

Insgesamt fanden 180 VCE an 169 Patienten im medianen Alten von 13 Jahren (3-17 Jahre) statt. 23 Patienten (13 %) waren jünger als 10 Jahre. Die Patienten, bei denen die Videokapsel endoskopisch eingebracht werden musste (n = 26; 14 %), waren mit neun Jahren etwa fünf Jahre jünger als die im Durchschnitt 14-jährigen anderen Patienten.

Etwa die Hälfte der Untersuchungen war auffällig, in 40 % bestätigte sich M. Crohn

Lediglich bei acht Patienten mit Verdacht auf Dünndarmstenosen konnte eine VCE nach radiologischer Abklärung nicht durchgeführt werden. Unter den Patienten, die eine VCE erhielten, fanden sich in 98 Fällen (54 %) Veränderungen der Mukosa, von denen 88 (49 %) den Dünndarm betrafen, davon 55 (53 %) das Jejunum. Unter den Patienten mit Dünndarmbefall wiesen 71 (40 %) typische Zeichen eines M. Crohn auf, während 17 Patienten (19 %) zweifelhaft betroffen waren oder ihr Befund nicht zur Diagnose Crohn passte. Bei 44 von 55 (80 %) Patienten bestätigte die VCE die bereits vor der Untersuchung gestellte Diagnose. In den elf verbleibenden Fällen fanden sich keine Anzeichen für Crohn.

Unter den 125 Verdachtsfällen für M. Crohn bestätigte sich die Diagnose bei 30 Patienten (24 %), darunter 17 Fällen mit Jejunum-Befall (14 %). Bei 79 (63 %) konnte M. Crohn ausgeschlossen werden. Bei 16 (13 %) der Untersuchungen war das Ergebnis uneindeutig.

Insgesamt kam es bei 56 der Patienten (31 %) zu einer neuen Diagnose oder Veränderungen der Therapie. Diese bestanden in einer Intensivierung der antiinflammatorischen Behandlung, der Einleitung einer Therapie mit Biologika oder immunmodulatorischen Medikamenten. Eine Zurücknahme der Therapie wurde lediglich in 3 % der Fälle empfohlen.

VCE: Mittel der Wahl auch zur Untersuchung der kindlichen Dünndarm-Mukosa?

Im Erwachsenenbereich hat sich die VCE längst als bestes Verfahren zur Untersuchung der Dünndarm-Schleimhaut durchgesetzt.2,3,4 Zu pädiatrischen Patienten liegen bisher jedoch kaum Erfahrungen vor.

In etwa der Hälfte der Fälle wurden zuvor unbekannte auffällige Befunde im Dünndarm der Kinder und Jugendlichen identifiziert. In etwa 60 % der Fälle wurden Veränderungen der Therapie aufgrund der VCE initiiert. Die meisten Kinder waren in der Lage, die Videokapsel zu schlucken. Eine Vorbereitung des Darms durch eine Lavage oder Laxantien erwies sich in Übereinstimmung mit einer aktuellen Meta-Analyse als nicht erforderlich. Da die Crohnsche Krankheit in der Regel an mehreren Orten Veränderungen der Mukosa verursacht, fallen Störungen der Sichtverhältnisse statistisch kaum ins Gewicht.5 Zudem wird die Darm-Vorbereitung von vielen Patienten als unangenehm wahrgenommen.

Weiterhin eignet sich die VCE nicht nur zur Untersuchung des distalen Dünndarms sondern auch zur Beurteilung des Jejunums. In der aktuellen Studie wurden Crohn-Läsionen in 25 % aller Fälle und 50 % der Patienten mit Morbus Crohn nachgewiesen.

In der aktuellen Studie kam es lediglich in einem unter 180 pädiatrischen Fällen zur Kapselretention, der einzigen registrierten schweren Komplikation. Die Autoren schließen daraus, dass die VCE zumindest bei Kindern ab 3 Jahren ein sicheres Untersuchungsverfahren darstellt. In diesem Fall blieb die Videokapsel in einem früher eingebrachten Metallstent hängen. Eine vorhergehende Stent-Einlage im Darm erfordere daher eine besonders sorgfältige Prüfung, ob sich die VCE als Untersuchungsmethode eigne. Zur Prüfung der Durchgängigkeit des Darms eigneten sich sogenannte Patency-Kapseln aus selbstauflösendem Material. Die Studienautoren halten dabei fest, dass die Komplikationsrate in der aktuellen Studie mit 0,6 % (ein Fall) im Vergleich zu früheren Untersuchungen ungewöhnlich niedrig war.

Bei sorgfältiger Prüfung der Eignung der Patienten halten die Wissenschaftler die VCE auch bei Kindern für ein sicheres und aussagekräftiges Verfahren zum Nachweis von M. Crohn im Dünndarm.

Weitere Fachartikel zu diesem Thema finden Sie in der Rubrik "Journal Club Gastroenterologie".

Referenzen:
1. Nemeth A, et al. Video capsule endoscopy in pediatric patients with Crohn’s disease: a single- center experience of 180 procedures. Ther Adv Gastroenterol 2018; 11: 1-7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5843093/pdf/10.1177_1756284818758929.pdf
2. Eliakim R. The impact of panenteric capsule endoscopy on the management of Crohn’s disease. Therap Adv Gastroenterol 2017; 10: 737–744. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5598809/pdf/10.1177_1756283X17720860.pdf
3. Pennazio M et al. Small-bowel capsule endoscopy and device-assisted enteroscopy for diagnosis and treatment of small-bowel disorders: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Clinical Guideline. Endoscopy 2015; 47: 352–376. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-0034-1391855
4. Gomollón F, et al. 3rd European Evidence-based Consensus on the Diagnosis and Management of Crohn’s Disease 2016: part 1: Diagnosis and Medical Management. J Crohns Colitis 2017; 11: 3–25. https://academic.oup.com/ecco-jcc/article/11/1/3/2456546
5. Yung DE, Rondonotti E, Sykes C, et al. Systematic review and meta-analysis: is bowel preparation still necessary in small bowel capsule endoscopy? Expert Rev Gastroenterol Hepatol 2017; 11: 979–993. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2873743