Krebspatienten leben länger - Fortschritte in der Onkologie

Ausblick: Von Innovation, Politik und Nachwuchsförderung

Auf der kommenden Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie vom 29. September bis 3. Oktober 2017 in Stuttgart werden neue klinische Daten zur Diagnostik und Therapie moderner immunonkologischer und zellulärer Therapien von Experten präsentiert und diskutiert.

Die Hämatologie und Medizinische Onkologie sind unter den innovativsten Gebieten der Medizin. Das ist Segen und Verpflichtung zugleich: Segen, weil der therapeutische Werkzeugkasten immer umfangreicher wird, wovon Patienten mit Krebs- und Bluterkrankungen profitieren. Verpflichtung, da das Wissen mit einer solch großen Geschwindigkeit wächst, dass es für die in der Behandlung Tätigen eine große Herausforderung ist, mit diesem Tempo mitzuhalten.

So betont Prof. Dr. med. Lothar Kanz, diesjähriger Kongresspräsident und Ärztlicher Direktor der Abteilung für Innere Medizin II – Onkologie, Hämatologie, Immunologie, Rheumatologie und Pulmologie am Universitätsklinikum Tübingen: "Besonders in unserem Fachgebiet verkürzt sich die Halbwertszeit des medizinischen Wissens zunehmend. Dieser Entwicklung tragen wir u. a. mit den Late Breaking Abstracts Rechnung. Mit diesem Format bieten wir erstmals die Möglichkeit, Forschungsergebnisse sowohl aus dem klinischen als auch dem wissenschaftlichen Bereich, die erst nach der Deadline zur regulären Abstracteinreichung verfügbar und damit 'ganz frisch' sind, einem breiten Publikum zu präsentieren."

Interdisziplinäre Debatten unbedingt erwünscht

Im Bereich der Forschung stehen u. a. die Themen Immunonkologie und Stammzellen im Mittelpunkt. Für die Plenarsitzung am 30. September ist es gelungen, Prof. George Q. Daley, MD, PhD, den Dekan der Medizinischen Fakultät der Havard University und weltweit renommierten Stammzellforscher, zu gewinnen. Daley wird über den derzeitigen Stand der translationalen Stammzellforschung berichten. Schwerpunktthemen im Bereich der Onkologie sind neue Arzneimittel sowie neue Therapieansätze etwa beim Lungenkarzinom oder beim Urogenitalmalignom. Im Bereich der Hämatologie stehen Themen wie Gerinnung, hämatologische Neoplasien und die Biologie des Multiplen Myeloms im Fokus. In der Plenarsitzung am 3. Oktober werden neuen Daten zum Themenkomplex Mikrobiom und Krebs vorgestellt. Umfangreiche Querbezüge werden beispielsweise zu den Querschnittsthemen Innere Medizin, Gynäkologie und Urologie angeboten. Themenübergreifend findet ein Mikroskopierkurs statt, und Fragen rund um die Bereiche Infektiologie, junge Erwachsene mit Krebs und Palliativmedizin werden intensiv diskutiert.

Wichtig, so Kanz, sei bei der Programmplanung gewesen, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Jahrestagung ausreichend Raum für die derzeit im Fachgebiet stattfindenden Debatten zu ermöglichen. "Wissenschaftliche Erkenntnis findet nie im luftleeren Raum statt, sondern ist immer mit der Frage verbunden, wie wir – in unserem Fall mit neuem medizinischen Wissen – umgehen. Dazu braucht es ein Forum für den Austausch auch von widerstrebenden Meinungen. Mit dem Format der Pro & Contra Debatte schaffen wir diesen Raum – u. a. zu den Themen Personalisierte Medizin und klinische Stammzelltransplantation."

Medizinische Fortschritte gleich teureres Gesundheitssystem?

Über die originär medizinischen Themen hinaus wurde im Programm auch ausreichend Raum für gesundheitspolitische Debatten geschaffen. Deren Dringlichkeit verdeutlicht Prof. Dr. med. Carsten Bokemeyer, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik für den Bereich Onkologie, Hämatologie und Knochenmarktransplantation mit Sektion Pneumologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: "Infolge der dramatischen Innovationen im Bereich der medikamentösen Tumortherapie sehen wir heute bei bestimmten Entitäten chronische Verläufe mit nahezu normaler Lebenserwartung. Dabei ist der wissenschaftliche und medizinische Fortschritt oft mit höheren Kosten für das solidarisch finanzierte Gesundheitssystem verbunden. Mit diesem Spannungsfeld aus Medizin und Ökonomie werden wir uns als Ärztinnen und Ärzte in Zukunft noch stärker auseinandersetzen müssen."

Als integrales Element der gemeinsamen Jahrestagungen der deutschsprachigen Fachgesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie, so Kongresspräsident Kanz, habe sich die Förderung des wissenschaftlichen und ärztlichen Nachwuchses für das Fach und damit für eine qualitativ exzellente hämatologische und onkologische Versorgung der Zukunft etabliert. "Um junge Kollegen für unser Fachgebiet zu begeistern, bieten wir unter anderem Hands-on-Seminare beispielsweise zum Vorgehen bei onkologischen Notfällen, zur Statistik und Karriereplanung an. Im Rahmen des Studententages am 30. September 2017 geben Spezialisten spannende Einblicke in unser Fachgebiet und interessante Anregungen zur individuellen Berufs- und Karriereplanung im Bereich der Hämatologie und Medizinischen Onkologie.“

Am 30. September und 1. Oktober findet zudem die Pflegetagung statt. Themen sind hier u. a. innovative Pflegekonzepte in der Krebstherapie, Geriatrische Onkologie, Palliativpflege oder neue Leitlinien. Begleitende Themen sind aktuelle Therapiestrategien beim Lungenkarzinom, beim Non-Hodgkin-Lymphom, bei der Akuten Myeloischen Leukämie und bei Hirnmetastasen. Angeboten werden Workshops zur Atemtherapie, Behandlung von Lymphödemen, Hygiene und Wundheilungsdokumentation sowie zu multiresistenten gramnegativen Bakterien. Im Rahmen eines interdisziplinären Themenblocks für ärztliches und pflegerisches Personal stehen die Bereiche Kommunikation und Onkologische Rehabilitation im Mittelpunkt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Onkologie Themenspecial.

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