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Striktes Management des Typ-2-Diabetes

Eine besonders strenge Blutzuckerkontrolle bei Typ-2-Diabetikern scheint sich Jahre später noch positiv auszuwirken – zumindest was den Erhalt der Nierenfunktion bei diesen Patienten betrifft. Dies konnten die Langzeitdaten der VADT-Studie (Veterans Affairs Diabetes Trial) jetzt zeigen.

Niere profitiert langfristig von intensivierter Blutzuckereinstellung

Eine besonders strenge Blutzuckerkontrolle bei Typ-2-Diabetikern scheint sich Jahre später noch positiv auszuwirken – zumindest was den Erhalt der Nierenfunktion bei diesen Patienten betrifft. Dies konnten die Langzeitdaten der VADT-Studie (Veterans Affairs Diabetes Trial) jetzt zeigen.

Der Typ-2-Diabetes ist heute einer der Hauptursachen für eine fortgeschrittene dialysepflichtige Niereninsuffizienz (ESRD für end-stage renal disease). Das Aufhalten der zunehmenden Nierenschädigung im Rahmen der diabetischen Nephropathie gilt daher als wichtiges therapeutisches Ziel. Zwar wurde in mehreren großen Studien ein positiver Effekt einer intensivierten Blutzuckerkontrolle (INT) auf mikrovaskuläre Diabeteskomplikationen wie die diabetische Nephropathie gezeigt – die Auswirkungen waren aber eher moderat.

Die US-amerikanische Arbeitsgruppe um Lily Agrawal et al. nutzte jetzt die Follow-up-Daten der VADT-Studie, um Langzeitauswirkungen der verbesserten Blutzuckerkontrolle in der etwa fünfjährigen Interventionsphase auf Nierenfunktion und diabetische Nephropathie zu untersuchen. Dabei konnten sie zeigen, dass die intensivierte Blutzuckerkontrolle sich noch Jahre später positiv auf die Nierenfunktion auswirkt und die Progression der diabetischen Nephropathie offensichtlich verzögern kann. Besonders scheinen dabei Patienten zu profitieren, die bereits vor der intensivierten Behandlung ein mittleres bis hohes Risiko für eine chronische Nierenerkrankung aufwiesen. 

Über fünf Jahre intensivierte Blutzuckerkontrolle vs. Standardtherapie

An der randomisierten prospektiven Multicenterstudie VADT nahmen ursprünglich 1.578 Patienten mit Typ-2-Diabetes teil, die zwischen 2000 und 2008 im Mittel über 5,6 Jahre mit einer Standardtherapie oder einer intensivierten Glukose-senkenden Therapie (INT-Gruppe) behandelt wurden. Die überwiegend männlichen Teilnehmer waren zu Beginn der Studie im Mittel 60,4 Jahre alt, litten im Schnitt bereits 11,5 Jahre an einem Typ-2-Diabetes und hatten einen mittleren HbA1C von 9,4 Prozent sowie eine eGFR von 83,1 ml/min/1,73 m2. Primärer Endpunkt war damals das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen. 
Am Ende der Interventionsphase der VADT-Studie hatten die Teilnehmer der INT-Gruppe einen deutlich geringeren HbA1C-Wert (6,9 Prozent vs. 8,4 Prozent) als in der Standardgruppe (STD-Gruppe). Zum damaligen Zeitpunkt war in der Gesamtkohorte keine Verzögerung der Progression der renalen Erkrankung nachweisbar – auch wenn sich hier in Subgruppen bereits eine geringere Verschlechterung der Albumin/Kreatinin-Ratio und ein langsamerer Rückgang der glomerulären Filtrationsrate (eGFR) abzeichneten.

Besserer Erhalt der Nierenfunktion im Langzeitverlauf

Nach der Interventionsphase wurden 1.033 Teilnehmer im Rahmen der VADT-F-Studie im Mittel noch weitere sechs Jahre weiterverfolgt. In dieser Zeit erhielten sie die normale Standardbehandlung bei ihrem Hausarzt oder Diabetologen. In den Jahren der Nachbeobachtung unterschieden sich die Patienten der beiden Gruppen nicht mehr hinsichtlich mittlerem HbA1, Blutdruck oder Blutfetten. 
Trotzdem schien sich die damalige strengere Blutzuckerkontrolle langfristig positiv auf die Niere auszuwirken: Am Ende der VADT-F-Studie wurde bei den Patienten in der ehemaligen INT-Gruppe (n=528) ein deutlich höherer Anteil von Personen mit einer gut erhaltenen Nierenfunktion (eGFR > 60 ml/min/1,73 m2) als in der Gruppe mit Standardtherapie beobachtet (60 Prozent vs. 53,3 Prozent; p=0,02; OR 1,34). Der Benefit war am größten bei den Patienten, bei denen schon zu Beginn der VADT-Studie ein moderates (INT vs. STD 51,5 Prozent vs. 39,6 Prozent; RR 1,3) oder hohes Risiko (INT vs. STD 28,8 Prozent vs. 12,5 Prozent; RR 2,3) für eine chronische Nierenerkrankung nach dem Kidney Disease Improving Global Outcomes (KDIGO-CKD) festgestellt worden war. 

Außerdem konnten am Ende der VADT-F-Studie signifikant mehr Teilnehmer in der INT-Gruppe einer geringeren KDIGO-Risikogruppe zugeordnet werden (RR 6,1; p=0,002). 

Als Limitationen ihrer Studie geben die Autoren zu bedenken, dass es sich um eine post-hoc-Analyse der Studie handelt und die zur Blutzucker- und Blutdruckkontrolle eingesetzten spezifischen Medikamenten nicht vorgegeben waren. Somit lasse sich nicht ausschließen, dass auch diese Medikamente einen Einfluss auf die Surrogat-Parameter der Nierenfunktion hatten. Außerdem könne man die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf jüngere nicht-adipöse Patienten mit Typ-2-Diabetes und auf Frauen übertragen.

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Quelle:
Lily Agrawal et al; long-term follow-up of intensive glycaemic control on renal outcomes in the Veterans Affairs Diabetes Trial (VADT); Diabetologia 2018; 61: 295-299; DOI: https://doi.org/10.1007/s00125-4473-2