Update: Zahl der Coronafälle in China steigt auf über 31.000

Wieder meldet China einen Rekordanstieg der Virusfälle und Toten. Mit der Epidemie nehmen Anfeindungen gegen Chinesinnen und Chinesen in Deutschland zu.

Fremdenfeindliches Klima gedeiht unter Anstieg der Infektionen

Wieder meldet China einen Rekordanstieg der Virusfälle und Toten. Mit der Epidemie nehmen Anfeindungen gegen ChinesInnen in Deutschland zu. Auf einem Kreuzfahrtschiff in Japan gibt es zehn Infektionen.

Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen und der Toten durch das neue Coronavirus ist in China wieder schneller gestiegen als in den Tagen zuvor. Bis zum 05.02. kletterte die Zahl der Infizierten innerhalb eines Tages um 3.887 auf 24.324, wie die Gesundheitskommission in Peking berichtete. Die Zahl der Toten stieg auf 490. Für acht deutsche Passagiere auf dem Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess", das vor Yokohama in Japan vor Anker liegt, gab es Entwarnung. Zwar wurden zehn Virusfälle unter Passagieren entdeckt, aber die Deutschen waren nicht darunter.

Die Infizierten wurden ins Krankenhaus gebracht. Das Schiff bleibt vorerst weiter unter Quarantäne. Die 2.666 Passagiere, etwa die Hälfte davon aus Japan, sowie 1.045 Crew-Mitglieder sollen für weitere 14 Tage an Bord bleiben, da die Untersuchungen auf den Erreger weitergehen, wie das japanische Gesundheitsministerium mitteilte.

Zwei Kreuzfahrtschiffe wurden in Japan und China festgesetzt

Mit der Entdeckung der zehn Infizierten von dem Schiff stieg die Zahl der Fälle in Japan auf 33. Außerhalb von Festland-China gibt es in mehr als zwei Dutzend Ländern jetzt mehr als 230 bestätigte Infektionen, davon zwölf in Deutschland. In Hongkong und den Philippinen sind zwei Menschen gestorben.

In Hongkong wurde ein weiteres Kreuzfahrtschiff mit mehr als 1.800 Passagieren an Bord festgesetzt. Bei drei Menschen, die zwischenzeitlich mit dem Schiff der asiatischen Gesellschaft Dream Cruises gereist waren, war das Virus festgestellt worden, teilten chinesische Behörden mit. Drei Mitglieder der Besatzung litten an Fieber, sie wurden in ein Krankenhaus gebracht und dort isoliert, wie die Gesundheitsbehörde des Hafens mitteilte. Die Passagiere mussten den Angaben zufolge an Bord bleiben. Zunächst war unklar, wie lange das Schiff nun in Hongkong bleiben muss.

Chinesin in Berlin angegriffen

Wegen der Ausbreitung des Virus wächst aus Sicht der chinesischen Botschaft in Berlin die Zahl der Anfeindungen gegen chinesische Bürgerinnen und Bürger in Deutschland. "Die jüngsten Anfeindungsfälle und die fremdenfeindlichen Äußerungen in einzelnen Medien haben nach dem Coronavirus-Ausbruch zugenommen und sind besorgniserregend", teilte die Botschaft auf Anfrage mit. Nach einem Angriff auf eine Chinesin in Berlin habe man sofort die Polizei kontaktiert.

Wie die Berliner Polizei mitteilte, sollen zwei Frauen am Freitagnachmittag im Stadtteil Moabit eine Chinesin rassistisch beleidigt, bespuckt, an den Haaren zu Boden gerissen sowie geschlagen und getreten haben. Die 23-Jährige wurde demnach am Kopf verletzt und ambulant in einem Krankenhaus behandelt, ihre Brille zerbrach. Die Angreiferinnen flüchteten.

Nach dem Fall habe man auf sozialen Medien und über die Webseite auf die aktuelle Situation hingewiesen, erklärte die Botschaft. Man habe Ratschläge für den Fall einer Provokation oder einer Straftat gegeben.

Bundesregierung rät von Reisen nach China ab, warnt aber ausdrücklich vor Reisen in Provinz Hubei 

Aus Angst vor dem Virus hat Großbritannien alle Landsleute in China zur Ausreise aufgerufen. "Wir raten britischen Staatsangehörigen, das Land zu verlassen, falls sie können, um ihr Infektionsrisiko zu minimieren", teilte Außenminister Dominic Raab in London mit.

Deutschland hatte lediglich dazu geraten, von Reisen nach China abzusehen, aber ausdrücklich davor gewarnt, die Provinz Hubei zu besuchen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte: "Es ist doch in der aktuellen Lage eine Selbstverständlichkeit, dass jemand, der nicht in China lebt oder sein muss, einen Aufenthalt dort vermeidet oder beendet."

Übertragung auch bei milden Krankheitssymptomen möglich

Die USA und Russland flogen weitere Staatsangehörige aus der vom Coronavirus schwer betroffenen Metropole Wuhan in Zentralchina aus. Auch andere Staaten wie Deutschland, Frankreich oder Australien haben bereits Staatsangehörige ausgeflogen.

Das Coronavirus kann nach Erkenntnissen deutscher Forschungsinstitute auch von Menschen mit nur sehr milden Krankheitssymptomen übertragen werden. Die Charité in Berlin, die Klinik Schwabing in München und das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr teilten in einer Erklärung mit, dass einige der derzeit in der Klinik Schwabing behandelten Erkrankten auch bei nur schwachen Symptomen Viren in ihrem Nasen-Rachen-Raum zeigten.

Erkrankten in Deutschland geht es gut

Zudem sei festgestellt worden, dass sich das Virus unabhängig von der Lunge auch im Nasen-Rachen-Raum und im Verdauungstrakt vermehrt. Diese Beobachtungen seien deutliche Hinweise für eine Übertragbarkeit bereits bei milder oder beginnender Erkältungssymptomatik wie zum Beispiel Halsschmerzen, einer Nasennebenhöhlen-Infektion oder nur einem leichten Krankheitsgefühl ohne Fieber.

Nach ärztlihen Angaben geht es den zwölf Erkrankten in Deutschland gut. Außer zwei Infizierten, die mit anderen Deutschen aus Wuhan ausgeflogen worden waren, gibt es zehn Infizierte in Bayern, die in Zusammenhang mit dem Autozulieferer Webasto stehen. Bei Webasto war eine infizierte Kollegin aus China zu Gast gewesen. Auch der auf der Kanareninsel La Gomera infizierte Deutsche ist nach Angaben der Behörden wohlauf.

Viren halten sich bis zu neun Tage auf Klinken und Klingeln

Coronaviren können sich bei Raumtemperatur bis zu neun Tage lang auf Oberflächen halten und infektiös bleiben. Im Schnitt überleben sie zwischen vier und fünf Tagen, schreibt ein Forschungsteam aus Greifswald und Bochum im "Journal of Hospital Infection". "Kälte und hohe Luftfeuchtigkeit steigern ihre Lebensdauer noch", sagte Günter Kampf vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Greifswald am 07.02.2020.

Da es gegen Coronaviren keine spezifische Therapie gebe, sei die Vorbeugung gegen Ansteckungen wichtig. Wie alle Tröpfcheninfektionen verbreite sich das Virus auch über Hände und Oberflächen, die häufig angefasst werden. "Im Krankenhaus können das zum Beispiel Türklinken sein, aber auch Klingeln, Nachttische, Bettgestelle und andere Gegenstände im direkten Umfeld von Patienten", erklärte Kampf.  

Infektiöse Coronaviren könnten binnen einer Minute von einer Million auf 100 krankmachende Partikel reduziert werden

Gemeinsam mit dem Virologen Eike Steinmann von der Ruhr-Universität Bochum hatte Kampf für ein geplantes Fachbuch Erkenntnisse aus Studien über Coronaviren und deren Inaktivierung zusammengestellt. Aufgrund der aktuellen Lage veröffentlichten sie die wissenschaftlichen Fakten vorab. Sie nehmen an, dass ihre Erkenntnisse über andere Coronaviren auf das neue Virus 2019-nCoV übertragbar sind. "Es wurden unterschiedliche Coronaviren untersucht, und die Ergebnisse waren alle ähnlich", erklärte Steinmann.

Zur Desinfektion empfehlen die Forscher Mittel auf der Basis von Ethanol, Wasserstoffperoxid oder Natriumhypochlorit. Wende man diese in richtiger Konzentration an, reduzierten sie die Zahl der infektiösen Coronaviren binnen einer Minute drastisch - von einer Million auf nur noch 100 krankmachende Partikel. Würden Präparate auf anderer Wirkstoffbasis verwendet, sollten sie zumindest begrenzt gegen Viren wirken. "In der Regel genügt das, um die Gefahr einer Ansteckung deutlich zu reduzieren", meinte Kampf. Andere Forscher hatten zuvor zu häufigerem Händewaschen geraten.

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